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ORF Sag's Multi: Oberösterreichs Schüler glänzen beim Speech Off

5. März 2026 um 15:36
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Am 4. März 2026 verwandelte sich das ORF-Landesstudio Oberösterreich in eine Bühne für sprachliche Vielfalt und jugendlichen Redetalent. Beim siebenten Speech Off des mehrsprachigen Redewettbewerbs...

Am 4. März 2026 verwandelte sich das ORF-Landesstudio Oberösterreich in eine Bühne für sprachliche Vielfalt und jugendlichen Redetalent. Beim siebenten Speech Off des mehrsprachigen Redewettbewerbs "Sag's Multi" kämpften Schülerinnen und Schüler aus ganz Oberösterreich um die begehrten Plätze. Die Gewinner stehen nun fest – und zeigen eindrucksvoll, wie multikulturell und vielsprachig die österreichische Jugend heute ist.

Was ist Sag's Multi? Ein Redewettbewerb mit gesellschaftlicher Mission

Der ORF-Redewettbewerb "Sag's Multi" wurde 2009 ins Leben gerufen und hat sich seitdem zu einem der wichtigsten Sprachförderprogramme Österreichs entwickelt. Das Konzept ist so einfach wie revolutionär: Jugendliche halten Reden zu gesellschaftlich relevanten Themen – und das in zwei Sprachen. Neben Deutsch können die Teilnehmer ihre Erst- oder Familiensprache verwenden, aber auch eine erlernte Fremdsprache wie Englisch, Spanisch oder Französisch.

Diese zweisprachige Herangehensweise macht Sag's Multi zu einem einzigartigen Format in der österreichischen Medienlandschaft. Der Wettbewerb würdigt nicht nur rhetorische Fähigkeiten, sondern auch die kulturelle und sprachliche Vielfalt der jungen Generation. Dabei werden zwei Alterskategorien unterschieden: Die "YoungStars" umfassen Schüler der 7. und 8. Schulstufe, während die "Speech Masters" die 9. bis 13. Schulstufe repräsentieren.

Die Gewinner aus Oberösterreich: Vielfalt in Sprache und Themen

In der Kategorie YoungStars konnte sich Theresa Luger vom BG/BRG Brucknerstraße Wels den ersten Platz sichern. Ihre Rede zum Thema "Meine Generation – HoffnungsträgerInnen oder Sorgenkinder?" hielt sie auf Englisch und traf damit offenbar den Nerv der Jury. Das Thema spiegelt eine zentrale Frage unserer Zeit wider: Wie wird die Generation Z wahrgenommen und welche Rolle spielt sie in der Gesellschaft?

Interessant ist, dass auch der zweite Platz an eine Schülerin derselben Schule ging: Anja Ettl behandelte das identische Thema, ebenfalls auf Englisch. Dies zeigt, wie unterschiedlich ein und dasselbe Thema interpretiert und präsentiert werden kann. Den dritten Platz belegte Ben Wassermann, der sich mit "Online. Offline. Echt?" einem hochaktuellen Thema der Digitalisierung widmete.

Speech Masters: Punjabi trifft auf gesellschaftliche Gerechtigkeit

Besonders bemerkenswert ist der Sieg von Kamal Multani vom BRG Steyr Michaelerplatz in der Kategorie Speech Masters. Er hielt seine Rede zum Thema "Gerechtigkeit – Ein großes Wort, viele Bedeutungen" auf Punjabi – seiner Erstsprache. Punjabi wird von etwa 100 Millionen Menschen weltweit gesprochen, hauptsächlich in der Region Punjab, die zwischen Pakistan und Indien liegt. In Österreich leben schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Menschen mit Punjabi als Muttersprache.

Multanis Sieg ist ein starkes Signal für die Integration und Anerkennung von Migrationssprachen in Österreich. Er zeigt, dass sprachliche Vielfalt nicht nur toleriert, sondern aktiv gefördert und ausgezeichnet wird. Das Thema Gerechtigkeit, das er wählte, ist universell verständlich und dennoch kulturell geprägt – ein perfektes Beispiel dafür, wie verschiedene Kulturen ähnliche Werte teilen können.

Die Bedeutung von Mehrsprachigkeit in der österreichischen Gesellschaft

Österreich ist ein mehrsprachiges Land: Neben der Amtssprache Deutsch sind Burgenland-Kroatisch, Slowenisch und Ungarisch als regionale Amtssprachen anerkannt. Darüber hinaus werden durch Migration und Globalisierung über 200 Sprachen im Land gesprochen. Der Mikrozensus 2018 ergab, dass etwa 23 Prozent der österreichischen Bevölkerung zu Hause regelmäßig eine andere Sprache als Deutsch sprechen.

Diese Realität spiegelt sich auch in den Schulen wider: In Wien haben bereits über 50 Prozent der Schüler eine andere Erstsprache als Deutsch. In Oberösterreich liegt dieser Anteil bei etwa 20 Prozent, wobei die Zahlen in städtischen Gebieten wie Linz, Wels und Steyr deutlich höher sind. Hier setzt Sag's Multi an und macht aus der vermeintlichen Herausforderung der Mehrsprachigkeit eine Chance.

Vergleich mit Deutschland und der Schweiz

Während Deutschland erst in den letzten Jahren verstärkt auf Mehrsprachigkeitsförderung setzt, ist die Schweiz mit ihren vier Landessprachen traditionell mehrsprachig orientiert. Der deutsche "Mehrsprachigkeitswettbewerb" existiert erst seit 2015 und hat deutlich weniger mediale Aufmerksamkeit als Sag's Multi. In der Schweiz gibt es zwar regionale Sprachwettbewerbe, aber kein vergleichbares nationales Format, das Migrationssprachen so prominent einbezieht.

Österreich nimmt damit eine Vorreiterrolle in Europa ein. Das zeigt sich auch in der medialen Aufbereitung: Während deutsche oder Schweizer Sprachwettbewerbe meist nur regional berichtet werden, sendet der ORF die Sag's Multi-Finals österreichweit und macht sie zu einem nationalen Ereignis.

Die Rolle des ORF als Medienplattform für Vielfalt

Der Österreichische Rundfunk hat mit Sag's Multi ein Format geschaffen, das über einen klassischen Wettbewerb hinausgeht. Es ist ein Instrument der Integrationspolitik und des gesellschaftlichen Dialogs geworden. ORF-Oberösterreich-Landesdirektor Klaus Obereder, der die Preise überreichte, betonte regelmäßig die gesellschaftliche Bedeutung des Formats.

Die mediale Begleitung durch den ORF gibt den jungen Rednern eine Plattform, die weit über die Schulgemeinschaft hinausreicht. Die Aufzeichnungen werden nicht nur im Fernsehen ausgestrahlt, sondern auch online verfügbar gemacht. Dadurch erreichen die Botschaften der Jugendlichen ein breites Publikum und können gesellschaftliche Diskussionen anstoßen.

Auswirkungen auf die Bildungspolitik

Sag's Multi hat auch bildungspolitische Auswirkungen. Schulen, deren Schüler erfolgreich teilnehmen, erfahren eine erhöhte Aufmerksamkeit und Wertschätzung ihrer Mehrsprachigkeitsarbeit. Das BG/BRG Brucknerstraße Wels beispielsweise, das gleich drei Plätze in der YoungStars-Kategorie belegte, wird als Beispiel für gelungene Sprachförderung wahrgenommen.

Bildungsexperten sehen in solchen Formaten einen wichtigen Baustein für die Entwicklung von "Global Citizens" – jungen Menschen, die sich in einer vernetzten, mehrsprachigen Welt zurechtfinden. Die Fähigkeit, komplexe Themen in verschiedenen Sprachen zu durchdenken und zu artikulieren, wird als Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts betrachtet.

Thematische Vielfalt: Spiegel gesellschaftlicher Herausforderungen

Die gewählten Redethemen der Gewinner spiegeln die Sorgen und Hoffnungen der jungen Generation wider. "Meine Generation – HoffnungsträgerInnen oder Sorgenkinder?" war ein beliebtes Thema, das sowohl von Theresa Luger als auch von Anja Ettl und Marc Ehrensperger gewählt wurde. Diese Themenwahl zeigt, dass sich Jugendliche intensiv mit ihrer gesellschaftlichen Rolle auseinandersetzen.

Ben Wassermanns Thema "Online. Offline. Echt?" reflektiert die Herausforderungen der Digitalisierung und die Frage nach Authentizität in sozialen Medien. Luna Thya Rambert Hoppes Rede zu "Zukunft Europa" verdeutlicht das Bewusstsein der Jugend für europäische Politik und ihre Bereitschaft zur Mitgestaltung.

Gesellschaftliche Relevanz der Jugendthemen

Diese Themenauswahl ist nicht zufällig. Sie entspricht den Ergebnissen der österreichischen Jugendstudie 2023, die Klimawandel, Digitalisierung, Europa und Generationengerechtigkeit als zentrale Anliegen junger Menschen identifiziert. Sag's Multi bietet diesen Anliegen eine Bühne und verstärkt dadurch die Stimme der Jugend in der öffentlichen Debatte.

Besonders bemerkenswert ist Kamal Multanis Fokus auf Gerechtigkeit. Dieses Thema verbindet seine persönliche Migrationserfahrung mit universellen Werten und zeigt, wie Integration durch gemeinsame Wertevorstellungen gelingen kann. Seine Rede auf Punjabi unterstreicht dabei, dass verschiedene Kulturen ähnliche Gerechtigkeitsvorstellungen teilen können.

Wirtschaftliche Dimension: Mehrsprachigkeit als Standortvorteil

Aus wirtschaftlicher Sicht ist Mehrsprachigkeit ein bedeutender Standortvorteil für Österreich. Unternehmen suchen verstärkt nach Mitarbeitern, die mehrere Sprachen beherrschen und interkulturelle Kompetenz mitbringen. Eine Studie der Wirtschaftskammer Österreich aus 2024 zeigt, dass mehrsprachige Arbeitskräfte im Durchschnitt 15 Prozent höhere Gehälter erzielen.

Oberösterreich als Industriestandort profitiert besonders von mehrsprachigen Fachkräften. Internationale Konzerne wie Voestalpine, Facc oder Engel haben Niederlassungen in über 50 Ländern und benötigen Mitarbeiter, die mit verschiedenen Kulturen und Sprachen umgehen können. Die Förderung von Mehrsprachigkeit durch Formate wie Sag's Multi trägt damit zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts bei.

Zukunftsperspektiven: Wie geht es weiter mit Sag's Multi?

Nach dem Erfolg in Oberösterreich setzt sich der Wettbewerb am 10. März in Kärnten fort. Insgesamt finden in allen neun Bundesländern regionale Speech Offs statt, aus denen sich die Teilnehmer für das große Bundesfinale qualifizieren. Dieses findet traditionell im Mai in Wien statt und wird live im ORF übertragen.

Die Organisatoren planen bereits Erweiterungen des Formats. Diskutiert wird eine Online-Kategorie, die es Jugendlichen ermöglichen würde, ihre Reden digital zu präsentieren und ein noch breiteres Publikum zu erreichen. Auch eine europäische Dimension wird angedacht: Ein Austausch mit ähnlichen Formaten in anderen EU-Ländern könnte Sag's Multi internationalisieren.

Langfristige gesellschaftliche Auswirkungen

Experten sehen in Sag's Multi ein wichtiges Instrument zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Durch die Würdigung verschiedener Sprachen und Kulturen entsteht ein positives Narrativ von Vielfalt als Bereicherung. Dies ist besonders in Zeiten wichtig, in denen populistische Bewegungen Mehrsprachigkeit oft als Problem darstellen.

Die Teilnehmer von heute könnten die Meinungsführer von morgen werden. Viele ehemalige Sag's Multi-Teilnehmer studieren inzwischen Sprachen, Kommunikation oder Politik und bringen ihre interkulturellen Erfahrungen in verschiedene Bereiche der Gesellschaft ein. Einige sind bereits als Journalisten, Dolmetscher oder in der Diplomatie tätig.

Das Speech Off in Oberösterreich hat einmal mehr gezeigt, dass sprachliche Vielfalt nicht nur eine Realität der österreichischen Gesellschaft ist, sondern auch eine Chance. Wenn junge Menschen wie Kamal Multani ihre Gedanken zur Gerechtigkeit auf Punjabi formulieren und dafür ausgezeichnet werden, entsteht ein Bild von Integration, das auf Wertschätzung statt auf Assimilation basiert. Die nächsten Speech Offs in den anderen Bundesländern werden zeigen, welche weiteren sprachlichen und thematischen Facetten die österreichische Jugend zu bieten hat.

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