Der österreichische Wohnungsmarkt steht unter Spannung, und das nicht erst seit gestern. Am 20. August 2025 hat der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) in einer Pressemitteilung auf die wachsende Rechtsunsicherheit hingewiesen, die sowohl Vermieter als auch Mieter gleichermaßen be
Der österreichische Wohnungsmarkt steht unter Spannung, und das nicht erst seit gestern. Am 20. August 2025 hat der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) in einer Pressemitteilung auf die wachsende Rechtsunsicherheit hingewiesen, die sowohl Vermieter als auch Mieter gleichermaßen belastet. Doch was steckt hinter diesen Vorwürfen, und wie wirkt sich das auf den Alltag der Betroffenen aus?
Der ÖVI kritisiert scharf die anhaltende Kampagne der Arbeiterkammer (AK), die mit Einzelfällen und lautstarker medialer Unterstützung private Vermieter unter Generalverdacht stellt. Diese Vorwürfe, die von zu hohen Mieten bis hin zu undurchsichtigen Lagezuschlägen reichen, verzerren laut ÖVI die Realität.
Ein Lagezuschlag ist ein zusätzlicher Betrag, der zur Miete hinzugerechnet wird, wenn das Mietobjekt in einer besonders begehrten Lage liegt. Diese Zuschläge sind in der Regel in städtischen Gebieten höher und spiegeln die Attraktivität des Standorts wider.
Der Geschäftsführer des ÖVI, Anton Holzapfel, weist darauf hin, dass die AK die Gerichte mit Verbandsklagen überflutet, die sich gegen vermeintlich intransparente oder benachteiligende Vertragsklauseln richten. Diese Klagen führen zu einer großen Rechtsunsicherheit, da weder Vermieter noch Mieter und deren Berater auf rechtssichere Mietvertragsklauseln vertrauen können.
Die Unsicherheit auf dem Wohnungsmarkt führt dazu, dass viele Vermieter auf befristete Verträge ausweichen. Diese Maßnahme ist nicht willkürlich, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit, um sich vor den Unsicherheiten zu schützen. Vor dem Hintergrund eines strengen Kündigungsschutzes sind Vermieter ohnehin stark eingeschränkt, da Mietverträge kaum angepasst werden können, selbst wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen drastisch ändern.
Der Kündigungsschutz ist eine gesetzliche Regelung, die Mieter davor schützt, ohne triftigen Grund aus ihrer Wohnung gekündigt zu werden. Diese Regelung bietet Mietern Sicherheit, kann aber für Vermieter problematisch sein, wenn sie ihre Verträge nicht an veränderte Umstände anpassen können.
Zu den steigenden Anforderungen an Vermieter gehören energetische Sanierungspflichten, technische Standards und komplexe Dokumentationspflichten. Diese erhöhten Anforderungen sind teilweise durch politische Eingriffe bedingt, die Wertsicherungen regelmäßig aussetzen, ohne dass Vermieter darauf reagieren können.
Das 30 Jahre alte Richtwertgesetz weist grundlegende Konstruktionsfehler auf, so der ÖVI. Besonders die Diskrepanz zwischen den Richtwerten in verschiedenen Bundesländern wird kritisiert. In der Steiermark ist der Richtwert über 30 % höher als in Wien, was zu erheblichen Ungleichheiten führt.
Das Richtwertgesetz legt fest, wie hoch die Mieten in bestimmten Regionen sein dürfen. Es soll sicherstellen, dass Mieten bezahlbar bleiben, kann jedoch zu Problemen führen, wenn die regionalen Unterschiede zu groß sind.
Die allgemeine Preisentwicklung der letzten Jahre hat diese Probleme verschärft, besonders in Wien, dem Bundesland mit dem höchsten Mieteranteil. Dennoch wird oft übersehen, dass die heute angebotenen Mietwohnungen in der Regel über sehr gute Ausstattungsstandards verfügen. Für einen Richtwert von 6,67 Euro pro Quadratmeter – abzüglich eines Befristungsabschlags von 25 % – ist es wirtschaftlich nicht darstellbar, Gründerzeitgebäude zu sanieren und auf zeitgemäßen technischen Stand zu bringen.
Der ÖVI fordert eine Änderung des Konsumentenschutzgesetzes, um Immobilienverbänden zu ermöglichen, die Zulässigkeit von Vereinbarungen in Musterverträgen gerichtlich feststellen zu lassen. Dies soll in Zukunft Rechtssicherheit für langfristige Verträge schaffen.
Das Konsumentenschutzgesetz schützt die Rechte der Verbraucher und regelt, welche Vereinbarungen in Verträgen zulässig sind. Eine Änderung des Gesetzes könnte mehr Sicherheit für langfristige Mietverträge bieten.
„Wer langfristige Mietverhältnisse will, muss auch langfristige rechtliche Stabilität garantieren“, betont Anton Holzapfel. Die pauschale Skandalisierung privater Vermieter hilft weder den Mietern noch dem Wohnungsmarkt.
Ein Blick über die Grenzen Wiens hinaus zeigt, dass die Probleme nicht überall gleich ausgeprägt sind. In der Steiermark zum Beispiel sind die Richtwerte deutlich höher, was teilweise auf die unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen zurückzuführen ist. In Vorarlberg hingegen sind die Mietpreise durch die Nähe zur Schweiz beeinflusst, was zu anderen Herausforderungen führt.
Für Mieter bedeutet die aktuelle Situation oft Unsicherheit über die Dauer und Kosten ihres Mietverhältnisses. Vermieter hingegen müssen mit der Unberechenbarkeit der Rechtslage umgehen, was zu einem Rückgang von Investitionen in den Wohnungsbestand führen kann.
Die Zukunft des österreichischen Wohnungsmarktes hängt stark von politischen Entscheidungen ab. Eine Reform des Richtwertgesetzes und des Konsumentenschutzgesetzes könnte für mehr Stabilität sorgen. Gleichzeitig müssen jedoch auch die Interessen der Mieter gewahrt bleiben, um sozialen Frieden zu gewährleisten.
Experten sind sich einig, dass nur durch eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren – Vermietern, Mietern, Politik und Verbänden – eine langfristige Lösung gefunden werden kann. „Die Herausforderungen sind groß, aber mit dem richtigen politischen Willen können wir den Wohnungsmarkt stabilisieren“, so ein Experte.
Der vollständige Inhalt der Pressemitteilung kann auf der Website der OTS nachgelesen werden.