Interreligiöse Feier im ORF-Landesfunkhaus Dornbirn setzt Zeichen für Frieden und Zusammenhalt
Vertreter aller Vorarlberger Religionsgemeinschaften empfingen gemeinsam das Friedenslicht aus Bethlehem – ein Symbol des Miteinanders über alle Unterschiede hinweg.
Das ORF-Landesfunkhaus Vorarlberg in Dornbirn wurde am 22. Dezember 2025 zum Schauplatz einer besonderen Zusammenkunft: Vertreterinnen und Vertreter aller in Vorarlberg beheimateten Religionsgemeinschaften nahmen gemeinsam das traditionelle ORF-Friedenslicht aus Bethlehem in Empfang. Die Feier unterstrich eindrucksvoll, wie unterschiedliche Glaubensrichtungen in der Vorweihnachtszeit ein gemeinsames Zeichen der Hoffnung und des Friedens setzen können.
Das ORF-Friedenslicht hat in Österreich eine jahrzehntelange Tradition. Jedes Jahr wird die Flamme in der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem entzündet und anschließend nach Österreich gebracht. Von dort aus verbreitet sich das Licht über das ganze Land – getragen von den Österreichischen Bundesbahnen, die es mit ihren Zügen in alle Regionen transportieren, sowie von Feuerwehren und Pfadfindergruppen, die es bis in die entlegensten Gemeinden bringen.
In Vorarlberg hat diese Tradition eine besondere Bedeutung gewonnen. Der ORF Vorarlberg lädt seit Jahren alle im Bundesland vertretenen Religionsgemeinschaften ein, bei der Ankunft des Friedenslichts gemeinsam dabei zu sein. Was als einfache Übergabefeier begann, hat sich zu einem bedeutenden interreligiösen Ereignis entwickelt, das weit über die christliche Weihnachtstradition hinausreicht.
Die diesjährige Feier im ORF-Landesfunkhaus Vorarlberg versammelte eine beeindruckende Reihe von Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und Gesellschaft. ORF-Landesdirektor Markus Klement begrüßte die Gäste gemeinsam mit Landtagspräsident Harald Sonderegger. Für den musikalischen Rahmen sorgte ein Ensemble der Eisenbahnermusik Bludenz, das der Veranstaltung einen würdevollen und feierlichen Charakter verlieh.
Besonders berührend war die Anwesenheit junger Menschen: Vertreterinnen und Vertreter der Jungfeuerwehr sowie Pfadfinderinnen und Pfadfinder waren Teil der Zeremonie. Sie repräsentieren jene Generationen, die das Friedenslicht Jahr für Jahr in die Häuser der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger tragen und damit eine wichtige Brücke zwischen Tradition und Zukunft schlagen.
Die Vielfalt der anwesenden Religionsgemeinschaften spiegelte das multireligiöse Zusammenleben in Vorarlberg wider. Die katholische Kirche war durch Diözesanbischof Benno Elbs und Bischofsvikar Rudolf Bischof von der Diözese Feldkirch vertreten. Superintendent Ralf Stoffers repräsentierte die Evangelische Kirche H.B., während Ayne Ahmet als Vorsitzender der Islamischen Glaubensgemeinschaft gekommen war.
Auch kleinere Glaubensgemeinschaften waren prominent vertreten: Susanna Erdei von der Israelitischen Kultusgemeinde, Johannes Okoro von der Altkatholischen Kirche sowie Melanie Bitschnau und Michaela Danhofer als Vertreterinnen der Bahá'i-Gemeinde. Die Freien Aleviten wurden durch Nevin Nebat und Hanim Yildiz repräsentiert.
Eine starke Delegation entsandte die Neuapostolische Kirche mit Kirchenbezirkleiter Thomas Fiechter, Pfarrerin Petra Mayer, Diakonin Birgit Walch, Pfarrer Philipp Brückner und Robert Schierl. Diese breite Beteiligung unterstreicht, dass das Friedenslicht längst kein ausschließlich christliches Symbol mehr ist, sondern als universelles Zeichen des Friedens verstanden wird.
Was alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eint, ist der Wunsch nach Frieden und Verständigung. Das Friedenslicht dient dabei als kraftvolles Symbol, das religiöse und kulturelle Grenzen überwindet. Es steht für das, was Menschen – unabhängig von ihrer Glaubensrichtung – miteinander verbindet: die Sehnsucht nach einem friedlichen Zusammenleben und gegenseitigem Respekt.
In einer Zeit, in der religiöse und kulturelle Unterschiede oft als trennend wahrgenommen werden, sendet die gemeinsame Feier in Dornbirn ein wichtiges Signal. Sie zeigt, dass Dialog und Miteinander möglich sind – wenn Menschen bereit sind, aufeinander zuzugehen und das Verbindende über das Trennende zu stellen.
Markus Klement, Landesdirektor des ORF Vorarlberg, zeigte sich von der Veranstaltung tief berührt. In seinen Worten kam zum Ausdruck, welche Bedeutung das Friedenslicht für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat: „Das ORF-Friedenslicht zeigt, was uns verbindet: die Sehnsucht nach Frieden und der Wunsch nach einem respektvollen Miteinander auf Augenhöhe."
Besonders hob Klement die Tatsache hervor, dass alle Religionsgemeinschaften diesen Moment gemeinsam feiern. Dies erfülle ihn mit großer Dankbarkeit und sei ein lebendiger Beweis dafür, dass der ORF seinem Auftrag gerecht werde, ein Medium für alle Menschen zu sein – unabhängig von ihrer religiösen oder kulturellen Zugehörigkeit.
Stefan Höfel, Projektleiter von LICHT INS DUNKEL beim ORF Vorarlberg, ordnete das Friedenslicht in einen größeren gesellschaftlichen Kontext ein. In Zeiten multipler Krisen – von geopolitischen Spannungen über wirtschaftliche Unsicherheiten bis hin zu gesellschaftlichen Polarisierungen – gewinne das Symbol des Friedenslichts zusätzlich an Bedeutung.
„In Zeiten multipler Krisen ist das ORF-Friedenslicht ein wichtiges Symbol für Frieden und Zusammenhalt