Am 13. Januar 2026 richtete die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) einen offenen Brief an die Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Martha Schultz. Der Anlass ist das Integrationsbarometer 2025, eine Studie, die seit Jahren für Diskussionen sorgt. Diese Erhebung, die ursprüng
Am 13. Januar 2026 richtete die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) einen offenen Brief an die Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Martha Schultz. Der Anlass ist das Integrationsbarometer 2025, eine Studie, die seit Jahren für Diskussionen sorgt. Diese Erhebung, die ursprünglich als 'Muslim-Studie' bekannt war, wird vom Österreichischen Integrationsfonds, mittlerweile dem Integrationsministerium unterstellt, beauftragt und finanziert. Die TKG kritisiert die pauschale Stigmatisierung von Unternehmern mit muslimischem Hintergrund und fordert Schutz vor verallgemeinernden Darstellungen.
Das Integrationsbarometer, das bis 2014 als 'Muslim-Studie' bekannt war, hat eine lange Geschichte in Österreich. Ursprünglich sollte es die Integration muslimischer Gemeinschaften in Österreich messen. Doch seit seiner Einführung hat es immer wieder Kontroversen ausgelöst. Kritiker bemängeln, dass die Studie oft pauschalisierende und stigmatisierende Ergebnisse liefert, die nicht die Realität der vielfältigen muslimischen Gemeinschaften widerspiegeln. Der Österreichische Integrationsfonds, der die Studie beauftragt, steht daher regelmäßig in der Kritik, da die Ergebnisse politisch instrumentalisiert werden.
Muslimische Unternehmer leisten einen erheblichen Beitrag zur österreichischen Wirtschaft. Viele von ihnen investieren Millionen in den Standort Österreich, schaffen Arbeitsplätze und tragen maßgeblich zum Steueraufkommen bei. Trotz dieser positiven wirtschaftlichen Beiträge werden sie in der öffentlichen Wahrnehmung oft auf ihre religiöse Zugehörigkeit reduziert. Dies ist besonders problematisch, da es die wirtschaftlichen Leistungen dieser Unternehmer in den Hintergrund drängt und negative Stereotype verstärkt.
Laut der offiziellen Website der WKÖ gehört Österreich bei einigen wirtschaftlichen Indikatoren zu den Schlusslichtern in der EU. Dies betrifft insbesondere die BIP-, Export- und Produktivitätsentwicklung. Obwohl für 2025 eine leichte Konjunkturerholung prognostiziert wird, bleiben strukturelle Schwächen bestehen, die die wirtschaftlichen Aussichten dämpfen. Diese Schwächen betreffen auch die Integration von Migranten und die Anerkennung ihrer wirtschaftlichen Leistungen.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz zeigt sich, dass Österreich in der Integration von Migranten und der Anerkennung ihrer wirtschaftlichen Beiträge hinterherhinkt. In Deutschland gibt es zahlreiche Initiativen zur Förderung von Migrantenunternehmen, die von staatlicher Seite unterstützt werden. Auch in der Schweiz wird die wirtschaftliche Bedeutung von Migranten stärker anerkannt und gefördert. Diese Länder haben verstanden, dass die Integration von Migranten nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist.
Die Debatte um das Integrationsbarometer hat auch konkrete Auswirkungen auf die Bürger. Unternehmer mit muslimischem Hintergrund sehen sich oft mit Vorurteilen konfrontiert, die durch solche Studien verstärkt werden. Dies kann zu einer Benachteiligung bei der Vergabe von Aufträgen oder bei der Kreditvergabe führen. Gleichzeitig wird das gesellschaftliche Klima vergiftet, was die soziale Integration erschwert. Die TKG fordert daher eine differenzierte Betrachtung und die Anerkennung der wirtschaftlichen Leistungen muslimischer Unternehmer.
Für die Zukunft ist es wichtig, dass Österreich seine Integrationspolitik überdenkt und anpasst. Eine Möglichkeit wäre die Einführung von Förderprogrammen für Migrantenunternehmen, ähnlich wie in Deutschland und der Schweiz. Zudem sollte die öffentliche Wahrnehmung von Migranten und ihren wirtschaftlichen Beiträgen verbessert werden. Dies könnte durch Aufklärungskampagnen und die Förderung von erfolgreichen Migranten als Vorbilder geschehen. Nur so kann Österreich seine wirtschaftlichen Potenziale voll ausschöpfen und die Integration nachhaltig gestalten.
Zum Abschluss dieses offenen Briefes bleibt die Frage: Wie kann Österreich seine Integrationspolitik so gestalten, dass sie sowohl den sozialen als auch den wirtschaftlichen Anforderungen gerecht wird? Die TKG hofft auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der WKÖ und anderen relevanten Akteuren, um gemeinsam Lösungen zu finden.
Für weiterführende Informationen und zur vollständigen Lektüre des offenen Briefes besuchen Sie bitte die Website der Türkischen Kulturgemeinde.