Freie Radios erstmals auf der öffentlich-rechtlichen Streaming-Plattform vertreten – Erweiterung startet am 1. Jänner 2026
Ab Jahresbeginn 2026 sind sechs Freie Radios und fünf Privatradios neu auf ORF Sound verfügbar. Die Plattform wird damit zum umfassendsten Audio-Aggregator Österreichs.
Die österreichische Radiolandschaft bekommt auf ORF Sound deutlichen Zuwachs: Mit Beginn des Jahres 2026 erweitert der öffentlich-rechtliche Rundfunk sein digitales Audio-Angebot um elf zusätzliche Sender. Erstmals in der Geschichte der Plattform werden dabei auch Freie Radios in das Streaming-Angebot aufgenommen – ein Schritt, der die Vielfalt der heimischen Medienlandschaft deutlich sichtbarer machen soll.
Unter den Neuzugängen befinden sich mit Campus & City Radio St. Pölten, Freies Radio B138, Freies Radio Salzkammergut, Radio AGORA, Radio ORANGE 94.0 und der Salzburger Radiofabrik gleich sechs nicht-kommerzielle Sender. Diese sogenannten Freien Radios zeichnen sich durch ihre besondere Programmphilosophie aus: Sie bieten Sendeplatz für Inhalte, die im kommerziellen Rundfunk oft keinen Platz finden, und ermöglichen lokalen Gemeinschaften sowie Minderheiten eine mediale Stimme.
Die Aufnahme dieser Sender in das ORF-Sound-Angebot stellt einen bedeutenden Schritt dar. Während kommerzielle Privatradios bereits seit Juli 2025 auf der Plattform vertreten sind, war der nicht-kommerzielle Sektor bisher außen vor. Mit der nun angekündigten Erweiterung schließt der ORF diese Lücke und präsentiert die österreichische Radiolandschaft erstmals in ihrer gesamten Bandbreite.
Neben den Freien Radios stoßen auch fünf kommerzielle Privatsender neu zum Streaming-Angebot: City23, Jö.LIVE, Radio 88.6, Radio MediaMarkt sowie das Kinderradio RADINO werden ab 1. Jänner 2026 live auf ORF Sound verfügbar sein. Damit baut die Plattform ihr ohnehin schon breites Portfolio weiter aus.
Besonders erwähnenswert ist die Aufnahme von RADINO, einem speziell auf Kinder ausgerichteten Radioprogramm. Damit trägt ORF Sound künftig auch den Bedürfnissen der jüngsten Hörerinnen und Hörer Rechnung und erweitert seine Zielgruppe deutlich. Familien erhalten so einen zentralen Anlaufpunkt für altersgerechte Audio-Inhalte innerhalb des öffentlich-rechtlichen Ökosystems.
Mit der Erweiterung festigt ORF Sound seine Position als führende Audio-Plattform des Landes. Die App und die zugehörige Website sound.ORF.at bündeln bereits jetzt sämtliche Audio-Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Die nationalen Sender Ö1, Hitradio Ö3 und radio FM4 sind ebenso vertreten wie alle neun ORF-Regionalradios. Dazu kommen zahlreiche Podcasts und On-Demand-Inhalte.
Die Plattform versteht sich dabei als "rot-weiß-roter Audio-Aggregator", der österreichischen Inhalten im digitalen Raum zusätzliche Sichtbarkeit verschafft. In einer Zeit, in der internationale Streaming-Dienste den Markt dominieren, setzt der ORF damit ein bewusstes Zeichen für heimische Produktionen und regionale Vielfalt.
Das Angebot der Plattform ist breit gefächert und bedient unterschiedlichste Hörgewohnheiten:
Albert Malli, Leiter Digitale Dienste Audio des ORF und Redaktionsleiter von ORF Sound, betont die kooperative Grundhaltung hinter der Erweiterung: Die Aufnahme der elf neuen Sender ermögliche dem Publikum ein noch vielfältigeres Hörerlebnis. Mit der Einbindung der Freien Radios werde die österreichische Radiolandschaft nun in ihrer vollen Breite abgebildet.
Diese Öffnungsstrategie des ORF ist bemerkenswert, da sie über die klassische öffentlich-rechtliche Kernaufgabe hinausgeht. Statt in Konkurrenz zu privaten Anbietern zu treten, bietet der ORF diesen eine Plattform und erhöht damit deren Reichweite. Für kleinere Sender, insbesondere die Freien Radios, bedeutet dies einen deutlichen Reichweitengewinn und bessere Auffindbarkeit im digitalen Raum.
Freie Radios spielen in der österreichischen Medienlandschaft eine besondere Rolle. Als nicht-kommerzielle Sender finanzieren sie sich nicht über klassische Werbeeinnahmen, sondern durch öffentliche Förderungen, Mitgliedsbeiträge und Spenden. Ihre Programme zeichnen sich durch hohe Partizipation aus: Bürgerinnen und Bürger können selbst Sendungen gestalten und so aktiv am Medienschaffen teilnehmen.
Diese Sender bieten oft Inhalte, die im kommerziellen Rundfunk nicht vorkommen: Sendungen in Minderheitensprachen, Beiträge lokaler Kulturinitiativen, alternative Musikformate oder Programme für spezifische Zielgruppen. Radio AGORA etwa sendet mehrsprachig in Kärnten, Radio ORANGE 94.0 gilt als Stimme der Wiener Zivilgesellschaft, und die Radiofabrik ist fest in der Salzburger Kulturszene verankert.
Die fünf neu hinzukommenden Privatradios bringen unterschiedliche Formate und Zielgruppen mit. Radio 88.6 ist als Alternative-Rock-Sender bekannt und spricht musikaffine Hörerinnen und Hörer an, die abseits des Mainstreams fündig werden wollen. City23 bedient urbane Musikstile, während Jö.LIVE als Audio-Angebot des Handelsunternehmens REWE einen ungewöhnlichen Hintergrund mitbringt.
Radio MediaMarkt wiederum zeigt, wie auch Unternehmen außerhalb der klassischen Medienbranche im Radiomarkt aktiv werden. Das Kinderradio RADINO schließlich füllt eine wichtige Nische: Speziell für Kinder produzierte Radioinhalte sind in Österreich rar, die Aufnahme in ORF Sound macht dieses Angebot nun deutlich zugänglicher.
Die elf neuen Sender werden ab dem 1. Jänner 2026 im Live-Stream verfügbar sein. Nutzerinnen und Nutzer können die Inhalte sowohl über die ORF-Sound-App als auch über die Website sound.ORF.at abrufen. Die App ist kostenlos für iOS und Android erhältlich und ermöglicht den Zugriff auf das gesamte Audio-Angebot des ORF.
Für die technische Einbindung der Sender übernimmt der ORF die Streaming-Infrastruktur, während die Programminhalte weiterhin von den jeweiligen Sendern verantwortet werden. Diese Konstruktion ermöglicht es, die redaktionelle Unabhängigkeit der Partner zu wahren und gleichzeitig von der technischen Reichweite der ORF-Plattform zu profitieren.
Die Erweiterung von ORF Sound um elf neue Sender ist mehr als eine technische Neuerung. Sie steht für ein verändertes Selbstverständnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Statt als alleiniger Anbieter aufzutreten, positioniert sich der ORF als Plattform, die unterschiedlichsten Stimmen Gehör verschafft. Dieser kooperative Ansatz könnte zukunftsweisend für die Entwicklung des Medienstandorts Österreich sein.
Für das Publikum bedeutet die Neuerung vor allem eines: mehr Auswahl an einem zentralen Ort. Wer sich für die Vielfalt der österreichischen Radiolandschaft interessiert, findet auf ORF Sound künftig ein umfassendes Angebot – von den großen nationalen Sendern über regionale Programme bis hin zu den Stimmen der Freien Radios, die bisher oft nur Eingeweihten bekannt waren.