Der Wiener Community-Sender OKTO erweitert ab dem 25. März 2026 sein Kulturprogramm um eine neue wöchentliche Sendung. Mit dem "WINSTAGE ARTIST TALK" etabliert der Sender jeden Mittwoch um 20:35 Uh...
Der Wiener Community-Sender OKTO erweitert ab dem 25. März 2026 sein Kulturprogramm um eine neue wöchentliche Sendung. Mit dem "WINSTAGE ARTIST TALK" etabliert der Sender jeden Mittwoch um 20:35 Uhr ein Format, das bildende Künstlerinnen und Künstler aus Niederösterreich und Wien in den Mittelpunkt stellt. Die halbstündigen Gespräche sollen Kultur niederschwellig und für ein breites Publikum zugänglich machen.
Community Television, oft als Bürgersender oder lokaler Fernsehsender bezeichnet, erfüllt eine wichtige gesellschaftliche Funktion in der österreichischen Medienlandschaft. Diese nicht-kommerziellen Sender, die sich durch Förderungen und ehrenamtliche Arbeit finanzieren, bieten eine Alternative zu den großen Medienkonzernen. OKTO, als einer der führenden Community-TV-Sender Österreichs, hat sich seit seiner Gründung als wichtige Plattform für lokale Kultur und gesellschaftliche Themen etabliert.
Die Bedeutung solcher Formate liegt nicht nur in der reinen Unterhaltung, sondern in der Demokratisierung des Medienzugangs. Während kommerzielle Sender oft auf massentaugliche Inhalte setzen müssen, können Community-Sender wie OKTO Nischenprogramme entwickeln, die spezielle Zielgruppen ansprechen. Dies ermöglicht es Künstlerinnen und Künstlern, die sonst möglicherweise keine mediale Aufmerksamkeit erhalten würden, ihre Werke und Geschichten einem interessierten Publikum zu präsentieren.
Als Moderator der neuen Sendung fungiert Andreas Hofmarcher, bekannt unter seinem Künstlernamen "Maisblau". Die Wahl eines erfahrenen Kulturvermittlers unterstreicht OKTOs Anspruch, qualitativ hochwertige Inhalte zu produzieren. Hofmarcher bringt nicht nur journalistische Kompetenz mit, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Kunstszene. Seine Herangehensweise wird als "niederschwellig und gemütlich" beschrieben, was darauf hindeutet, dass die Sendung bewusst eine entspannte Atmosphäre schaffen möchte.
Diese Gesprächsführung unterscheidet sich deutlich von klassischen Kunstsendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die oft akademisch und distanziert wirken können. Der Community-TV-Ansatz erlaubt es, authentische und persönliche Gespräche zu führen, die das Publikum direkter ansprechen und möglicherweise neue Zielgruppen für zeitgenössische Kunst begeistern können.
Die Kooperation mit der WINSTAGE in Wiener Neustadt ist ein strategisch kluger Schachzug. Wiener Neustadt, als zweitgrößte Stadt Niederösterreichs mit rund 45.000 Einwohnern, hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Kulturstandort entwickelt. Die Stadt liegt etwa 50 Kilometer südlich von Wien und profitiert von ihrer Nähe zur Bundeshauptstadt, während sie gleichzeitig eigenständige kulturelle Akzente setzt.
Die WINSTAGE versteht sich als "Ort des Dialogs zwischen Kunst, Künstler:innen und Besucher:innen". Diese Philosophie spiegelt einen modernen Ansatz der Kunstvermittlung wider, bei dem nicht mehr die ehrfürchtige Betrachtung im Vordergrund steht, sondern der aktive Austausch. Solche Kulturzentren haben in Österreich eine lange Tradition - von den Wiener Kulturzentren wie dem WUK bis hin zu regionalen Initiativen in kleineren Städten.
Die Zusammenarbeit zwischen OKTO und WINSTAGE zeigt exemplarisch, wie moderne Kulturarbeit funktionieren kann. Während traditionelle Medien oft nur über bereits etablierte Künstlerinnen und Künstler berichten, ermöglichen solche Kooperationen auch weniger bekannten Talenten eine Plattform. Dies ist besonders für die österreichische Kunstszene wichtig, die sich durch eine große Vielfalt an regionalen Zentren auszeichnet.
Im Vergleich zu Deutschland oder der Schweiz ist Österreichs Kunstszene sehr stark auf Wien konzentriert. Initiativen wie die WINSTAGE-Sendung können dazu beitragen, diese Zentralisierung aufzuweichen und regionale Kunstschaffende sichtbarer zu machen. Dies ist nicht nur kulturpolitisch wertvoll, sondern auch wirtschaftlich relevant, da der Kulturtourismus in Österreich einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt.
Für die Premierensendung am 25. März 2026 hat OKTO zwei sehr unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten eingeladen. Edeltraud Steurer, geboren 1964 in Wiener Neustadt, repräsentiert die klassische autodidakte Tradition in der österreichischen Kunstszene. Als Autodidaktin, das heißt als selbst ausgebildete Künstlerin ohne formale Kunstakademie-Ausbildung, entwickelte sie ihre eigene künstlerische Handschrift in der Aquarell- und Acrylmalerei.
Autodidakte Künstlerinnen und Künstler spielen in der österreichischen Kunstgeschichte eine wichtige Rolle. Sie bringen oft eine unverfälschte Sichtweise mit, die nicht durch akademische Traditionen geprägt ist. Gleichzeitig müssen sie sich ohne institutionelle Unterstützung am Kunstmarkt behaupten, was besondere Herausforderungen mit sich bringt. Steurers Fokus auf Aquarell- und Acrylmalerei zeigt eine Verbindung zu traditionellen Maltechniken, die in der zeitgenössischen Kunst oft übersehen werden.
Thomas Zinnbauer hingegen vertritt als Multi-Media-Artist eine völlig andere künstlerische Richtung. Multimedia-Kunst, die verschiedene Medien wie Video, Audio, digitale Technologien und traditionelle Materialien kombiniert, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer der wichtigsten Strömungen der zeitgenössischen Kunst entwickelt. Diese Kunstform reflektiert unsere zunehmend digitalisierte Gesellschaft und bietet Künstlern neue Ausdrucksmöglichkeiten.
Zinnbauers Konzept vom "Immerland" deutet auf eine conceptuelle Herangehensweise hin, bei der nicht nur das fertige Kunstwerk, sondern auch dessen Wirkung im Raum und die Wahrnehmung durch Betrachter im Mittelpunkt stehen. Solche raumspezifischen und erfahrungsbezogenen Ansätze sind charakteristisch für zeitgenössische Kunstpraxis und zeigen, wie sich die Rolle des Publikums von passiven Betrachtern zu aktiven Teilnehmern gewandelt hat.
Mit Formaten wie dem Kulturmagazin "DER WAL", der Portraitsendung "MEIN WEG", dem Ausflugsformat "DER KLEINE STADTSTREICHER" und der "EWIGKEITSGASSE" hat OKTO bereits ein beachtliches Kulturprogramm aufgebaut. Diese Vielfalt unterscheidet den Sender deutlich von kommerziellen Anbietern, die oft standardisierte Formate einsetzen müssen, um Werbeerlöse zu maximieren.
Im Vergleich zum öffentlich-rechtlichen ORF, der zwar ein umfangreiches Kulturprogramm bietet, aber oft sehr Wien-zentriert agiert, kann OKTO flexibler auf regionale und subkulturelle Phänomene eingehen. Die Musikprogramme und Kulturberichte der Diaspora Community Sendungen zeigen zudem, wie Community TV zur Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen beitragen kann.
Community-Fernsehen in Österreich finanziert sich hauptsächlich durch öffentliche Förderungen, Spenden und ehrenamtliche Arbeit. Diese Finanzierungsstruktur ermöglicht zwar inhaltliche Unabhängigkeit, stellt aber auch eine ständige Herausforderung dar. Die Digitalisierung und veränderte Sehgewohnheiten, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen, die verstärkt auf Streaming-Plattformen und soziale Medien setzen, erfordern von Sendern wie OKTO kontinuierliche Anpassungen.
Gleichzeitig bieten neue Technologien auch Chancen: Online-Streaming, Podcast-Formate und interaktive Inhalte können die Reichweite erhöhen und neue Zielgruppen erschließen. Die Integration von Social Media und die Möglichkeit, Sendungen zeitversetzt anzuschauen, entsprechen modernen Konsumgewohnheiten und können die Sichtbarkeit von Kulturformaten erhöhen.
Für bildende Künstlerinnen und Künstler in Österreich bedeuten Formate wie der "WINSTAGE ARTIST TALK" eine wichtige Möglichkeit, ihre Arbeit einem breiteren Publikum zu präsentieren. Während der internationale Kunstmarkt stark von wenigen großen Zentren wie New York, London oder Berlin dominiert wird, können regionale Medienformate dazu beitragen, lokale Kunstszenen zu stärken.
Dies ist besonders wichtig für Künstlerinnen und Künstler, die nicht in Wien arbeiten oder deren Werk nicht den Mainstream-Geschmack trifft. Community TV kann hier eine Brückenfunktion übernehmen und verschiedene Publika zusammenbringen. Studien zeigen, dass Medienaufmerksamkeit für Künstlerinnen und Künstler nicht nur in Bezug auf Verkäufe wichtig ist, sondern auch für ihre Sichtbarkeit bei Galerien, Museen und Förderinstitutionen.
Die Rolle der Kulturvermittlung hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Während früher Kunstkritiker und Museumsexperten als Gatekeeper fungierten, die bestimmten, was als relevante Kunst galt, ermöglichen heute verschiedene Medienkanäle einen direkteren Zugang zwischen Künstlern und Publikum. Formate wie der "ARTIST TALK" tragen zu dieser Demokratisierung bei.
Gleichzeitig stellt diese Entwicklung neue Anforderungen an die Qualität der Kulturvermittlung. Wenn jeder ein Kunstexperte sein kann, wird es umso wichtiger, dass professionelle Formate durch fundierte Recherche, sensible Gesprächsführung und kontextuelles Wissen überzeugen. OKTOs Ansatz, erfahrene Moderatoren wie Andreas Hofmarcher einzusetzen, zeigt das Bewusstsein für diese Herausforderung.
Die Produktion einer wöchentlichen Kultursendung im Community TV unterscheidet sich erheblich von Großproduktionen kommerzieller Sender. Mit begrenzten Budgets und oft ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern müssen kreative Lösungen für technische Herausforderungen gefunden werden. Dies kann zu einem sehr authentischen und unmittelbaren Stil führen, der gerade in der Kulturvermittlung Vorteile haben kann.
Die halbstündige Sendedauer ist optimal gewählt: Sie ist lang genug für substantielle Gespräche, aber kurz genug, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu halten. Der wöchentliche Rhythmus ermöglicht es, eine regelmäßige Zuschauerschaft aufzubauen und gleichzeitig kontinuierlich neuen Content zu produzieren.
Der Start des "WINSTAGE ARTIST TALK" könnte der Beginn einer größeren Entwicklung sein. Community TV-Sender in ganz Europa experimentieren mit neuen Formaten, um in der veränderten Medienlandschaft relevant zu bleiben. Mögliche Erweiterungen könnten Online-Workshops, interaktive Elemente oder Kooperationen mit anderen Kulturinstitutionen umfassen.
Langfristig könnte sich das Format auch auf andere Kunstsparten ausweiten: Theater, Musik, Literatur oder Performance Art bieten ähnliche Möglichkeiten für interessante Gespräche. Die Erfahrungen mit dem "ARTIST TALK" werden zeigen, ob das Publikum Interesse an solchen niederschwelligen Kulturformaten hat und wie diese weiterentwickelt werden können.
Die erste Sendung am 25. März 2026 wird wegweisend sein für die weitere Entwicklung des Formats. Sollte das Publikum positiv reagieren, könnte OKTO ein Modell entwickeln, das auch für andere Community TV-Sender in Österreich interessant wird. Die Kombination aus regionaler Verankerung und professioneller Produktion könnte einen neuen Standard für Kulturvermittlung im Community Television setzen.