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Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten erreichen eine neue Eskalationsstufe und könnten dramatische Auswirkungen auf österreichische Haushalte und Unternehmen haben. Das ORF-Wirtschaftsmagazin "Eco" widmet sich am 5. März 2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 den brennendsten Wirtschaftsthemen unserer Zeit – von der Iran-Krise über die digitale Abhängigkeit bis hin zu innovativen Lösungsansätzen gegen die Landflucht in Europa.
Nach schweren militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran hat Teheran mit einer drastischen Maßnahme reagiert: Die Blockade der Straße von Hormus. Diese nur 55 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman gilt als eines der strategisch wichtigsten Nadelöhre des globalen Energiehandels. Täglich passieren hier etwa 21 Millionen Barrel Rohöl – das entspricht rund einem Fünftel der weltweiten Ölförderung.
Die Straße von Hormus ist eine Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer verbindet. Sie ist nur an ihrer engsten Stelle 33 Kilometer breit und damit extrem vulnerabel für Blockaden. Durch diese strategisch bedeutsame Wasserstraße werden nicht nur 20 Prozent des weltweiten Rohöls transportiert, sondern auch etwa 20 Prozent des globalen Flüssiggases. Für Österreich, das etwa 80 Prozent seines Erdgases und 90 Prozent seines Rohöls importieren muss, könnte eine dauerhafte Blockade katastrophale Folgen haben.
Die aktuelle Situation erinnert stark an die Ölkrisen von 1973 und 1979, als politische Konflikte im Nahen Osten zu dramatischen Energiepreisanstiegen führten. 1973 verhängten arabische Ölstaaten ein Embargo gegen westliche Länder, was den Ölpreis binnen weniger Monate vervierfachte. 1979 führte die Iranische Revolution zu einem weiteren Preisschock. Damals stiegen die Benzinpreise in Österreich um über 200 Prozent, und die Regierung führte autofreie Tage ein.
Heute ist die globale Energieabhängigkeit noch komplexer geworden. Österreich bezieht etwa 60 Prozent seines Erdgases aus Russland, weitere 20 Prozent kommen aus dem Nahen Osten. Eine Blockade der Straße von Hormus würde nicht nur die direkten Lieferungen aus der Golfregion unterbrechen, sondern auch zu Preisexplosionen bei alternativen Energieträgern führen. Experten schätzen, dass sich die Energiepreise innerhalb weniger Wochen verdoppeln könnten.
Für eine durchschnittliche österreichische Familie mit einem Jahresenergieverbrauch von 15.000 Kilowattstunden Strom und 15.000 Kilowattstunden Gas würde ein Energiepreisschock dramatische Folgen haben. Bei einer Verdopplung der Energiepreise – ein realistisches Szenario bei einer längeren Blockade – würden sich die jährlichen Energiekosten von derzeit etwa 2.500 Euro auf 5.000 Euro erhöhen. Das entspricht zusätzlichen monatlichen Belastungen von über 200 Euro pro Haushalt.
Besonders hart träfe es Autofahrer. Bei einem Rohölpreis von über 200 US-Dollar pro Barrel – verglichen mit derzeit etwa 85 Dollar – würde der Literpreis für Benzin von aktuell 1,40 Euro auf über 2,50 Euro ansteigen. Für Berufspendler, die täglich 50 Kilometer zurücklegen, würden sich die monatlichen Treibstoffkosten von 180 Euro auf über 320 Euro erhöhen.
Parallel zur Energiekrise beschäftigt sich "Eco" mit einem weiteren kritischen Infrastrukturthema: der Abhängigkeit österreichischer Mobilfunknetze von chinesischer Technologie. Der Mobile World Congress in Barcelona, die weltweit größte Mobilfunkmesse, findet jährlich statt und vereint über 100.000 Besucher aus der Telekommunikationsbranche. Hier treffen sich Netzbetreiber, Ausrüster und Technologieunternehmen, um über die Zukunft der mobilen Kommunikation zu diskutieren.
In Österreich setzen alle drei großen Mobilfunkbetreiber – A1, Magenta und Drei – erheblich auf Technologie chinesischer Hersteller wie Huawei und ZTE. Schätzungsweise 40 Prozent der österreichischen Mobilfunkinfrastruktur stammt aus China. Diese Abhängigkeit birgt erhebliche Sicherheitsrisiken, da chinesische Gesetze Unternehmen zur Zusammenarbeit mit Geheimdiensten verpflichten können.
Digitale Souveränität bezeichnet die Fähigkeit eines Staates oder einer Staatengemeinschaft, digitale Technologien unabhängig zu entwickeln, zu produzieren und zu kontrollieren, ohne von ausländischen Anbietern abhängig zu sein. Die EU-Kommission hat 2021 eine umfassende Strategie vorgestellt, um diese Unabhängigkeit bis 2030 zu erreichen.
Der Umbau der österreichischen Mobilfunknetze würde jedoch enorme Kosten verursachen. Experten schätzen die Investitionen auf 3 bis 5 Milliarden Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren. Diese Kosten würden letztendlich auf die Verbraucher umgelegt werden. Die monatlichen Handytarife könnten um 15 bis 25 Euro steigen – ein erheblicher Aufschlag für Familien, die bereits mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen.
Deutschland hat bereits 2020 begonnen, chinesische Komponenten schrittweise aus seinem 5G-Netz zu entfernen. Die Bundesregierung investiert 12 Milliarden Euro in den Aufbau einer europäischen Halbleiterindustrie. Frankreich verfolgt eine ähnliche Strategie und hat Huawei faktisch vom 5G-Ausbau ausgeschlossen. Die Schweiz dagegen setzt weiterhin auf eine "technologieneutrale" Herangehensweise und erlaubt chinesische Komponenten unter strengen Sicherheitsauflagen.
Österreich steht vor der Herausforderung, zwischen Sicherheit und Kosten abzuwägen. Eine vollständige Unabhängigkeit von chinesischer Technologie würde die digitale Sicherheit erhöhen, aber auch zu erheblichen Mehrkosten für Unternehmen und Verbraucher führen. Alternative europäische Anbieter wie Ericsson und Nokia sind oft 20 bis 30 Prozent teurer als ihre chinesischen Konkurrenten.
Abseits der globalen Krisen beleuchtet "Eco" auch positive Entwicklungen: Im italienischen Trentino kämpfen Gemeinden mit großzügigen Förderungen gegen die Landflucht. Landflucht bezeichnet die Abwanderung der Bevölkerung aus ländlichen Gebieten in städtische Zentren, ein Phänomen, das in ganz Europa zu beobachten ist.
Das Trentino-Modell sieht Förderungen von bis zu 80.000 Euro für die Renovierung leerstehender Häuser vor. Diese Initiative zielt darauf ab, junge Familien in abgelegenen Bergdörfern zu halten und neue Bewohner anzuziehen – auch aus dem Ausland. Für österreichische Interessenten, die von hohen Immobilienpreisen in Städten wie Wien, Salzburg oder Innsbruck betroffen sind, könnte dies eine attraktive Alternative darstellen.
In Italien stehen laut offiziellen Statistiken etwa zwei Millionen Wohnungen leer, davon 300.000 in unbewohnbarem Zustand. Rund 4.000 der 8.000 italienischen Gemeinden gelten als von Entvölkerung bedroht. Im Trentino ist die Bevölkerung in ländlichen Gebieten in den letzten 20 Jahren um 15 Prozent zurückgegangen. Ähnliche Entwicklungen sind in österreichischen Regionen wie dem Waldviertel, der Oststeiermark oder dem Lungau zu beobachten.
Die österreichische Statistik Austria verzeichnet in 30 Prozent der österreichischen Gemeinden einen Bevölkerungsrückgang. Besonders betroffen sind Gemeinden mit weniger als 1.000 Einwohnern in peripheren Lagen. Dort ist die Bevölkerung seit 2010 um durchschnittlich 8 Prozent gesunken, während städtische Ballungsräume um 12 Prozent gewachsen sind.
Auch österreichische Bundesländer experimentieren mit ähnlichen Ansätzen. Die Steiermark hat 2023 ein Pilotprogramm "Landlust" gestartet, das Familien bis zu 50.000 Euro für den Kauf und die Renovierung von Häusern in strukturschwachen Gemeinden bietet. Kärnten plant ähnliche Maßnahmen für das obere Mölltal und das Lesachtal.
Für österreichische Interessenten bietet das Trentino-Modell besondere Vorteile: Die Region ist nur zwei bis drei Autostunden von Wien, Salzburg oder Innsbruck entfernt. Die Lebenshaltungskosten sind etwa 30 Prozent niedriger als in österreichischen Städten, und die Förderungen können auch von EU-Bürgern in Anspruch genommen werden. Ein renoviertes Berghaus mit 120 Quadratmetern und Garten kostet nach Abzug der Förderung oft weniger als eine 60-Quadratmeter-Wohnung in Wien.
Die drei Themen der "Eco"-Sendung spiegeln zentrale Herausforderungen wider, denen sich Österreich in den kommenden Jahren stellen muss. Die Iran-Krise zeigt die Fragilität globaler Energieversorgung und die Notwendigkeit verstärkter Investitionen in erneuerbare Energien und Energieunabhängigkeit. Österreich plant bis 2030 Investitionen von 17 Milliarden Euro in erneuerbare Energien und will bis 2040 klimaneutral werden.
Die Diskussion um digitale Souveränität wird in den nächsten Monaten an Schärfe gewinnen. Die EU-Kommission plant für 2026 neue Regelungen, die europäische Mindeststandards für kritische Infrastruktur vorschreiben. Österreich muss entscheiden, ob es diesen Weg mitgeht oder alternative Sicherheitskonzepte entwickelt.
Das Trentino-Modell könnte Vorbild für österreichische Initiativen werden. Experten schätzen, dass ähnliche Programme in Österreich jährlich 200 bis 300 Familien zum Umzug in ländliche Gebiete bewegen könnten. Dies würde nicht nur der Landflucht entgegenwirken, sondern auch lokale Wirtschaftskreisläufe stärken und Infrastruktur erhalten.
Die "Eco"-Sendung vom 5. März 2026 verspricht fundierte Analysen und konkrete Antworten auf brennende Fragen, die alle österreichischen Haushalte betreffen werden. Moderator Dieter Bornemann und sein Team liefern wieder jene Tiefe und Expertise, die das ORF-Wirtschaftsmagazin seit Jahren auszeichnet.