Massive Belastung für ältere Menschen durch Preiserhöhung um 113 Prozent
Die Wiener ÖVP zeigt sich enttäuscht über Bürgermeister Ludwigs ausweichende Antworten zur Abschaffung der ermäßigten Senioren-Einzelfahrscheine.
Die Debatte um die Abschaffung der ermäßigten Senioren-Einzelfahrscheine bei den Wiener Linien hat in der heutigen Gemeinderatssitzung für Spannungen gesorgt. Die Wiener Volkspartei konfrontierte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) mit dieser für viele ältere Menschen belastenden Maßnahme, erhielt jedoch keine zufriedenstellenden Antworten.
Ingrid Korosec, Seniorensprecherin der Wiener ÖVP, zeigte sich nach der Fragestunde äußerst enttäuscht über den Verlauf der Diskussion. Der Gemeinderatsvorsitzende Thomas Reindl (SPÖ) lehnte eine Zusatzfrage der Opposition ab, obwohl das Thema viele Wiener Seniorinnen und Senioren direkt betrifft.
"Anstatt eine entsprechende Zusatzfrage in der Fragestunde zuzulassen, wurde dieses Ansinnen seitens des Gemeinderatsvorsitzenden von der SPÖ abgelehnt", kritisierte Korosec. Auch die anschließende Antwort des Bürgermeisters bezeichnete sie als "völlig unzureichend".
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit Anfang 2024 müssen Seniorinnen und Senioren für eine einzelne Fahrt mit den Wiener Linien mehr als doppelt so viel bezahlen wie zuvor. Die Abschaffung des ermäßigten Senioren-Einzelfahrscheins führt zu einer Preissteigerung von 113 Prozent – eine massive finanzielle Belastung für ältere Menschen mit begrenztem Einkommen.
Besonders betroffen sind jene Seniorinnen und Senioren, die öffentliche Verkehrsmittel nur gelegentlich nutzen. Arztbesuche, Einkäufe oder andere notwendige Erledigungen des täglichen Bedarfs werden dadurch deutlich teurer. Während Dauerkarteninhaber weiterhin von günstigen Tarifen profitieren, trifft die Verteuerung vor allem jene, die keine Jahres- oder Monatskarten benötigen.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die zunehmende Digitalisierung des Ticketsystems. Analoge Fahrscheine sind inzwischen teurer als digitale Angebote – eine Entwicklung, die besonders ältere Menschen benachteiligt. Viele Seniorinnen und Senioren besitzen kein Smartphone oder können digitale Angebote nicht nutzen.
"Wer kein Smartphone besitzt oder digitale Angebote nicht nutzen kann, zahlt drauf. Das betrifft besonders viele ältere Menschen und ist sozialpolitisch nicht vertretbar", betonte Korosec. Diese digitale Kluft verstärkt die ohnehin schon bestehenden Probleme für ältere Menschen im öffentlichen Verkehr.
Bürgermeister Ludwig verwies in seiner Antwort auf das "umfassende Serviceangebot" der Wiener Linien für ältere Menschen. Diese Aussage stößt bei der Opposition jedoch auf heftige Kritik. Korosec bezeichnete diese Darstellung angesichts der aktuellen Entwicklungen als "geradezu eine Chuzpe gegenüber Seniorinnen und Senioren".
Weder gab es eine nachvollziehbare Begründung für die Abschaffung des Seniorentickets noch zeigte der Bürgermeister erkennbares Problembewusstsein für die Auswirkungen auf ältere Menschen. Die fehlende Transparenz bei dieser wichtigen sozialpolitischen Entscheidung sorgt für zusätzlichen Unmut.
Die Verteuerung der Einzelfahrscheine hat weitreichende Konsequenzen für die Mobilität älterer Menschen in Wien. Viele Seniorinnen und Senioren sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, da sie nicht mehr Auto fahren können oder wollen. Höhere Fahrpreise können dazu führen, dass notwendige Fahrten vermieden werden – mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheitsvorsorge und die gesellschaftliche Teilhabe.
Arzttermine, Apothekengänge oder Besuche bei Freunden und Familie könnten für einkommensschwache Seniorinnen und Senioren zu einem finanziellen Problem werden. Dies steht im Widerspruch zu den sozialpolitischen Zielen einer Stadt, die sich als sozial gerecht bezeichnet.
Die Wiener Volkspartei lässt in ihren Forderungen nicht locker. Neben der Rücknahme der Abschaffung des Senioren-Einzelfahrscheins verlangt sie auch ein Ende der Preisaufschläge für analoge Tickets. Öffentliche Mobilität müsse für alle Menschen zugänglich und leistbar bleiben – unabhängig von Alter oder digitaler Kompetenz.
"Die heutige Antwort hat vor allem auch gezeigt, dass diese SPÖ-Neos-Stadtregierung die Lebensrealität vieler Seniorinnen und Senioren ausblendet. Das werden wir nicht akzeptieren", stellte Korosec abschließend klar. Die Opposition kündigt an, das Thema weiter zu verfolgen und den Druck auf die Stadtregierung aufrechtzuerhalten.
Wien steht wie viele europäische Städte vor dem demografischen Wandel. Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung wächst kontinuierlich. Umso wichtiger wird eine seniorenfreundliche Verkehrspolitik, die den besonderen Bedürfnissen dieser Bevölkerungsgruppe Rechnung trägt.
Die Diskussion um die Seniorentickets zeigt exemplarisch, wie wichtig es ist, bei verkehrspolitischen Entscheidungen alle Bevölkerungsgruppen im Blick zu behalten. Eine Stadt, die sich als lebenswert für alle Altersgruppen positionieren möchte, muss auch entsprechende Angebote schaffen und erhalten.
Über die konkreten Auswirkungen hinaus kritisiert die Opposition auch den Umgang der Stadtregierung mit dem Thema. Die mangelnde Bereitschaft, transparente Antworten auf berechtigte Fragen zu geben, und die Verweigerung von Zusatzfragen im Gemeinderat werden als problematisch für die demokratische Debatte gesehen.
"Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Anrecht darauf", eine Erklärung für politische Entscheidungen zu erhalten, die sie direkt betreffen, so Korosec. Diese Forderung nach Transparenz und Rechenschaftspflicht wird auch in Zukunft ein zentraler Punkt der Opposition bleiben.