Einblicke in ein unterschätztes Ehrenamt: Wie die "rechten Hände Gottes" Kirchen am Leben halten
Eine ORF-Dokumentation porträtiert am Neujahrstag die wichtige Arbeit von Mesnerinnen und Mesnern in Vorarlberg – mit dem Bundesvorsitzenden aus Rankweil.
Am 1. Jänner 2025 strahlt der ORF 2 um 18.25 Uhr eine besondere Dokumentation aus, die einen Berufsstand in den Mittelpunkt rückt, der oft im Verborgenen wirkt: Mesnerinnen und Mesner. Unter dem Titel "Mesnerinnen und Mesner – die rechten Hände Gottes" gewährt das ORF Vorarlberg einen tiefen Einblick in die Welt jener Menschen, die hinter den Kulissen dafür sorgen, dass in Österreichs Kirchen alles reibungslos funktioniert. Die Dokumentation ist zeitgleich auch auf ORF ON verfügbar.
Was viele nicht wissen: Die Mesnerei hat in den vergangenen Jahrzehnten einen bemerkenswerten Wandel durchgemacht. Waren es früher ausschließlich Männer, die dieses Amt ausübten, so hat sich das Bild gerade in Vorarlberg grundlegend verändert. Heute gibt es im westlichsten Bundesland mehr Mesnerinnen als Mesner – eine Entwicklung, die den gesellschaftlichen Wandel in der Kirche widerspiegelt.
Die Frauen stehen ihren männlichen Kollegen dabei in nichts nach. Die Dokumentation zeigt eindrücklich, wie handwerklich geschickt die Mesnerinnen bei ihrer Arbeit vorgehen. Selbst waghalsige Reparaturen in luftigen Höhen schrecken sie nicht ab. Ob es darum geht, in schwindelerregender Höhe einen Kronleuchter zu warten, Glocken zu inspizieren oder historische Kirchenfenster zu pflegen – die Mesnerinnen packen beherzt an.
Ein besonderer Fokus der ORF-Dokumentation liegt auf Martin Salzmann aus Rankweil. Er ist nicht nur ein leidenschaftlicher Mesner in seiner Heimatgemeinde, sondern bekleidet auch das Amt des Bundesvorsitzenden der "Mesnergemeinschaft". Damit ist der Vorarlberger so etwas wie der "oberste Mesner Österreichs" – eine Funktion, die er mit großem Engagement und tiefer Überzeugung ausfüllt.
Die Dokumentation begleitet Salzmann bei seiner täglichen Arbeit und zeigt, was ihn antreibt. Seine Leidenschaft für die Mesnerei ist ansteckend und macht deutlich, warum dieses Ehrenamt für viele Gemeinden so unverzichtbar geworden ist. Salzmann gibt Einblicke in die vielfältigen Aufgaben, die ein Mesner zu bewältigen hat, und erklärt, warum diese Tätigkeit weit über das bloße Läuten von Glocken und das Anzünden von Kerzen hinausgeht.
Die Bedeutung der Mesnerinnen und Mesner ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Der anhaltende Priestermangel in der katholischen Kirche hat dazu geführt, dass immer mehr Aufgaben auf die Schultern der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer verteilt werden müssen. Pfarren werden zusammengelegt, Priester betreuen mehrere Gemeinden gleichzeitig – da sind zuverlässige Mesner vor Ort Gold wert.
Sie sind oft die ersten, die morgens die Kirchentüren öffnen, und die letzten, die abends das Licht löschen. Sie bereiten Gottesdienste vor, kümmern sich um die liturgischen Gewänder und Gefäße, pflegen den Altarraum und sorgen dafür, dass bei Taufen, Hochzeiten und Begräbnissen alles seinen würdigen Rahmen hat. Kurzum: Ohne Mesnerinnen und Mesner würde in vielen Pfarren der reguläre Kirchenbetrieb zusammenbrechen.
Was die Dokumentation besonders eindrücklich vermittelt: Die Mesnerei ist für die Porträtierten weit mehr als nur eine Aufgabe oder ein Hobby. Die Mesnerinnen und Mesner sind tief in ihrem Glauben verwurzelt. Ihre Arbeit verstehen sie als Dienst an Gott und an ihrer Gemeinschaft. Der Titel der Dokumentation – "die rechten Hände Gottes" – bringt dieses Selbstverständnis treffend auf den Punkt.
Für viele Mesner ist die Kirche nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern ein zweites Zuhause. Sie kennen jeden Winkel des Gotteshauses, wissen um dessen Geschichte und Geheimnisse. Diese enge Verbindung zum sakralen Raum und zur Gemeinde macht die Mesnerei zu einer ganz besonderen Tätigkeit, die von Außenstehenden oft unterschätzt wird.
Die Dokumentation des ORF Vorarlberg räumt auch mit dem Vorurteil auf, dass die Mesnerei eine einfache oder gar langweilige Tätigkeit sei. Die Aufgabenliste ist lang und vielfältig:
All diese Aufgaben erfordern nicht nur handwerkliches Geschick und organisatorisches Talent, sondern auch viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen. Mesner sind oft die ersten Ansprechpartner, wenn jemand die Kirche betritt – sei es für ein stilles Gebet, eine Kerze oder ein tröstendes Gespräch.
Die Dokumentation von Gestalter Stefan Krobath nimmt die Zuseherinnen und Zuseher mit auf eine Reise hinter die Kulissen der Vorarlberger Pfarren. Die Kameraleute Roman Wiehart, David Spettel und Mike Tavera haben eindrucksvolle Bilder eingefangen, die sowohl die Schönheit der Kirchenräume als auch die Hingabe der Mesnerinnen und Mesner zeigen.
Dabei wird deutlich, wie viel Arbeit in jedem einzelnen Gottesdienst steckt, den die Gläubigen als selbstverständlich hinnehmen. Von der perfekt drapierten Altardecke bis zur exakt eingestellten Beleuchtung, vom frischen Blumenschmuck bis zum bereitgelegten Messbuch – all das ist das Werk fleißiger Hände, die im Hintergrund wirken.
Wie viele andere kirchliche Bereiche kämpft auch die Mesnerei mit Nachwuchssorgen. Die Dokumentation thematisiert auch diese Herausforderung und zeigt, wie die Mesnergemeinschaft versucht, jüngere Menschen für dieses Ehrenamt zu begeistern. Dabei geht es nicht nur um die Weitergabe von praktischem Wissen, sondern auch um die Vermittlung der spirituellen Dimension dieser Tätigkeit.
Die Hoffnung der erfahrenen Mesnerinnen und Mesner: Dass die Dokumentation dazu beiträgt, das Bewusstsein für diese wertvolle ehrenamtliche Arbeit zu schärfen und vielleicht den einen oder anderen Zuseher dazu inspiriert, selbst in seiner Pfarre aktiv zu werden.
Die Dokumentation "Mesnerinnen und Mesner – die rechten Hände Gottes" ist am 1. Jänner 2025 um 18.25 Uhr in ORF 2 zu sehen. Für alle, die den Sendetermin verpassen, steht die Produktion auch auf der Streaming-Plattform ORF ON zur Verfügung. Die Redaktion lag bei Angelika Simma-Wallinger, die Gesamtleitung hatte Markus Klement.
Mit dieser Dokumentation setzt der ORF Vorarlberg zum Jahreswechsel ein Zeichen der Wertschätzung für jene Menschen, die oft im Stillen Großes leisten. In einer Zeit, in der das Ehrenamt generell unter Druck steht und die Kirche mit vielen Herausforderungen kämpft, ist es wichtig, auf diejenigen aufmerksam zu machen, die Tag für Tag dafür sorgen, dass Glauben gelebt werden kann.
Die Mesnerinnen und Mesner Vorarlbergs stehen dabei stellvertretend für Tausende Ehrenamtliche in ganz Österreich, die in ihren Pfarren unverzichtbare Arbeit leisten. Ihre Geschichte verdient es, erzählt zu werden – am Neujahrstag und darüber hinaus.