IGGÖ setzt Zeichen für Hoffnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt
Mit Sonnenuntergang beginnt für Österreichs Muslime der heilige Monat Ramadan. Die IGGÖ ruft zu Zuversicht und Dialog auf.
Ab dem heutigen Sonnenuntergang beginnt für die muslimische Gemeinschaft in Österreich der heilige Monat Ramadan. Der erste Fastentag ist somit Donnerstag, der 19. Februar 2026. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) hat für dieses Jahr das Motto "Zeit für Zuversicht" ausgegeben und lädt sowohl die muslimische Gemeinschaft als auch die gesamte Gesellschaft dazu ein, diesen besonderen Monat als Periode der Hoffnung und des Zusammenhalts zu erleben.
Der Ramadan ist einer der wichtigsten Monate im islamischen Kalender und stellt für gläubige Muslime weltweit eine Zeit der spirituellen Einkehr und inneren Reinigung dar. Während dieser 30 Tage fasten Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang - das bedeutet Verzicht auf Essen, Trinken und andere körperliche Bedürfnisse während der Tagesstunden.
Doch der Ramadan beschränkt sich nicht nur auf das Fasten. Er ist vielmehr eine umfassende spirituelle Erfahrung, die Selbstreflexion, erhöhte Achtsamkeit und verstärkte Solidarität mit Bedürftigen umfasst. In dieser Zeit intensivieren Muslime ihre Gebete, widmen sich vermehrt der Koranlesung und engagieren sich besonders für wohltätige Zwecke.
Mit dem diesjährigen Motto "Zeit für Zuversicht" setzt die IGGÖ ein bewusst positives Zeichen in einer Zeit, die von verschiedenen gesellschaftlichen Herausforderungen geprägt ist. IGGÖ-Präsident Ümit Vural erklärt dazu: "Der Ramadan ist nicht nur eine Zeit des Fastens, sondern eine Zeit der inneren Einkehr, der Selbstreflexion und der Verantwortung füreinander. In einer Welt voller Unsicherheit brauchen wir mehr denn je Hoffnung und Vertrauen."
Der Präsident betont dabei, dass Zuversicht eine aktive Haltung sei: "Zuversicht ist eine aktive Haltung, Brücken zu bauen, den Dialog zu fördern und respektvoll miteinander umzugehen. Sie bedeutet, sich nicht von Angst und Polarisierung bestimmen zu lassen, sondern den Glauben an das Gute, den Menschen und an ein friedliches Zusammenleben zu stärken."
Für die etwa 700.000 Muslime in Österreich bedeutet der Ramadan eine Zeit der besonderen spirituellen Intensität. Das Fasten beginnt täglich mit dem Morgengebet (Fajr) vor Sonnenaufgang und endet mit dem Sonnenuntergang beim Fastenbrechen (Iftar). Während der Fastenstunden verzichten die Gläubigen vollständig auf Nahrung und Flüssigkeit.
Die IGGÖ ermutigt die Fastenden ausdrücklich dazu, ihre alltäglichen Verpflichtungen in Beruf, Schule und Familie weiterhin engagiert und verantwortungsvoll wahrzunehmen. Dies unterstreicht, dass der Ramadan nicht als Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben verstanden werden soll, sondern als bewusste Integration spiritueller Werte in den Alltag.
Österreichweit bereiten sich die Moscheegemeinden auf einen Monat voller gemeinschaftlicher Aktivitäten vor. Neben den täglichen Gebeten und dem gemeinsamen Fastenbrechen stehen verschiedene soziale und caritative Initiativen auf dem Programm. Viele Gemeinden öffnen ihre Türen für interreligiöse Begegnungen und laden auch nicht-muslimische Mitbürger zu Informationsveranstaltungen und gemeinsamen Iftars ein.
Diese Öffnung nach außen ist ein wichtiger Bestandteil der Ramadan-Philosophie, da der Monat auch dazu dient, Brücken zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu bauen und das gegenseitige Verständnis zu fördern.
Ein zentraler Aspekt des Ramadan ist die verstärkte Aufmerksamkeit für soziale Gerechtigkeit und Solidarität mit Bedürftigen. Die Zakat, eine der fünf Säulen des Islam, gewinnt während dieser Zeit besondere Bedeutung. Viele muslimische Organisationen und Moscheegemeinden initiieren während des Ramadan spezielle Hilfsprojekte für Bedürftige, sowohl in Österreich als auch international.
Diese soziale Komponente des Ramadan trägt wesentlich zur gesellschaftlichen Integration bei und zeigt, dass religiöse Praxis und gesellschaftliche Verantwortung Hand in Hand gehen können.
Die IGGÖ nutzt den Ramadan traditionell auch als Gelegenheit, den interreligiösen und gesellschaftlichen Dialog zu intensivieren. Das diesjährige Motto "Zeit für Zuversicht" ist dabei besonders auf die Förderung des gegenseitigen Verständnisses und des friedlichen Zusammenlebens ausgerichtet.
Viele Moscheegemeinden planen während des Ramadan Veranstaltungen, die sich gezielt an die Nachbarschaft und die breitere Öffentlichkeit richten. Diese Initiativen sollen dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und ein besseres Verständnis für die muslimische Lebensweise zu schaffen.
Für fastende Muslime in Österreich bringt der Ramadan auch praktische Herausforderungen mit sich. Die Vereinbarkeit von Fasten und beruflichen Verpflichtungen erfordert oft besondere Organisation und Rücksichtnahme von Arbeitgebern und Kollegen. Viele österreichische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Verständnis für die Bedürfnisse ihrer muslimischen Mitarbeiter entwickelt und unterstützen sie während dieser Zeit.
Besonders für Schüler und Studenten bedeutet der Ramadan eine zusätzliche Herausforderung, da sie ihre Leistungsfähigkeit trotz des Fastens aufrechterhalten müssen. Hier ist das Verständnis und die Unterstützung der Bildungseinrichtungen von großer Bedeutung.
Der Ramadan endet traditionell mit dem Fest des Fastenbrechens, dem Eid al-Fitr, auch als Zuckerfest bekannt. Dieses Fest wird von der muslimischen Gemeinschaft in Österreich als wichtiger Feiertag begangen und bietet eine weitere Gelegenheit für gesellschaftliche Begegnungen und den Austausch mit nicht-muslimischen Mitbürgern.
Die IGGÖ lädt bereits jetzt alle Gemeinden dazu ein, diesen gesegneten Monat "mit offenen Herzen, helfenden Händen und einem klaren Bekenntnis zu Mitmenschlichkeit gemeinsam zu gestalten". Mit ihrer Botschaft der Zuversicht möchte die Islamische Glaubensgemeinschaft einen positiven Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Österreich leisten und zeigen, dass religiöse Überzeugung und gesellschaftliche Integration erfolgreich miteinander verbunden werden können.