Fokussierung auf Kerngeschäft TV und Streaming führt zu Stellenabbau
ProSiebenSat.1 PULS 4 baut 9% der Belegschaft ab und stellt Textangebot ein. Sportredaktion wird in bestehende Redaktionen integriert.
ProSiebenSat.1 PULS 4 setzt ein umfassendes Restrukturierungsprogramm um, das bis zu 45 Arbeitsplätze betrifft. Das entspricht neun Prozent der aktuellen Belegschaft in Österreich. Die Maßnahmen sollen das Unternehmen mittelfristig stabilisieren und langfristig zukunftssicher aufstellen.
Bereits 2025 kündigte der Sender an, das textbasierte Nachrichtenangebot puls24.at in Richtung Streaming zu überführen. Nun wird dieser Schritt konsequent fortgesetzt: Textnachrichten werden deutlich reduziert, um Ressourcen auf das Kerngeschäft Bewegtbild zu konzentrieren.
"Die österreichische Verlagswelt bietet ein sehr breites und gutes Angebot an Text-Information", begründet das Unternehmen die Entscheidung. Daher wolle man die Expertise bewusst auf Bewegtbild fokussieren – sowohl im Informations- als auch im Unterhaltungsbereich.
Sport bleibt zwar eine wichtige Programmsäule von PULS 4, die Sportredaktion wird jedoch organisatorisch neu positioniert. Der Grund: Premium-Sportrechte sind für das private Medienhaus aktuell nicht wirtschaftlich darstellbar.
Die sportredaktionelle Arbeit wird künftig enger mit der tagesaktuellen Redaktion verzahnt. Beliebte Sporthighlights wie US Open, DFL oder Nations League-Spiele bleiben erhalten. Zusätzlich soll das Sportangebot auf der Streamingplattform JOYN ausgebaut werden.
Auch im Produktionsbereich gibt es Veränderungen: Das Format-Portfolio richtet sich stärker nach Sehinteressen aus, wobei der Trend bei Unterhaltung zu Produktionen "off-premise" geht. Bestehende Sendungen werden mehrfach optimiert und synergetisch produziert.
Automation in den Regien und im Studiobetrieb sowie die weitere Digitalisierung bei der Sendungsplanung führen dazu, dass einige bisher erforderliche Stellen wegfallen. Weitere Effizienzmaßnahmen betreffen verschiedene Verwaltungs- und Management-Bereiche, inklusive der Auflösung von Doppelfunktionen.
Thomas Gruber, Co-CEO von ProSiebenSat.1 PULS 4, bezeichnet die Maßnahmen als "schwere, aber notwendige Entscheidung", die das Unternehmen "in Österreich eigenständig und aus unternehmerischer Verantwortung" getroffen habe.
"Wir investieren weiterhin bei den Österreich-Sendern rund 50% der Gesamtkosten ins Programm. Um dafür gegen internationale Anbieter konkurrenzfähig zu bleiben, müssen und werden wir diesen Part noch weiter ausbauen", so Gruber.
Sein Co-CEO Bernhard Albrecht betont die Notwendigkeit politischer Unterstützung: "Um die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Medien nachhaltig abzusichern und zu stärken sind auch entsprechende Regulierungen seitens der Politik erforderlich – insbesondere eine wirksame Regulierung internationaler Digitalplattformen und die Stärkung der Zusammenarbeit des ORF mit privaten Medien."
Trotz der Restrukturierung bleibt ProSiebenSat.1 PULS 4 nach eigenen Angaben Anbieter des breitesten Bewegtbild-Angebots in Österreich. Das Portfolio umfasst vier Österreich-Sender und sieben weitere TV-Sender sowie die Streamingplattform JOYN mit über 130 Live-Sendern und 60 Mediatheken.
Erst im Januar präsentierte das Unternehmen eine Programm-Offensive, die den Fokus auf Qualitätsjournalismus und beliebte Unterhaltung unterstreicht. Die strategischen Prioritäten sind klar definiert: TV & Streaming mit Qualitätsjournalismus, Sicherung des Wachstums im Streaming-Bereich und KI sowie Stärkung der Profitabilität für notwendige Investitionen.
Die Restrukturierung ist eine Reaktion auf die anhaltenden Veränderungen am Medienmarkt. Private Medienunternehmen stehen unter zunehmendem Druck durch internationale Streaming-Anbieter und veränderte Sehgewohnheiten.
Das Effizienz- und Restrukturierungsprogramm soll Produktivität, Stabilität und Agilität sicherstellen. Ziel ist es, die Investitionsfähigkeit zu erhalten und Wachstumsperspektiven zu sichern, ohne die Programmqualität zu beeinträchtigen.
Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden über die weiteren Schritte informiert. Das Unternehmen betont, dass die Entwicklung und Distribution guter Inhalte weiterhin im Fokus stehen wird.