Österreichischer Rundfunk reagiert mit aktuellen Diskussionsrunden und Dokumentationen auf die Eskalation im Nahen Osten
Der ORF passt sein Programm an die aktuelle Lage im Nahen Osten an. Spezielle Sendungen behandeln die Iran-Krise und deren Auswirkungen.
Der österreichische Rundfunk (ORF) reagiert auf die jüngste militärische Eskalation im Nahen Osten mit kurzfristigen Programmänderungen. Nach dem Angriff auf den Iran zeigt ORF 2 am Sonntag, dem 1. März 2026, zwei Spezialsendungen, die sich mit der kritischen Situation in der Region auseinandersetzen.
Um 22.10 Uhr führt Susanne Schnabl eine Sondersendung von "Das Gespräch" mit dem Titel "Iran-Krieg – Wohin führt die Eskalation?". Die Diskussionsrunde behandelt die dramatischen Entwicklungen nach dem gemeinsamen Militärschlag Israels und der USA gegen den Iran, der eine neue Dimension der Krise im Nahen Osten markiert.
Die militärischen Aktionen haben die Region erneut zu einem globalen Krisenherd gemacht, dessen Auswirkungen weit über die Grenzen des Nahen Ostens hinausreichen könnten. Die zentrale Frage der Sendung lautet: Droht ein Flächenbrand, der internationale Sicherheit und Stabilität gefährdet?
Zur Analyse der komplexen Situation hat der ORF vier ausgewiesene Fachleute eingeladen. Christoph Göd, Militärstratege des Bundesheeres, wird die militärischen Aspekte des Konflikts erläutern. Walter Posch, renommierter Iran-Experte, bringt seine langjährige Expertise zur politischen Situation in der islamischen Republik ein.
Shoura Hashemi von Amnesty International Österreich wird die menschenrechtliche Dimension der Krise beleuchten, während Martin Weiss als ehemaliger österreichischer Botschafter in den USA und Israel diplomatische Einblicke in die strategischen Überlegungen der beteiligten Akteure liefern kann.
Ein Schwerpunkt der Diskussion wird die Analyse der strategischen Ziele der USA unter Präsident Donald Trump sein. Geht es den Vereinigten Staaten primär um die Zerstörung des iranischen Atom- und Raketenprogramms, oder verfolgen sie weitergehende Ziele wie einen politischen Systemwechsel in Teheran?
Die Expertinnen und Experten werden auch realistische militärische Szenarien durchspielen und bewerten, welche Entwicklungen in den kommenden Wochen und Monaten zu erwarten sind. Dabei steht nicht nur die regionale, sondern auch die globale Dimension der Krise im Fokus.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den direkten Auswirkungen des Konflikts auf Österreich und Europa. Die Diskussionsrunde wird analysieren, wie sich die Eskalation auf Energiepreise, Migrationsbewegungen und die wirtschaftliche Entwicklung auswirken könnte. Auch die Folgen für die internationale Ordnung und das Völkerrecht werden thematisiert.
Im Anschluss an "Das Gespräch" zeigt der ORF um 23.05 Uhr in "WELTjournal +" die preisgekrönte Dokumentation "Sieben Winter in Teheran – der Fall Reyhaneh Jabbari" von Steffi Niederzoll. Der Film macht das iranische Unrechtssystem anhand des tragischen Schicksals einer jungen Frau sichtbar.
Die Dokumentation erzählt die Geschichte von Reyhaneh Jabbari, die als 19-jährige Studentin einen Geschäftsmann in Notwehr erstach, nachdem er sie vergewaltigt hatte. Trotz der Umstände wurde sie des Mordes angeklagt und zum Tod verurteilt. Sieben Jahre verbrachte sie im Gefängnis und kämpfte vergebens um Gerechtigkeit – nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Mitgefangenen.
Besonders bemerkenswert sind die heimlich aus dem Land geschmuggelten Original-Ton- und Bildaufnahmen aus dem berüchtigten iranischen Gefängnis Evin. Diese authentischen Dokumente, ergänzt durch Tagebuchaufzeichnungen und Gespräche mit Gefangenen, Anwälten und Verwandten, vermitteln einen erschütternden Einblick in das iranische Justizsystem.
Die Filmemacherin Steffi Niederzoll porträtiert Reyhanehs unermüdlichen Kampf um Gerechtigkeit und zeigt dabei exemplarisch die systematische Unterdrückung von Frauen im iranischen Rechtssystem auf. Der Film gewann bereits mehrere internationale Auszeichnungen und gilt als wichtiges Zeugnis der Menschenrechtssituation im Iran.
Aufgrund der aktuellen Berichterstattung muss der ursprünglich geplante "dokFilm" "Wenn Frauen Männer werden müssen – Burrneshas in Albanien" entfallen. Diese Programmänderung unterstreicht die Priorität, die der ORF der aktuellen Berichterstattung über die Krise im Nahen Osten einräumt.
Die umfassende Berichterstattung des ORF zur Iran-Krise setzt sich am Montag, dem 2. März, in Ö1 fort. In der Sendung "Punkt eins" analysiert ab 13.00 Uhr erneut der Iran-Experte Walter Posch von der Landesverteidigungsakademie die jüngsten Ereignisse und Entwicklungen im Nahen Osten gemeinsam mit Moderatorin Barbara Zeithammer.
Die Radiosendung wird sich mit fundamentalen Fragen zur Zukunft der krisengeschüttelten Region beschäftigen. Steht der Nahe Osten tatsächlich vor einem neuen, umfassenden Krieg? Wie gestaltet sich die Zukunft für die iranische Bevölkerung unter den aktuellen Umständen, und welche Auswirkungen hat die Eskalation auf das iranische Regime?
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Timing der US-amerikanischen Militäraktion. Warum griffen die USA erst jetzt an und nicht bereits vor Wochen, als das iranische Regime mit äußerster Brutalität gegen die eigene Bevölkerung vorging? Diese Frage wirft Licht auf die komplexen strategischen Überlegungen in Washington.
Darüber hinaus wird diskutiert, wie nachhaltig ein von außen herbeigeführter politischer Umsturz im Iran sein könnte und welche Szenarien für einen solchen Systemwechsel realistisch erscheinen.
Mit diesen kurzfristig angesetzten Spezialsendungen unterstreicht der ORF seine Rolle als verlässlicher öffentlich-rechtlicher Informationskanal in Krisenzeiten. Die Programmänderungen zeigen das Bestreben des Senders, das österreichische Publikum zeitnah und umfassend über internationale Entwicklungen zu informieren, die auch für Österreich von großer Bedeutung sind.
Der ORF kündigte an, dass weitere Programmänderungen möglich sind, je nach Entwicklung der Lage im Nahen Osten. Dies signalisiert die Bereitschaft des Senders, flexibel auf die sich schnell wandelnde internationale Situation zu reagieren und sein Publikum kontinuierlich mit aktuellen Informationen und fundierten Analysen zu versorgen.
Die Sendungen sind sowohl in ORF 2 als auch auf der Streaming-Plattform ORF ON verfügbar, was eine breite Zugänglichkeit für das österreichische Publikum gewährleistet. Dies entspricht der modernen Mediennutzung und ermöglicht es auch jüngeren Zielgruppen, sich über die komplexen internationalen Entwicklungen zu informieren.