Die Diskussion um die Einführung einer 4-Tage-Woche in Österreich hat in den letzten Jahren immer mehr an Fahrt aufgenommen. Doch was steckt wirklich hinter diesem Arbeitszeitmodell, das sowohl Befürworter als auch Kritiker auf den Plan ruft? Eine aktuelle Studie der Webster University Vienna bringt
Die Diskussion um die Einführung einer 4-Tage-Woche in Österreich hat in den letzten Jahren immer mehr an Fahrt aufgenommen. Doch was steckt wirklich hinter diesem Arbeitszeitmodell, das sowohl Befürworter als auch Kritiker auf den Plan ruft? Eine aktuelle Studie der Webster University Vienna bringt nun Licht ins Dunkel und zeigt, welche Auswirkungen eine komprimierte 4-Tage-Woche auf die Arbeits- und Lebenszufriedenheit der Beschäftigten hat.
Bei der komprimierten 4-Tage-Woche handelt es sich um ein Arbeitszeitmodell, bei dem die reguläre Wochenarbeitszeit nicht verkürzt, sondern auf vier Arbeitstage verteilt wird. Dies bedeutet, dass Arbeitnehmer an diesen Tagen länger arbeiten, um einen freien Tag zu gewinnen. In der Praxis kann dies beispielsweise bedeuten, dass Beschäftigte an vier Tagen jeweils neun bis zehn Stunden arbeiten, um dann ein verlängertes Wochenende von Freitag bis Sonntag genießen zu können.
Die Studie der Webster University Vienna, durchgeführt von Eva Zedlacher und Martina Hartner-Tiefenthaler, zeigt, dass die meisten Arbeitnehmer mit diesem Modell sehr zufrieden sind. Die befragten Personen aus über 20 Betrieben in Niederösterreich und Wien berichteten von einer gesteigerten Arbeits- und Lebenszufriedenheit. Besonders der zusätzliche freie Tag wird als großer Gewinn für das Privatleben wahrgenommen. Viele Beschäftigte fühlen sich durch die Vorteile der komprimierten Woche ihrem Unternehmen stärker verpflichtet, was sich positiv auf ihre Motivation und Identifikation mit dem Arbeitgeber auswirkt.
Trotz der positiven Rückmeldungen gibt es auch Herausforderungen, die mit der komprimierten 4-Tage-Woche einhergehen. Besonders in männerdominierten Betrieben, in denen viele Beschäftigte familiäre Betreuungspflichten haben, kann der längere Arbeitstag problematisch sein. Die Studie zeigt, dass vor allem Väter Schwierigkeiten haben, den längeren Arbeitstag mit ihren familiären Verpflichtungen zu vereinbaren. Dies führt oft dazu, dass Aufgaben wie Kinderbetreuung oder Haushaltsarbeiten an die Partnerin delegiert werden, was die Gleichberechtigung in der Familie gefährden kann.
Jana Mikats, Co-Autorin der Studie, betont, dass die komprimierte Arbeitswoche vor allem für Alleinerziehende eine große Herausforderung darstellt. Der längere Arbeitstag lässt ihnen kaum Zeit für eigene Aktivitäten oder die Betreuung ihrer Kinder. Die Forscherinnen sind sich einig, dass eine Verkürzung der Vollzeit-Wochenstunden ein wichtiger Schritt zur Förderung der Gleichberechtigung in Familien wäre.
Einige Unternehmen in Österreich haben die komprimierte 4-Tage-Woche bereits erfolgreich eingeführt. Zu den Vorreitern gehören unter anderem Metalltechnik Fuchs, Betonwerke Seidl und das Bauunternehmen HANDLER. Diese Betriebe berichten von einer hohen Zufriedenheit unter den Beschäftigten und empfehlen eine Testphase sowie die Einbeziehung aller Beteiligten, bevor das Modell endgültig umgesetzt wird.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Flexibilität, die einigen Betrieben ermöglicht, ihren Mitarbeitern bei Bedarf die Rückkehr zur klassischen 5-Tage-Woche zu gestatten. Diese Möglichkeit wird von Unternehmen wie z+p Ziviltechniker GmbH und kppConsultING angeboten und trägt zur hohen Akzeptanz des Modells bei.
Die Forscherinnen der Webster University Vienna planen bereits ein Anschlussprojekt, das sich mit der Verkürzung der Standard-Wochenarbeitszeit um mindestens vier Stunden beschäftigt. Unternehmen, die an diesem Projekt teilnehmen, erhalten wissenschaftliche Begleitung und Unterstützung bei der Umsetzung einer kürzeren Arbeitswoche. Ziel ist es, die Auswirkungen einer solchen Reduktion auf die Arbeits- und Lebenszufriedenheit der Beschäftigten zu untersuchen und neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Die Diskussion um die 4-Tage-Woche ist in vollem Gange und verspricht, auch in Zukunft ein heißes Thema zu bleiben. Die Ergebnisse der aktuellen Studie liefern jedoch wichtige Impulse für Unternehmen, die über die Einführung dieses Modells nachdenken. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Arbeitswelt in Österreich weiterentwickeln wird und ob die 4-Tage-Woche tatsächlich zum neuen Standard wird.