Österreichisches Unternehmen setzt Meilenstein in der Kreislaufwirtschaft
Die REPLOID Group AG aus Wels feierte die Eröffnung ihrer ersten ReFarmUnit in Bayern - eine revolutionäre Insektenmastanlage.
Die REPLOID Group AG aus Wels hat einen bedeutenden Meilenstein in der nachhaltigen Landwirtschaft erreicht. Am 2. März 2026 wurde in Burghausen, Bayern, die erste landwirtschaftliche Insektenmastanlage des österreichischen Unternehmens feierlich eröffnet. Diese ReFarmUnit bei der Steinberger ReFarmUnit GmbH markiert den Beginn einer neuen Ära in der Verwertung organischer Reststoffe.
Die Eröffnungsfeier wurde von hochrangigen Politikern begleitet: Hubert Aiwanger, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft und stellvertretender Ministerpräsident, die oberösterreichische Landesrätin Michaela Langer-Weninger, Bürgermeister Florian Schneider und REPLOID-CEO Philip Pauer nahmen gemeinsam die symbolische Inbetriebnahme vor.
Die ReFarmUnit ist eine beeindruckende industrielle Anlage, die auf einer Grundfläche von 24 x 60 Metern untergebracht ist. Täglich verarbeitet sie etwa 40 Tonnen organischer Reststoffe aus Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie - und das mit Hilfe von rund einer halben Milliarde Larven der schwarzen Soldatenfliege.
Diese Larven sind wahre Verwertungskünstler: Sie wandeln die organischen Abfälle in hochwertige tierische Proteine und Fette um. Ihre Ausscheidungen bilden zudem die Basis für den organischen Dünger AgriVio, womit gleich zwei wertvolle Produkte entstehen.
Das Konzept der ReFarmUnit überzeugt durch seinen dezentralen Ansatz. Die modulare und skalierbare Anlage bezieht ihre Rohstoffe aus einem Umkreis von etwa 50 Kilometern, was Transportwege minimiert und die regionale Wertschöpfung stärkt.
"Die Eröffnung der Anlage in Burghausen ist sicherlich ein Meilenstein für uns", erklärt Philip Pauer, Gründer und CEO von REPLOID. "Es war einer dieser Tage, an dem man gesehen hat, was aus viel Arbeit, Ausdauer und Teamgeist entstehen kann. Mittlerweile sind unsere Lösungen weltweit gefragt. Daher arbeiten wir intensiv und getreu unserem Motto 'Forward for Change'."
Die hohe politische Aufmerksamkeit unterstreicht die Bedeutung des Projekts. Staatsminister Aiwanger betonte die Relevanz der Technologie: "Die Insektenmastanlage packt ein zentrales Grundproblem unserer Landwirtschaft an." Er verwies auf die Problematik der Ressourcenknappheit und Preisschwankungen bei gleichzeitig 88 Millionen Tonnen jährlich weggeworfener Lebensmittel.
"Wenn Lebensmittelabfälle, Pflanzen oder Schlachtabfälle plötzlich wieder eine wirtschaftlich sinnvolle Verwertung erfahren und sogar zusätzliche Einnahmen ermöglichen, eröffnet das der Landwirtschaft neue Perspektiven", so Aiwanger weiter.
Als Zeichen der Anerkennung überreichte Staatsminister Aiwanger dem Hauptgesellschafter der Steinberger ReFarmUnit, Simon Steinberger, eine Förderurkunde über 880.000 Euro. Die Förderung erfolgt im Rahmen des Programms BayBioökonomie-Scale-UP, das Teil der bayerischen Bioökonomiestrategie "Zukunft.Bioökonomie.Bayern." ist.
Diese Strategie zielt darauf ab, biologische Ressourcen effizient im Kreislauf zu halten, fossile Rohstoffe zu ersetzen und nachhaltige, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken.
Landesrätin Michaela Langer-Weninger zeigte sich stolz auf die österreichische Innovation: "Die Landwirtschaft verfügt über jahrhundertealtes Wissen über Kreisläufe – es gilt nun, dieses Wissen mit modernen Ansätzen zu verbinden und so gemeinsam eine resiliente, ressourcenschonende Zukunft zu gestalten."
Sie hob besonders hervor, dass diese innovative Idee nicht nur aus Österreich, sondern speziell aus Oberösterreich stamme: "Wir sind nicht nur der Industriemotor Österreichs, sondern auch das Agrarbundesland Nummer eins."
Bürgermeister Florian Schneider sieht in der ReFarmUnit ein "neues Kapitel moderner Landwirtschaft": "Hier wird aus regionalen Reststoffen ein hochwertiger Rohstoff für internationale Märkte. Dass ein landwirtschaftlicher Familienbetrieb diesen Schritt geht, verdient großen Respekt."
Er betonte, dass solche Projekte zeigten, "dass nachhaltige Landwirtschaft, wirtschaftlicher Erfolg und technologische Entwicklung Hand in Hand gehen können."
Die REPLOID Group AG hat ein durchdachtes Geschäftsmodell entwickelt. Das Unternehmen errichtet und serviciert modulare Mastanlagen für seine Kunden. Die gelieferten Junglarven der Schwarzen Soldatenfliege erhalten eine standortspezifisch abgestimmte Futtermischung, die auf Basis eigener Forschung und Entwicklung aus regionalen Lebensmittelresten zusammengestellt wird.
Nach der Mast haben die Kunden verschiedene Optionen: Sie können die Larven und deren Nebenprodukte selbst nutzen oder REPLOID übernimmt sie zur zentralen Vermarktung oder Weiterverarbeitung. Die Mastlarven werden entweder direkt oder weiterverarbeitet zu Proteinen und Fetten an die Tierfuttermittelindustrie verkauft.
Ein weiterer wichtiger Baustein des Geschäftsmodells ist die Herstellung von organischem Premiumdünger aus den Nebenprodukten der Insektenmast, dem sogenannten Insektenfrass. Damit schließt sich der Kreislauf vollständig.
REPLOID bietet somit eine ökonomisch attraktive Lösung für die Kreislaufwirtschaft. Lebensmittelreststoffe und ungenutzte Lebensmittel werden effizient verwertet, was zentrale Ressourcen nachhaltig schont.
Die REPLOID Group AG wurde 2020 gegründet und hat ihren Sitz in Wels, Oberösterreich. Das global ausgerichtete Unternehmen ist seit Juli 2025 im Segment direct market plus der Wiener Börse notiert (Kürzel: HRX5) und beschäftigt bereits mehr als 100 Mitarbeiter.
Die Eröffnung der ersten ReFarmUnit in Burghausen markiert einen wichtigen Schritt in der Expansion des Unternehmens und zeigt das Potenzial österreichischer Innovationen im Bereich der nachhaltigen Landwirtschaft und Kreislaufwirtschaft.
Mit dem erfolgreichen Start der ersten ReFarmUnit hat REPLOID den Beweis erbracht, dass ihre Technologie praxistauglich ist und sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile bietet. Die weltweite Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen in der Landwirtschaft und der stetig wachsende Bedarf an alternativen Proteinquellen sprechen für eine vielversprechende Zukunft des Unternehmens.
Die Kombination aus österreichischer Innovation, bayerischer Förderung und lokaler Umsetzung zeigt beispielhaft, wie grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu nachhaltigen Lösungen führen kann. Die ReFarmUnit in Burghausen könnte zum Modell für weitere Anlagen in Europa und darüber hinaus werden.