"Miss-represented" beleuchtet 80 Jahre Schönheitswettbewerbe und deren gesellschaftlichen Einfluss
Zum Weltfrauentag präsentiert der ORF eine Dokumentation über die Darstellung von Frauen im italienischen Fernsehen seit 1939.
Anlässlich des Weltfrauentags zeigt der ORF am 22. Februar 2026 um 23.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON die österreichische Premiere der Dokumentation "Miss-represented – Das Frauenbild im italienischen Fernsehen". Der Film von Regisseur Robert Garzelli wirft einen kritischen Blick auf acht Jahrzehnte weiblicher Repräsentation in Italiens Medienlandschaft.
Die Dokumentation analysiert anhand umfangreichen Archivmaterials die Geschichte des berühmten Schönheitswettbewerbs "Miss Italia" seit seinen Anfängen 1939. Damals startete alles mit dem ersten Fotowettbewerb "5.000 Lire für ein Lächeln". Was zunächst als harmlose Unterhaltung begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem gesellschaftlichen Phänomen, das sowohl Karrieren prägte als auch Kontroversen auslöste.
Filmemacher Garzelli verfolgt dabei nicht nur die Evolution der Schönheitsideale, sondern auch deren Auswirkungen auf die italienische Gesellschaft. Von den "üppigen weiblichen Formen der 1940er Jahre" bis hin zu den stillen Showgirls, die als dekorative Elemente in Quizshows und Unterhaltungsprogrammen fungierten, zeichnet der Film ein vielschichtiges Bild weiblicher Darstellung.
"Miss Italia" war über Jahrzehnte weit mehr als nur ein Schönheitswettbewerb. Die Veranstaltung erreichte regelmäßig hohe Einschaltquoten und diente als Sprungbrett für internationale Karrieren. Prominente Beispiele sind Sophia Loren und Gina Lollobrigida, die beide durch ihre Teilnahme am Wettbewerb zu Weltstars wurden.
Gleichzeitig fungierte "Miss Italia" als Trendsetter für Mode und Schönheitsideale einer ganzen Nation. Der Wettbewerb spiegelte dabei konstant ein bestimmtes Frauenbild wider, das tief in der italienischen Gesellschaft verwurzelt war – eine Gesellschaft, die Garzelli als "voller Widersprüche" charakterisiert.
Die 1970er Jahre markierten einen Wendepunkt in der Wahrnehmung solcher Veranstaltungen. Mit dem Aufkommen der feministischen Bewegung wurde die Kritik an Schönheitswettbewerben lauter. Die Dokumentation thematisiert ausführlich, wie sich gesellschaftliche Normen und das Verständnis von Weiblichkeit in dieser Zeit zu verändern begannen.
Garzelli untersucht mit "einem Hauch von Ironie und großer Genauigkeit", wie sich diese gesellschaftlichen Spannungen auf den Wettbewerb auswirkten und welche Rolle die Medien dabei spielten. Aus heutiger Sicht mögen viele der damaligen Darstellungen schockieren, doch sie sind Teil des kollektiven Gedächtnisses – nicht nur in Italien.
Einen besonderen Fokus legt die Dokumentation auf das Jahr 1996, als mit Denny Mendez erstmals eine nicht-weiße Frau zur "Miss Italia" gewählt wurde. Das dominikanisch-italienische Model repräsentierte Italien anschließend auch bei der "Miss Universe"-Wahl. Diese Entscheidung markierte einen historischen Wendepunkt und löste heftige Diskussionen über Identität, Integration und Schönheitsideale in der italienischen Gesellschaft aus.
Bemerkenswert ist, dass gerade in diesem Jahr die italienische Rundfunkanstalt RAI den Wettbewerb wieder übernahm und Rekordeinschaltquoten verzeichnete. Dies zeigt die anhaltende Faszination und gesellschaftliche Relevanz des Formats, trotz oder gerade wegen der Kontroversen.
Die Dokumentation beschränkt sich nicht nur auf Schönheitswettbewerbe, sondern analysiert die gesamte Darstellung von Frauen im italienischen Fernsehen. Dabei wird deutlich, wie sich die Rolle der Frau in der Medienlandschaft über die Jahrzehnte verändert hat – von der rein dekorativen Funktion hin zu einer komplexeren, wenn auch nach wie vor umstrittenen Repräsentation.
Garzelli zeigt auf, wie TV-Showgirls als "hübsche, schweigsame Dekorationen" in Unterhaltungsprogrammen eingesetzt wurden und welche Auswirkungen dies auf das gesellschaftliche Frauenbild hatte. Die anachronistischen Aussagen und Einstellungen, die in dem umfangreichen Archivmaterial dokumentiert sind, verdeutlichen die langsame Entwicklung hin zu einem moderneren Verständnis weiblicher Rollen.
Obwohl die Dokumentation primär die italienische Situation beleuchtet, sind ihre Erkenntnisse weit über die Landesgrenzen hinaus relevant. Die dargestellten Mechanismen und gesellschaftlichen Dynamiken finden sich in ähnlicher Form in vielen anderen Ländern wieder. Dies macht "Miss-represented" zu einem wichtigen Beitrag zur internationalen Diskussion über Geschlechterrollen und Medienrepräsentation.
Die Ausstrahlung im Rahmen des ORF-Schwerpunkts zum Weltfrauentag unterstreicht die Aktualität der behandelten Themen. In einer Zeit, in der Debatten über Gleichberechtigung, Körperbilder und weibliche Selbstbestimmung wieder verstärkt geführt werden, bietet der Film wertvolle historische Perspektiven.
"Miss-represented" erzählt letztendlich mehr als nur die Geschichte eines Schönheitswettbewerbs. Der Film fungiert als Spiegel der italienischen Gesellschaft und ihrer Entwicklung seit den 1930er Jahren. Er zeigt auf, wie tief verwurzelt bestimmte Geschlechterbilder waren und sind, und wie schwerfällig gesellschaftlicher Wandel vonstatten geht.
Die Dokumentation macht deutlich, dass Schönheitswettbewerbe nie nur Unterhaltung waren, sondern immer auch politische und gesellschaftliche Statements. Sie prägten Generationen von Frauen und Männern in ihrem Verständnis von Weiblichkeit, Schönheit und gesellschaftlichen Rollen.
Für österreichische Zuschauer bietet der Film die Möglichkeit, die eigene Mediengeschichte und gesellschaftliche Entwicklung zu reflektieren. Viele der gezeigten Mechanismen und Darstellungsformen waren auch hierzulande lange Zeit Standard und haben ebenfalls ihre Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlassen.
Die Ausstrahlung von "Miss-represented – Das Frauenbild im italienischen Fernsehen" am 22. Februar 2026 um 23.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON verspricht einen aufschlussreichen Einblick in acht Jahrzehnte Medien- und Gesellschaftsgeschichte – und regt zum Nachdenken über die Gegenwart an.