Wiener Volkspartei fordert Qualitätsoffensive statt "Pinker-Plüsch-PR"
Die ÖVP übt scharfe Kritik an der Kindergarten-Politik der Wiener Stadtregierung und fordert konkrete Reformen statt Ankündigungen.
Die Wiener Kindergarten-Politik steht erneut im Fokus der politischen Debatte. Im Rahmen der Aktuellen Stunde im Wiener Gemeinderat übten Klubobmann Harald Zierfuß und Gemeinderätin Sabine Keri von der Wiener Volkspartei scharfe Kritik an der bisherigen Bilanz der SPÖ-Neos-Stadtregierung im Bereich der Elementarpädagogik.
Die Opposition wirft der Stadtregierung vor, nach fünf Jahren in der Verantwortung noch immer keine ausreichenden Reformen im Kindergartenbereich umgesetzt zu haben. "Nach fünf Jahren in der Verantwortung beginnen die Neos damit, über Kindergärten nachzudenken – das klingt wie ein schlechter Scherz und ist auch einer", kritisierte Klubobmann Harald Zierfuß die aktuelle Situation.
Die Wiener Volkspartei sieht in den bisherigen Maßnahmen der Stadtregierung hauptsächlich PR-Kampagnen statt echter Reformen. Für die ÖVP steht fest: Ankündigungen könnten keine strukturellen Verbesserungen ersetzen, die Wiener Familien und Kinder dringend benötigten.
Ein besonderer Fokus der Kritik liegt auf der mangelhaften Deutschförderung in Wiener Kindergärten. Die Zahlen sprechen laut ÖVP eine deutliche Sprache: Mehr als die Hälfte der Schulanfänger in Wien könne nicht ausreichend Deutsch, obwohl viele von ihnen bereits mehrere Jahre einen Kindergarten besucht hätten.
"Acht der zehn Bezirke mit den höchsten Anteilen an Kindern mit mangelnden Deutschkenntnissen bei Schuleintritt liegen in Wien", so Zierfuß. Diese Statistik unterstreiche die Dringlichkeit von Reformen im Bereich der frühkindlichen Sprachförderung.
Auch bei den versprochenen Deutschförderkräften bleibe die SPÖ-Neos-Stadtregierung hinter den Erwartungen zurück. Während 500 Vollzeitstellen angekündigt worden seien, stagniere man tatsächlich bei rund 300 Kräften. "80 Prozent Wirksamkeit bei Deutschförderklassen stehen zehn Prozent in den Kindergärten gegenüber – die Zahlen sprechen eine klare Sprache", betonte der ÖVP-Klubobmann.
Die Wiener Volkspartei hat einen detaillierten Forderungskatalog für Verbesserungen im Kindergartenbereich vorgelegt. Zu den zentralen Punkten gehören:
"Pinke PR ersetzt keine professionelle Deutschförderung und keine besseren Rahmenbedingungen im Kindergarten", unterstrich Zierfuß die Notwendigkeit konkreter Maßnahmen statt weiterer Ankündigungen.
Gemeinderätin Sabine Keri, Familiensprecherin der Wiener ÖVP, erinnerte daran, dass die Neos das Thema Kindergarten bereits seit über einem Jahrzehnt politisch besetzen würden. "Politisches Marketing könnt ihr unglaublich gut – die Bilder sind immer in pinkem Plüsch gemalt, aber in der Realität schaut es ganz anders aus", so Keri.
Sie verwies auf die lange Historie der Neos-Versprechen: Bereits 2013 sei im Bildungsprogramm der Partei die Aufwertung frühpädagogischer Einrichtungen gefordert worden. 2015 folgte die Petition "Eins zu Drei – seid dabei" zum Betreuungsschlüssel. "Und als ihr 2020 endlich das Ressort bekommen habt, habt ihr nicht den Kindergarten neu gedacht – ihr habt nur das Mindeste getan", kritisierte Keri.
Ein besonders dringliches Problem sieht die ÖVP in der Absicherung von Ganztagsplätzen in städtischen Kindergärten. Derzeit verlieren Kinder ihren Ganztagsanspruch, wenn ein Elternteil arbeitslos wird oder in Karenz geht. Diese Regelung stelle Familien vor erhebliche Planungsunsicherheiten.
"Ihr hattet 1.911 Tage Zeit, an dieser kleinen Schraube zu drehen – geschafft habt ihr es bis heute nicht", rechnete Keri der Stadtregierung vor. Die Familiensprecherin betonte dabei: "Vater und Mutter sind immer da, wenn Kinder sie brauchen – immer." Pädagogische Konzepte dürften nicht an der Lebensrealität von Familien vorbeigehen.
Die Wiener Volkspartei sieht in der aktuellen Situation eine verpasste Chance für echte Bildungsreformen. Statt auf Marketing und PR-Kampagnen zu setzen, müsse die Stadtregierung endlich konkrete Verbesserungen für Kinder, Eltern und Pädagogen umsetzen.
"Wien braucht keinen PR-Neustart, sondern einen Qualitäts-Neustart im Kindergarten", fassten Zierfuß und Keri ihre Forderungen zusammen. Kleinere Gruppen, echte Sprachförderung, faire Finanzierung und Verlässlichkeit für Familien – das sei Kindergarten neu gedacht.
Die Debatte um die Wiener Kindergarten-Politik spiegelt österreichweite Herausforderungen im Bereich der Elementarpädagogik wider. Personalmangel, unzureichende Sprachförderung und steigende Anforderungen an die Betreuungsqualität beschäftigen Kommunen in ganz Österreich.
Besonders in einer Stadt wie Wien, die durch ihre Vielfalt und den hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund geprägt ist, stellen diese Herausforderungen die Politik vor komplexe Aufgaben. Die frühkindliche Bildung gilt als entscheidender Baustein für Chancengerechtigkeit und Integration.
Die ÖVP kündigte an, das Thema weiterhin intensiv zu verfolgen und die Stadtregierung zur Rechenschaft zu ziehen. "Die SPÖ-Neos-Stadtregierung ist gefordert, endlich vom Ankündigen ins Umsetzen zu kommen", so das Fazit der beiden ÖVP-Politiker.
Ob und wie die Wiener Stadtregierung auf die Kritik reagieren wird, bleibt abzuwarten. Die Debatte zeigt jedoch deutlich, dass das Thema Kindergarten-Qualität auch künftig ein zentraler Punkt der Wiener Kommunalpolitik bleiben wird. Familien und Kinder in Wien dürfen auf konkrete Verbesserungen hoffen – die politische Opposition wird jedenfalls weiterhin Druck machen.