Schauplatz Gericht beleuchtet komplexe Zivilverfahren
Am 19. Februar präsentiert Peter Resetarits drei spektakuläre Gerichtsfälle - von Baupfusch-Vorwürfen bis zu Millionen-Erbschaften.
Das österreichische Rechtssystem steht wieder im Fokus der Öffentlichkeit: Am Donnerstag, dem 19. Februar 2026, zeigt der ORF um 21:05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON eine neue Ausgabe von "Schauplatz Gericht". Peter Resetarits führt durch drei komplexe Rechtsfälle, die exemplarisch für die Herausforderungen des österreichischen Zivilrechts stehen.
Der erste Fall dreht sich um einen Konflikt zwischen Gabriele P. und einem Baumeister, der bereits seit über drei Jahren die Gerichte beschäftigt. Was als normale Bauausführung begann, entwickelte sich zu einem erbitterten Rechtsstreit mit gegenseitigen Vorwürfen.
Der Baumeister fordert die Bezahlung seines ausstehenden Honorars, während die Bauherrin massive Mängel an der Bodenplatte geltend macht. Die zentrale Frage lautet: Handelt es sich um einen "Totalpfusch", wie die Bauherrin behauptet, oder sind die Mängel sanierbar?
Die Situation eskalierte weiter, als der Baumeister zusätzlich eine Klage wegen übler Nachrede einbrachte. Gabriele P. soll ihn bei Behörden als "Baubetrüger" bezeichnet haben. Die Angeklagte rechtfertigt ihre Aussagen als Wahrheit und behauptet, der Baumeister habe "mit seinem Pfusch ihr Leben zerstört".
Dieser Fall verdeutlicht die typischen Probleme im österreichischen Baurecht, wo technische Sachverhalte und rechtliche Bewertungen oft schwer zu trennen sind. Experten schätzen, dass ähnliche Konflikte zwischen Bauherren und Ausführenden in den letzten Jahren zugenommen haben, nicht zuletzt aufgrund gestiegener Materialkosten und Zeitdruck.
Der zweite Fall führt in die komplexe Welt des Familienrechts und Unternehmensrechts. Ein Ehepaar, das gemeinsam ein Unternehmen besitzt, gerät in einen erbitterten Streit über die Vermögensaufteilung nach dem Tod des Mannes.
Die Auseinandersetzung erreichte ihren Höhepunkt in einer gerichtlich angeordneten Wegweisung des Ehemannes vom gemeinsamen Wohnsitz. Besonders brisant: Der Wohnsitz ist gleichzeitig der Firmensitz des gemeinsamen Unternehmens. Der weggewiesene Ehemann sieht darin eine gezielte Strategie, um ihn vom Geschäft fernzuhalten und seinen Einfluss auf das Unternehmen zu unterbinden.
Dieser Fall zeigt die Schwierigkeiten auf, die entstehen können, wenn private Beziehungen und geschäftliche Interessen miteinander verwoben sind. In Österreich sind solche Konstellationen bei Familienbetrieben keine Seltenheit, und die rechtliche Aufarbeitung gestaltet sich oft kompliziert.
Die mehrfachen Klagen vor Gericht verdeutlichen, wie sich ursprünglich private Konflikte zu langwierigen und kostspieligen Gerichtsverfahren entwickeln können. Rechtsexperten empfehlen in solchen Fällen oft eine außergerichtliche Mediation, um eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden.
Der dritte und wohl spektakulärste Fall führt ins oberösterreichische Weißkirchen und in die komplizierte Welt des österreichischen Erbrechts. Als der hochbetagte Landwirt Otto S. 2015 verstarb, ahnten 38 Menschen nichts von ihrem bevorstehenden Glück – und späteren Ärger.
Otto S. hatte weder Frau noch Kinder und hinterließ auch kein Testament. Nach den Regeln der gesetzlichen Erbfolge wurden entfernte Verwandte ermittelt, von denen viele den Verstorbenen nie persönlich gekannt hatten. Das zu verteilende Vermögen: beachtliche zwei Millionen Euro.
Was zunächst wie ein unverhoffter Geldsegen aussah, entwickelte sich schnell zum Alptraum. Eine der Erbinnen machte das österreichische "Anerbenrecht" geltend und wollte den gesamten Hof übernehmen. Im Gegenzug sollten die anderen Erben lediglich kleine Entschädigungen erhalten – ein Vorgehen, das rechtlich durchaus möglich ist.
Das österreichische Anerbenrecht, das in mehreren Bundesländern gilt, soll landwirtschaftliche Betriebe vor der Zersplitterung bewahren. Es ermöglicht einem Erben, einen landwirtschaftlichen Betrieb geschlossen zu übernehmen und die anderen Erben mit geringeren Beträgen abzufinden.
Im Fall von Otto S. führte dies zu einem "aufreibenden Prozess", wie es in der Sendung heißt. Fünf Jahre nach Beginn der Auseinandersetzungen berichtet "Schauplatz Gericht" nun über den Ausgang des Falls – ein Zeitraum, der verdeutlicht, wie langwierig solche Erbschaftsstreitigkeiten werden können.
Dieser Fall ist exemplarisch für die Herausforderungen des österreichischen Erbrechts, besonders wenn größere Vermögen und landwirtschaftliche Betriebe im Spiel sind. Rechtsanwälte raten daher dringend zur Errichtung eines Testaments, um solche Konflikte zu vermeiden.
Die drei Fälle, die Peter Resetarits in der neuen Ausgabe von "Schauplatz Gericht" präsentiert, spiegeln verschiedene Bereiche des österreichischen Rechtssystems wider: Baurecht, Familienrecht und Erbrecht. Sie zeigen auf, wie aus alltäglichen Situationen komplexe Rechtsstreitigkeiten entstehen können.
Besonders bemerkenswert ist die Dauer der Verfahren. Während der Bauplattenhaltungsstreit bereits über drei Jahre andauert, zog sich der Erbschaftsfall über fünf Jahre hin. Dies wirft Fragen zur Effizienz des österreichischen Justizsystems auf, auch wenn die Komplexität der Fälle berücksichtigt werden muss.
Für Zuschauer bieten solche Dokumentationen wertvolle Einblicke in die Funktionsweise des Rechtssystems. Sie verdeutlichen, warum rechtliche Beratung wichtig ist und welche Konsequenzen entstehen können, wenn Konflikte eskalieren.
Die gezeigten Fälle unterstreichen die Bedeutung präventiver Maßnahmen. Im Baubereich könnten detaillierte Verträge und regelmäßige Baukontrollen Konflikte vermeiden. Bei Familienbetrieben sind klare Vereinbarungen über Zuständigkeiten und Vermögensaufteilung essenziell.
Im Erbrecht zeigt der Fall Otto S. deutlich die Wichtigkeit eines Testaments auf. Ohne testamentarische Verfügung greift die gesetzliche Erbfolge, die nicht immer im Sinne des Verstorbenen oder der Erben ist.
"Schauplatz Gericht" leistet damit nicht nur Unterhaltung, sondern auch Aufklärungsarbeit. Die Sendung zeigt auf, wo Fallstricke im Rechtssystem lauern und wie Bürger sich davor schützen können.
Die neue Ausgabe von "Schauplatz Gericht" mit Peter Resetarits ist am 19. Februar 2026 um 21:05 Uhr in ORF 2 zu sehen und steht auch auf ORF ON zur Verfügung. Die drei Fälle bieten einen facettenreichen Einblick in die österreichische Rechtslandschaft und ihre alltäglichen Herausforderungen.