Filmporträts zum 10. Todestag und 100. Geburtstag zweier Ausnahmekünstler
Die ORF-kulturMATINEE widmet sich zwei österreichischen Musikpionieren: Dirigent Nikolaus Harnoncourt und Komponist Friedrich Cerha.
Am 22. Februar 2026 präsentiert die ORF-kulturMATINEE ab 9.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON eine besondere Würdigung zweier österreichischer Musiklegenden. Die Sendung, die erstmals unter neuem Titel läuft, erinnert an den zehnten Todestag von Dirigent Nikolaus Harnoncourt und den 100. Geburtstag von Komponist Friedrich Cerha.
Das Filmporträt "Nikolaus Harnoncourt – Die Musik meines Lebens" (9.05 Uhr) von Günter Schilhan bietet einen intimen Einblick in das Leben und Werk des legendären Dirigenten. Die Dokumentation basiert auf einer persönlichen Werkauswahl, die Harnoncourt selbst 2014 – zwei Jahre vor seinem Tod im März 2016 – zusammengestellt hatte.
Die musikalische Biografie spannt einen Bogen von Harnonourts Kindheit bis zu seinen größten Erfolgen. Dabei kommen erstmals gezeigte Fotos und Dokumente aus dem Familienarchiv zum Einsatz, ergänzt durch Konzertausschnitte, Probenarbeiten und persönliche Kommentare des Ausnahmekünstlers.
Harnonourts musikalische Prägung begann früh: Seine ersten Kindheitserinnerungen waren mit den Melodien George Gershwins verbunden, die sein Vater am Klavier im Grazer Palais Meran spielte. Den entscheidenden Wendepunkt markierte 1947 eine Radioübertragung von Beethovens 7. Symphonie, die seinen Berufswunsch als Orchestercellist festigte.
Seine Karriere als Orchestermusiker beendete Harnoncourt jedoch abrupt nach einer Aufführung von Mozarts g-Moll Symphonie, die seiner Ansicht nach völlig falsch interpretiert worden war. Diese Erfahrung motivierte ihn zur Gründung des Concentus Musicus, mit dem er seinen eigenen musikalischen Kosmos schuf.
Mit seiner revolutionären Klangvorstellung, die er aus den Partituren von Monteverdi, Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert bis hin zu Smetana, Dvořák und Gershwin entwickelte, machte er sich zunächst nicht nur Freunde. Seine kompromisslose Herangehensweise an die historische Aufführungspraxis veränderte jedoch nachhaltig die Musikwelt.
Um 9.50 Uhr folgt die Dokumentation "Friedrich Cerha – So möchte ich auch fliegen können" von Robert Neumüller. Der Film würdigt den 2023 verstorbenen Komponisten und Dirigenten, dessen 100. Geburtstag sich am 17. Februar jährt.
Friedrich Cerha galt als einer der wichtigsten Protagonisten der zeitgenössischen Musik in Österreich. Lange wurde er als "Monsieur Troisième Acte" belächelt, da er durch die Vollendung des dritten Aktes von Alban Bergs Oper "Lulu" größere Bekanntheit erlangt hatte.
Der gebürtige Wiener schuf jedoch ein umfangreiches eigenes Œuvre: Opernwerke wie "Baal", "Der Rattenfänger" oder "Der Riese vom Steinfeld", unzählige Orchesterkompositionen, Kammermusik und visionäre Arbeiten wie das Monumentalwerk "Spiegel". In diesem erkundete er grundlegende Phänomene der musikalischen Gestaltung.
Cerha beschrieb seine Arbeitsweise als intuitiv: Er hörte in seinem Inneren Klänge und Tonfolgen, die "wie von selbst aus dem Unterbewusstsein ins Bewusstsein steigen". Die Redlichkeit, Kompromisslosigkeit und Konsequenz, mit der er diese Töne zu Papier brachte, machten ihn zum Außenseiter und Rebellen.
Seine persönliche Geschichte war geprägt von Mut und Widerstand: Als 19-Jähriger desertierte er und floh vor den Nazis in die Tiroler Berge. Zurück im "erzkonservativen Wien der 1950er Jahre" stieß er mit seiner Musikvorstellung zunächst auf Unverständnis und Ablehnung.
Erst in den vergangenen Jahrzehnten wurde Cerhas Musik auch von breiteren Publikumsschichten und jüngeren Generationen angenommen und verstanden. Der 2006 anlässlich seines 80. Geburtstags entstandene Film begleitet den Künstler von der Komposition seines Violinkonzertes über Probenvorbereitungen bis zur Uraufführung. Rückblenden zeigen seinen künstlerischen Werdegang und die enge Verknüpfung zwischen Biografie und Werk.
Das Programm wird um 10.35 Uhr mit "Embrace Culture – Das ORF Musikjahr 2025" fortgesetzt. Diese zu einem kunstvoll montierten Trailer verdichtete Leistungsschau präsentiert die Höhepunkte des vielfältigen heimischen Kulturgeschehens des Vorjahres.
Den Abschluss bildet "Die Kulturwoche" (10.45 Uhr) mit aktuellen Berichten und Tipps aus der österreichischen Kulturszene. Den gesamten ORF-Kulturvormittag präsentiert Teresa Vogl.
Beide Porträtierten – Harnoncourt und Cerha – haben die österreichische und internationale Musikwelt nachhaltig geprägt. Während Harnoncourt als Pionier der historisch informierten Aufführungspraxis die Art, wie wir klassische Musik hören und interpretieren, revolutionierte, erweiterte Cerha als Komponist die Grenzen der zeitgenössischen Musik.
Ihre unterschiedlichen Ansätze – Harnoncourts Rückbesinnung auf historische Quellen und Cerhas visionärer Blick in die Zukunft – zeigen die Vielfalt und den Reichtum der österreichischen Musikkultur des 20. und 21. Jahrhunderts.
Die ORF-kulturMATINEE bietet somit nicht nur eine Würdigung zweier außergewöhnlicher Künstlerpersönlichkeiten, sondern auch einen Einblick in mehr als 60 Jahre österreichische Musikgeschichte. Die Sendung ist sowohl für Musikliebhaber als auch für kulturinteressierte Zuschauer eine wertvolle Gelegenheit, das Erbe dieser beiden Ausnahmekünstler kennenzulernen oder zu vertiefen.