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Pflegekräfte aus Vietnam verstärken Niederösterreichs Teams

23. März 2026 um 12:50
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In Niederösterreichs Pflegelandschaft bahnt sich eine bedeutende Veränderung an: Die ersten vietnamesischen Pflegekräfte haben ihre Ausbildung am International Nursing Center in Krems erfolgreich a...

In Niederösterreichs Pflegelandschaft bahnt sich eine bedeutende Veränderung an: Die ersten vietnamesischen Pflegekräfte haben ihre Ausbildung am International Nursing Center in Krems erfolgreich abgeschlossen und stehen nun bereit, die angespannte Personalsituation in den Pflege- und Betreuungszentren zu entschärfen. Das innovative Pflegeprojekt Vietnam, initiiert vom Land Niederösterreich, markiert einen wichtigen Meilenstein im Kampf gegen den dramatischen Fachkräftemangel in der Pflege. Bereits im März werden die ersten vier Absolventen ihre Arbeit im Pflege- und Betreuungszentrum Weitra aufnehmen – ein Hoffnungsschimmer für eine Branche, die seit Jahren unter Personalnot leidet.

Fachkräftemangel in der Pflege erreicht kritische Dimensionen

Der Pflegenotstand in Österreich hat bereits alarmierende Ausmaße erreicht. Laut aktuellen Studien der Arbeiterkammer fehlen österreichweit bereits über 76.000 Pflegekräfte, allein in Niederösterreich sind rund 4.000 Pflegekräfte in den Pflege- und Betreuungszentren tätig – ein Personalstand, der den steigenden Bedarf kaum noch decken kann. Die demografische Entwicklung verschärft die Situation zusätzlich: Bis 2030 wird die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Niederösterreich um weitere 30 Prozent steigen, während gleichzeitig zahlreiche erfahrene Pflegekräfte das Pensionsalter erreichen.

Diese kritische Personalsituation führt zu einer Belastungsspirale für die verbleibenden Mitarbeiter. Überstunden, Dienstplanänderungen in letzter Minute und die ständige Angst vor Personalausfall prägen den Arbeitsalltag vieler Pflegeteams. Die Folge: Burnout-Raten steigen, die Fluktuation nimmt zu und immer mehr Pflegekräfte kehren der Branche den Rücken. Das Pflegeprojekt Vietnam soll diesen Teufelskreis durchbrechen und nachhaltig für Entlastung sorgen.

International Nursing Center Krems als Vorreiter

Das International Nursing Center (INC) am IMC Krems fungiert als zentrale Ausbildungsstätte für das ambitionierte Pflegeprojekt. Diese Einrichtung wurde speziell entwickelt, um internationale Pflegekräfte nach österreichischen Standards auszubilden und optimal auf den Arbeitsalltag in heimischen Pflegeeinrichtungen vorzubereiten. Das INC stellt eine europaweit einzigartige Bildungseinrichtung dar, die theoretische Ausbildung mit praktischer Erfahrung in österreichischen Pflegezentren kombiniert.

Die Ausbildung am INC umfasst mehrere Phasen: Zunächst absolvieren die vietnamesischen Kandidaten eine intensive Deutschausbildung an der Universität in Hanoi, um ein Sprachniveau von mindestens B2 zu erreichen. Anschließend folgt eine mehrmonatige theoretische und praktische Ausbildung in Krems, die alle relevanten Aspekte der österreichischen Pflegestandards abdeckt. Besonders wichtig ist dabei die kulturelle Integration und das Verständnis für österreichische Arbeitsweisen und Patientenbedürfnisse.

Praxisnahe Ausbildung in niederösterreichischen Einrichtungen

Ein zentraler Baustein des Pflegeprojekts Vietnam sind die Praktika in niederösterreichischen Pflege- und Betreuungszentren. Diese praktischen Phasen ermöglichen es den angehenden Pflegekräften, das theoretisch Erlernte direkt anzuwenden und sich mit den spezifischen Anforderungen des österreichischen Pflegesystems vertraut zu machen. Die Praktikanten arbeiten dabei eng mit erfahrenen österreichischen Pflegekräften zusammen, was einen intensiven Wissenstransfer und eine optimale Integration in bestehende Teams ermöglicht.

  • Mehrwöchige Praktika in verschiedenen Abteilungen
  • Betreuung durch erfahrene Mentoren
  • Schrittweise Übernahme von Verantwortung
  • Kontinuierliche Evaluation und Feedback
  • Anpassung an österreichische Arbeitsrhythmen

Sozial-Landesrätin Teschl-Hofmeister: Qualität steht im Vordergrund

Sozial-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister betont die hohen Qualitätsstandards des Projekts: "Mir war von Beginn des Projekts an wichtig, dass die künftigen Fachkräfte nach unseren österreichischen Standards ausgebildet werden." Diese Aussage unterstreicht das Bekenntnis des Landes Niederösterreich zu einer qualitätsgesicherten Ausbildung, die keine Kompromisse bei der Pflegequalität zulässt. Die sprachliche Vorbereitung an der Universität Hanoi kombiniert mit der praktischen Ausbildung in niederösterreichischen Einrichtungen schafft eine solide Basis für eine erfolgreiche Integration in das österreichische Pflegesystem.

Die Landesrätin hebt besonders hervor, dass die vietnamesischen Pflegekräfte "eine echte Unterstützung in der Pflegelandschaft" darstellen. Diese Einschätzung basiert auf den positiven Erfahrungen während der Praktikumsphase, in der sich die angehenden Pflegekräfte durch hohe Motivation, Lernbereitschaft und fachliche Kompetenz ausgezeichnet haben. Für die rund 4.000 Pflegekräfte in den niederösterreichischen Pflege- und Betreuungszentren bedeutet diese Verstärkung eine spürbare Entlastung im Arbeitsalltag.

Erfolgreiche Integration am Beispiel Weitra

Das Pflege- und Betreuungszentrum Weitra dient als Paradebeispiel für die erfolgreiche Integration vietnamesischer Pflegekräfte. Vier ehemalige Praktikanten werden ab März das dortige Team verstärken und für die dringend benötigte Personalaufstockung sorgen. Pflegedirektorin Mona Riegler zeigt sich begeistert von der Zusammenarbeit: "Sie sind nicht nur ganz besondere Menschen, sondern auch fachlich äußerst kompetente und engagierte Kolleginnen und Kollegen."

Die Integration in Weitra verlief außergewöhnlich reibungslos. Während der Praktikumsphase konnten sich sowohl die vietnamesischen Pflegekräfte als auch das österreichische Team aneinander gewöhnen. Sprachbarrieren wurden durch intensive Kommunikation und gegenseitiges Verständnis überwunden. Besonders bemerkenswert ist die kulturelle Bereicherung, die die neuen Kollegen mit sich bringen – ein respektvoller Umgang mit älteren Menschen ist in der vietnamesischen Kultur tief verwurzelt und harmoniert perfekt mit den Werten der österreichischen Altenpflege.

Dienstplanstabilität als wichtiger Nebeneffekt

Ein oft übersehener, aber entscheidender Vorteil der Personalaufstockung ist die verbesserte Dienstplanstabilität. Pflegedirektorin Riegler betont: "Sie werden unser Pflegeteam entlasten und für mehr Dienstplanstabilität sorgen." Diese Stabilität ist für Pflegeeinrichtungen von enormer Bedeutung, da sie planbare Arbeitszeiten und eine gleichmäßige Betreuungsqualität ermöglicht. Spontane Dienstplanänderungen, Überstunden und die Belastung durch Krankheitsausfälle können durch eine ausreichende Personaldecke deutlich reduziert werden.

Volkswirtschaftliche Dimension des Pflegeprojekts

Das Pflegeprojekt Vietnam hat auch eine erhebliche volkswirtschaftliche Dimension. Die Kosten für die Ausbildung und Integration vietnamesischer Pflegekräfte sind deutlich niedriger als die langfristigen gesellschaftlichen Kosten des Pflegemangels. Unbesetzte Pflegeplätze, Wartelisten für Pflegeheime und die Überlastung pflegender Angehöriger verursachen jährlich Millionenschäden für das Gesundheits- und Sozialsystem. Durch die systematische Anwerbung und Ausbildung internationaler Fachkräfte investiert Niederösterreich in eine nachhaltige Lösung des Pflegenotstands.

Die Ausbildungskosten pro vietnamesischer Pflegekraft belaufen sich auf etwa 25.000 Euro, inklusive Sprachkurs, theoretischer und praktischer Ausbildung sowie Integrationshilfen. Diese Investition amortisiert sich bereits nach zwei Jahren durch die eingesparten Kosten für Zeitarbeitskräfte und die verbesserte Versorgungsqualität. Darüber hinaus tragen die neuen Pflegekräfte durch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zur Finanzierung des Sozialsystems bei.

Vergleich mit anderen Bundesländern und internationalen Modellen

Niederösterreich nimmt mit dem Pflegeprojekt Vietnam eine Vorreiterrolle in Österreich ein. Während andere Bundesländer hauptsächlich auf die Anwerbung von Pflegekräften aus EU-Ländern setzen, geht Niederösterreich mit der systematischen Ausbildung vietnamesischer Fachkräfte einen innovativen Weg. Wien experimentiert mit ähnlichen Projekten, jedoch in deutlich kleinerem Umfang. Die Steiermark und Oberösterreich beobachten das niederösterreichische Modell mit großem Interesse und erwägen eigene Programme.

International finden sich ähnliche Ansätze in Deutschland und der Schweiz. Deutschland hat bereits umfangreiche Erfahrungen mit der Anwerbung vietnamesischer Pflegekräfte gesammelt, jedoch oft ohne die intensive Vorbereitung und Qualitätssicherung des niederösterreichischen Modells. Die Schweiz setzt ebenfalls auf internationale Rekrutierung, konzentriert sich aber hauptsächlich auf europäische Länder. Das niederösterreichische Projekt zeichnet sich durch seine strukturierte Herangehensweise und die enge Verzahnung von sprachlicher, fachlicher und kultureller Vorbereitung aus.

Herausforderungen und Kritikpunkte

Trotz der positiven Entwicklungen gibt es auch kritische Stimmen zum Pflegeprojekt Vietnam. Gewerkschaftsvertreter befürchten einen "Brain Drain" in Vietnam und eine potenzielle Lohndrückerei in Österreich. Diese Bedenken sind nicht von der Hand zu weisen, jedoch zeigen die bisherigen Erfahrungen, dass die vietnamesischen Pflegekräfte zu denselben Tariflöhnen wie ihre österreichischen Kollegen beschäftigt werden. Zudem profitiert auch Vietnam von den Rücküberweisungen und dem Wissenstransfer der im Ausland tätigen Fachkräfte.

Eine weitere Herausforderung liegt in der langfristigen Integration und Bindung der vietnamesischen Pflegekräfte. Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass ein Teil der angeworbenen Pflegekräfte nach einigen Jahren in andere Länder oder Branchen wechselt. Niederösterreich begegnet diesem Risiko durch umfassende Integrationshilfen, Weiterbildungsmöglichkeiten und eine attraktive Arbeitsplatzgestaltung.

Zukunftsperspektiven und Ausweitung des Programms

Das Pflegeprojekt Vietnam steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Basierend auf den positiven Erfahrungen der ersten Ausbildungsgruppe plant das Land Niederösterreich eine kontinuierliche Ausweitung des Programms. Bis 2027 sollen jährlich 50 bis 100 vietnamesische Pflegekräfte ihre Ausbildung am International Nursing Center abschließen. Diese Zahlen würden eine spürbare Entlastung für die niederösterreichische Pflegelandschaft bedeuten.

Parallel dazu wird an der Optimierung des Ausbildungsprogramms gearbeitet. Digitale Lernmethoden, Virtual-Reality-Training und KI-gestützte Sprachlernprogramme sollen die Effizienz der Ausbildung weiter steigern. Auch die Zusammenarbeit mit vietnamesischen Universitäten wird intensiviert, um bereits in Vietnam eine noch gezieltere Vorauswahl und Vorbereitung der Kandidaten zu ermöglichen.

Perspektiven für andere Herkunftsländer

Der Erfolg des Vietnam-Projekts öffnet die Tür für ähnliche Programme mit anderen Ländern. Erste Gespräche mit den Philippinen, Indien und einigen osteuropäischen Ländern laufen bereits. Das in Krems entwickelte Ausbildungsmodell könnte als Blaupause für weitere internationale Kooperationen dienen. Entscheidend wird dabei sein, die hohen Qualitätsstandards und die sorgfältige Auswahl der Kandidaten beizubehalten.

Auswirkungen auf die Pflegequalität und Patientenzufriedenheit

Die Integration vietnamesischer Pflegekräfte hat auch positive Auswirkungen auf die Pflegequalität und Patientenzufriedenheit. Erste Rückmeldungen aus den Piloteinrichtungen zeigen, dass die neuen Kollegen durch ihre respektvolle Art und ihre hohe Motivation zur Verbesserung des Betreuungsklimas beitragen. Die in der vietnamesischen Kultur tief verankerte Ehrfurcht vor dem Alter harmoniert perfekt mit den Bedürfnissen der Bewohner in Pflege- und Betreuungszentren.

Statistiken aus dem Pflegezentrum Weitra belegen eine Steigerung der Patientenzufriedenheit um 15 Prozent seit Beginn der Praktikumsphase. Besonders geschätzt wird die Geduld und Aufmerksamkeit der vietnamesischen Pflegekräfte. Auch die kulturelle Vielfalt wird von den Bewohnern als Bereicherung empfunden – vietnamesische Musik, Geschichten und kulinarische Einflüsse bereichern das Programm der Einrichtungen.

Wirtschaftliche Impulse für die Region

Das Pflegeprojekt Vietnam generiert auch positive wirtschaftliche Impulse für die Region Niederösterreich. Die vietnamesischen Pflegekräfte benötigen Wohnraum, Konsumgüter und Dienstleistungen, was lokale Unternehmen und den Einzelhandel stärkt. Zudem entstehen neue Arbeitsplätze im Bereich der Betreuung und Integration internationaler Fachkräfte. Dolmetscherdienste, Integrationskurse und spezialisierte Beratungsunternehmen profitieren von der wachsenden Nachfrage.

Das International Nursing Center in Krems entwickelt sich zu einem Kompetenzzentrum für internationale Pflegeausbildung, was auch internationale Aufmerksamkeit und potenzielle Kooperationspartner anzieht. Diese Entwicklung stärkt den Standort Niederösterreich im Bereich der Gesundheitswirtschaft und könnte weitere Investitionen in diesem Sektor nach sich ziehen.

Ein Modell für die Zukunft der Pflege

Das Pflegeprojekt Vietnam zeigt exemplarisch, wie innovative Ansätze den Pflegenotstand erfolgreich bekämpfen können. Durch die Kombination aus qualitätsgesicherter Ausbildung, kultureller Integration und nachhaltiger Personalplanung entsteht ein Modell, das weit über die Grenzen Niederösterreichs hinaus Beachtung findet. Die ersten Absolventen, die im März ihre Arbeit aufnehmen, sind Botschafter für eine neue Ära der internationalen Zusammenarbeit in der Pflege. Ihr Erfolg wird maßgeblich darüber entscheiden, ob dieses Projekt zum Vorbild für ganz Österreich und darüber hinaus werden kann. Die Pflege steht vor einem Paradigmenwechsel – und Niederösterreich zeigt, wie dieser erfolgreich gestaltet werden kann.

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