ÖVP wirft Kickl Verfall der Diskussionskultur vor
Andreas Hanger kritisiert FPÖ-Chef Herbert Kickl scharf und macht ihn für unappetitliche Atmosphäre im Pilnacek-U-Ausschuss verantwortlich.
Die politische Stimmung in Österreich erreicht einen neuen Tiefpunkt. Andreas Hanger, ÖVP-Fraktionsführer im Pilnacek-Untersuchungsausschuss, übt massive Kritik an FPÖ-Chef Herbert Kickl und macht ihn persönlich für den "Verfall der politischen Diskussionskultur" verantwortlich.
In einer außergewöhnlich scharfen Stellungnahme wirft Hanger der FPÖ vor, den laufenden U-Ausschuss zu einer "unappetitlichen Schlammschlacht ohne nennenswerten Aufklärungswert" verkommen zu lassen. Die Vorwürfe zielen direkt auf den Stil und die Methoden von Herbert Kickl ab.
Hanger führt eine Liste von Kickls umstrittenen Äußerungen an, die seiner Ansicht nach die Grenzen des politischen Anstands überschreiten. Der ÖVP-Politiker erinnert daran, dass Kickl die Bundesregierung als "hirntot" bezeichnete, das Staatsoberhaupt als "senil" und "Mumie" beschimpfte und sich über den Bundeskanzler als "Mann ohne Hals und Haare" lustig machte.
"Wer sich die Gefilde weit jenseits der Grenzen von Moral und Geschmack zum natürlichen Lebensraum macht, darf selbst nicht zimperlich sein", so Hangers deutliche Worte. Diese Aussage richtet sich gegen die FPÖ-Kritik an angeblichen Untergriffen gegen ihre Vertreter.
Der ÖVP-Fraktionsführer sieht in der FPÖ-Haltung eine klare Doppelmoral: "Es entbehrt jeglicher Glaubwürdigkeit, dass sich eine Partei über Untergriffe echauffieren will, deren Parteichef seit seinem Amtsantritt verbal vollkommen außer Kontrolle geraten ist."
Diese Kritik zielt auf das Verhalten der FPÖ ab, die einerseits selbst mit harten Bandagen kämpft, andererseits aber Kritik an ihren eigenen Methoden nicht akzeptieren will.
Der Pilnacek-Untersuchungsausschuss, der eigentlich der Aufklärung dienen sollte, ist nach Hangers Darstellung zu einem politischen Schlachtfeld verkommen. Die ÖVP macht dafür ausschließlich die FPÖ verantwortlich.
"Um der Wahrheit die Ehre zu geben, auch wenn sie den Damen und Herren in den Reihen der FPÖ missfällt: Dass der laufende Untersuchungsausschuss immer mehr zu einer unappetitlichen Schlammschlacht ohne nennenswerten Aufklärungswert verkommt, trägt einzig und alleine die Handschrift der Freiheitlichen", erklärt Hanger unmissverständlich.
Als besonders symbolisch hebt Hanger den von Nationalratspräsident Walter Rosenkranz angeführten "Lokalaugenschein" in Rossatz hervor, bei dem dieser "in Hut und Gummistiefeln" auftrat. Dieser Vorfall wird als Beispiel für die seiner Ansicht nach unwürdige Art der Ausschussführung angeführt.
Die Wortwahl "Schlammschlacht im wahrsten Sinn des Wortes" spielt bewusst auf diesen Lokalaugenschein an und unterstreicht die ÖVP-Kritik an der FPÖ-Vorgehensweise.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Schutz von Polizeibeamten. Hanger betont, dass die ÖVP als "Sicherheitspartei Österreichs" nicht zulassen werde, dass "ehrenvoll und gewissenhaft arbeitende Polizeibeamte zu Kollateralschäden auf dem fanatischen Kreuzzug im Namen abstruser Verschwörungstheorien" werden.
Diese Aussage richtet sich gegen FPÖ-Vorwürfe bezüglich eines angeblichen "tiefen Staates" im Innenministerium. Hanger weist diese Theorien entschieden zurück: "Die FPÖ kann noch so oft einen 'tiefen Staat' im Innenministerium beschwören – wahr wird er deswegen nicht."
Die scharfe Auseinandersetzung zwischen ÖVP und FPÖ spiegelt eine tieferliegende Krise der politischen Kultur in Österreich wider. Der Ton wird rauer, persönliche Angriffe häufen sich, und sachliche Diskussionen weichen zunehmend emotionalen Ausbrüchen.
Hangers Kritik zeigt, wie sehr die politischen Fronten verhärtet sind. Die ÖVP sieht sich offenbar gezwungen, mit ähnlich harten Mitteln zu antworten, wie sie der FPÖ vorwirft, sie zu verwenden.
Experten warnen vor den langfristigen Auswirkungen dieser Entwicklung auf die österreichische Demokratie. Wenn Untersuchungsausschüsse, die eigentlich der parlamentarischen Kontrolle dienen sollen, zu reinen Propagandaveranstaltungen werden, leidet das Vertrauen der Bürger in die politischen Institutionen.
Die gegenseitigen Vorwürfe und persönlichen Angriffe erschweren es zudem, sachliche Lösungen für die Probleme des Landes zu finden. Statt konstruktiver Zusammenarbeit dominiert der Kampf um die mediale Deutungshoheit.
Die FPÖ hat bisher nicht auf Hangers scharfe Kritik reagiert. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Auseinandersetzung weitergehen wird und sich der Ton noch verschärfen könnte.
Für die österreichische Politik bedeutet dies eine weitere Verschlechterung des Gesprächsklimas. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu sachlichen Diskussionen und respektvollem Umgang miteinander schwindet zusehends.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie schwer es geworden ist, in Österreich konstruktive Politik zu betreiben, wenn persönliche Angriffe und Polemik den sachlichen Diskurs überlagern.