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OTS-Meldung#FÜHLSKOMPLETT/Out-of-Home-Installation/Bild/Veranstaltung/Werbung/Vermischtes/Getränke/Musik

Revolution in der Werbung: Erstes fühlbares Plakat Deutschlands

23. März 2026 um 11:40
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In Berlin ereignete sich am 20. und 21. März 2026 etwas völlig Neuartiges: Passanten konnten erstmals in Deutschland ein Werbeplakat nicht nur sehen, sondern auch körperlich spüren. Der Energy-Drin...

In Berlin ereignete sich am 20. und 21. März 2026 etwas völlig Neuartiges: Passanten konnten erstmals in Deutschland ein Werbeplakat nicht nur sehen, sondern auch körperlich spüren. Der Energy-Drink-Hersteller Rockstar Energy verwandelte mit einer bahnbrechenden Technologie ein gewöhnliches Billboard in ein multisensorisches Erlebnis, das Musik durch intensive Vibrationen erfahrbar machte. Diese Innovation markiert einen Wendepunkt in der Out-of-Home-Werbung und zeigt neue Wege auf, wie Marken in einer überdigitalisierten Welt wieder physische Berührungspunkte schaffen können.

Technologische Innovation trifft auf kreatives Marketing

Das Konzept des "fühlbaren Plakats" basiert auf einer besonderen Technologie, die Musikfrequenzen in spürbare Vibrationen umwandelt. Dabei kommen elf speziell entwickelte Module zum Einsatz, die in die Billboard-Konstruktion integriert wurden. Diese Module bündeln die Energie gezielt so, dass sie vor dem Plakat intensiv wahrnehmbar sind, ohne als herkömmlicher Schall gehört zu werden.

Die technische Umsetzung erforderte präzise Abstimmung verschiedener Komponenten: Die Musik wurde bewusst so aufgebaut, dass ihre Energie im tieffrequenten Bereich wirkt. Dadurch wird der menschliche Körper zum Resonanzraum und die Musik geht buchstäblich "unter die Haut". Jakob Müller, Gründer des Design Studios bjm, erklärt das Prinzip: "Entscheidend war, die Energie so zu bündeln, dass sie vor dem Billboard intensiv spürbar ist, ohne als klassischer Sound wahrgenommen zu werden, quasi wie ein Werbeplakat mit Puls."

Die Rolle der Frequenzen und Vibrationen

Tieffrequente Töne, auch Infraschall genannt, liegen unterhalb der normalen Hörgrenze des Menschen von etwa 20 Hertz. Diese Frequenzen können jedoch über den Tastsinn wahrgenommen werden und erzeugen körperliche Empfindungen. In der Musik werden solche Frequenzen beispielsweise bei Bass-Drums oder Synthesizer-Bässen eingesetzt, um emotionale Wirkung zu erzielen. Das Berliner Billboard nutzte diese physikalischen Eigenschaften gezielt, um ein völlig neues Werbeerlebnis zu schaffen.

Die Vibrationstechnologie ist nicht grundlegend neu – sie wird bereits in Gaming-Controllern, Smartphones oder Kinosälen verwendet. Die Innovation liegt in der Anwendung auf Außenwerbung und der gezielten Transformation von Musik in fühlbare Impulse. Dabei mussten die Entwickler sicherstellen, dass die Vibrationen stark genug sind, um wahrgenommen zu werden, aber nicht so intensiv, dass sie als störend empfunden werden.

Gegenbewegung zur digitalen Überreizung

Die Kampagne "#FÜHLSKOMPLETT" positioniert sich bewusst als Antwort auf die digitale Dauerpräsenz im Alltag. Aktuelle Studien des VAUNET – Verband Privater Medien zeigen, dass Menschen in Deutschland täglich fast elf Stunden Medien konsumieren, davon über 9,5 Stunden für Audio- und audiovisuelle Inhalte. Diese Zahlen verdeutlichen die massive Digitalisierung des Medienkonsums.

"In einer überdigitalen Welt haben wir etwas Physisches geschaffen, das man nur live erleben kann", erklärt Roman Jonsson, Head of Creation bei der Kommunikationsagentur Faktor 3 AG. "Wer den Beat spüren will, muss da sein – das ist unsere Rebellion gegen digitale Austauschbarkeit." Diese Philosophie spiegelt einen wachsenden Trend wider: Marken suchen nach authentischen, nicht-digitalen Berührungspunkten zu ihren Zielgruppen.

Exklusivität als Marketingstrategie

Das Billboard sendete bewusst keine normal hörbare Musik aus. Besucher mussten physisch anwesend sein, um das Erlebnis zu haben – ein krasser Gegensatz zur allgegenwärtigen Verfügbarkeit digitaler Inhalte. Diese bewusste Verknappung schafft Exklusivität und macht das Erlebnis zu einem besonderen Ereignis. Wer wissen wollte, welches Genre gerade gespielt wurde, musste vor Ort sein und es buchstäblich "erfühlen".

Diese Strategie der künstlichen Verknappung kennt man aus der Mode- oder Kunstbranche, wo limitierte Editionen oder exklusive Events besondere Begehrlichkeit erzeugen. Im Marketing wird dies als "FOMO" (Fear of Missing Out) bezeichnet – die Angst, etwas Besonderes zu verpassen. Das fühlbare Plakat nutzt diesen psychologischen Effekt geschickt aus.

Barrierefreiheit durch alternative Wahrnehmung

Ein bedeutsamer Nebeneffekt des Projekts ist die Schaffung eines alternativen Zugangs zur Musik. Durch die körperliche Wahrnehmung über Vibrationen wird Musik unabhängig vom Hörsinn erlebbar. Dies eröffnet Menschen mit Hörbeeinträchtigungen neue Möglichkeiten, musikalische Inhalte zu erfahren.

In der Gehörlosen-Community ist die Wahrnehmung von Musik über Vibrationen bereits etabliert. Viele gehörlose Menschen "hören" Musik über die Haut, indem sie sich an Lautsprecher lehnen oder spezielle vibrierende Geräte verwenden. Das Berliner Billboard macht diese Form der Musikwahrnehmung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich und sensibilisiert für alternative Sinneserfahrungen.

Experten für Barrierefreiheit sehen in solchen Projekten wichtige Impulse für inklusiveres Design. Wenn Werbung und Kunst verschiedene Sinneskanäle ansprechen, werden sie automatisch zugänglicher für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten.

Die Kampagne im Detail: Musik im Blut

Das fühlbare Plakat bildet den Höhepunkt der Kampagne "Musik im Blut" – der bislang größten DACH-Kampagne für Rockstar Energy. Als Gesicht der Kampagne fungiert der deutsche Rapper SSIO, der für seinen authentischen Stil und seine Bodenständigkeit bekannt ist. Die Zusammenarbeit mit SSIO unterstreicht die Glaubwürdigkeit der Botschaft, dass Musik mehr als nur ein Genre ist – sie ist ein Gefühl.

Sofia Kulcke-de Beauclair, Brand Managerin bei PepsiCo Deutschland, erklärt die strategische Ausrichtung: "Der Stunt ist Teil unserer ‚Musik im Blut'-Kampagne. Mit SSIO zeigen wir, dass Musik mehr ist als ein Genre, sie ist ein Gefühl. Das Billboard übersetzt diese Haltung in die analoge Welt: Musik wird dadurch greifbar, erlebbar und überraschend persönlich."

Gamification und Interaktion

Das Erlebnis ging über das reine Spüren hinaus: Besucher konnten aktiv teilnehmen, indem sie das Genre des gespielten Tracks erraten mussten. Zur Auswahl standen EDM, Oldies und als "Easter Egg" ein Rap-Track von SSIO mit dem Titel "Alles oder Nix". Diese spielerische Komponente verstärkte das Engagement und verwandelte passive Werberezipienten in aktive Teilnehmer.

Als Belohnung winkten attraktive Preise: Meet & Greet mit SSIO sowie Tickets für sein Konzert am 27. März im Berliner Velodrom. Diese Preise schaffen eine direkte Verbindung zwischen dem Werbeerlebnis und einem echten musikalischen Event, wodurch die Kampagne authentisch mit der Musikwelt verknüpft wird.

Kreative Köpfe hinter der Innovation

Die Realisierung des Projekts erforderte die Expertise verschiedener Spezialisten. Die Kommunikationsagentur Faktor 3 AG entwickelte die Grundidee und koordinierte die Umsetzung. Das Unternehmen ist bekannt für außergewöhnliche PR-Stunts und innovative Werbeformen, die über klassische Ansätze hinausgehen.

Für den passenden Sound sorgte die auf Musik spezialisierte Kreativagentur blut.agency. Michael Robb, Head of Audio Production & Managing Director, beschreibt den Prozess: "Wir haben die Songs gezielt so aufgebaut, dass ihre Energie im tieffrequenten Bereich wirkt. Das Billboard übersetzt Musik in physische Impulse – der Körper wird zum Resonanzraum."

Die technische Konstruktion lag in den Händen des Design Studios bjm. Das Team um Gründer Jakob Müller entwickelte die komplexe Modulstruktur, die präzise Vibrationsübertragung ermöglicht, ohne dabei störende Nebeneffekte zu erzeugen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor

Der Erfolg des Projekts zeigt die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit in modernen Werbekampagnen. Marketingexperten, Audiotechniker, Designer und Konstrukteure mussten eng zusammenarbeiten, um das komplexe Vorhaben zu realisieren. Diese Art der Kooperation wird in der Werbebranche immer wichtiger, da sich Kampagnen zunehmend von traditionellen Formaten lösen.

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung von analoger Erfahrung und digitaler Technologie. Während das Erlebnis selbst vollkommen physisch ist, basiert es auf modernster Technik und wird durch digitale Kanäle beworben und dokumentiert.

Auswirkungen auf die Werbebranche

Das fühlbare Plakat könnte einen Paradigmenwechsel in der Out-of-Home-Werbung einleiten. In einer Zeit, in der digitale Werbung zunehmend ignoriert wird und Ad-Blocker weit verbreitet sind, suchen Marketer nach neuen Wegen, Aufmerksamkeit zu generieren. Multisensorische Erlebnisse bieten hier vielversprechende Ansätze.

Experten sehen in dem Berliner Experiment einen Vorgeschmack auf die Zukunft der Außenwerbung. Statt statischer Plakate könnten interaktive, sensorische Installationen zum Standard werden. Dies würde nicht nur die Aufmerksamkeit steigern, sondern auch messbare Interaktionen ermöglichen – ein wichtiger Vorteil gegenüber traditioneller Plakatwerbung.

Gleichzeitig stellt diese Entwicklung die Branche vor neue Herausforderungen: Höhere Kosten, komplexere Technik und strengere Genehmigungsverfahren könnten den Einsatz solcher Installationen begrenzen. Zudem müssen rechtliche Aspekte wie Lärmschutz und öffentliche Sicherheit berücksichtigt werden.

Internationale Perspektive

International gibt es bereits ähnliche Ansätze: In Japan experimentieren Werbetreibende mit duftenden Plakaten, in den USA werden holografische Displays getestet. Die Berliner Installation reiht sich in diesen Trend ein, setzt aber mit der Vibrationstechnologie neue Akzente.

Besonders in asiatischen Märkten, wo technologische Innovation hoch geschätzt wird, könnten solche Ansätze schnell Verbreitung finden. In Europa hingegen könnten strengere Regulierungen und Datenschutzbestimmungen die Entwicklung verlangsamen.

Die größere Kampagne: 360°-Aktivierung

Das fühlbare Plakat ist nur ein Baustein einer umfassenden 360°-Kampagne, die von März bis Juni 2026 läuft. Kernstück ist eine On-Pack-Promotion mit sechs neuen Limited Editions der Rockstar Energy Dosen. Kunden können durch den Kauf von Aktionsdosen mit goldener Lasche an einem Gewinnspiel teilnehmen.

Die Hauptpreise sind zehn Musikreisen im Wert von jeweils 10.000 Euro zu ikonischen Musikdestinationen: New York für Rap-Fans, Seoul für Pop-Enthusiasten oder Ibiza für EDM-Liebhaber. Diese Destinationen sind bewusst gewählt und spiegeln die globalen Zentren verschiedener Musikgenres wider. Zusätzlich werden Konzerttickets für internationale Stars wie Pitbull und OneRepublic sowie Rockstar-JBL Speaker verlost.

Langfristige Markenstrategie

Die Kampagne zeigt Rockstar Energys Positionierung als Musik-affine Marke. Während Konkurrenten oft auf Sport setzen, hat sich Rockstar Energy bewusst für die Musik als Differenzierungsmerkmal entschieden. Diese Strategie ist besonders in der jungen Zielgruppe erfolgreich, da Musik ein zentraler Bestandteil der Identitätsbildung ist.

Die Verbindung verschiedener Musikgenres in einer Kampagne zeigt zudem Offenheit und Inklusivität – Werte, die bei der Generation Z hoch im Kurs stehen. Statt sich auf ein Genre zu fokussieren, celebriert die Marke die Vielfalt der Musiklandschaft.

Zukunftsperspektiven und Trends

Das Berliner Experiment könnte den Grundstein für eine neue Ära der sensorischen Werbung legen. Technologische Fortschritte in Bereichen wie Augmented Reality, haptischem Feedback und KI-gesteuerten Installationen eröffnen völlig neue Möglichkeiten für Markenerlebnisse.

Experten prognostizieren, dass sich die Werbebranche verstärkt auf emotionale und sensorische Erlebnisse konzentrieren wird. In einer Welt der digitalen Überflutung gewinnen authentische, physische Berührungspunkte an Bedeutung. Das fühlbare Plakat zeigt exemplarisch, wie Marken diese Sehnsucht nach echten Erfahrungen bedienen können.

Gleichzeitig entstehen neue ethische Fragen: Wie weit darf sensorische Werbung gehen? Welche Auswirkungen haben intensive Sinneserfahrungen auf die öffentliche Wahrnehmung? Die Branche wird Standards entwickeln müssen, die Innovation ermöglichen, ohne Menschen zu überfordern oder zu manipulieren.

Das Berliner Projekt von Rockstar Energy wird als Meilenstein in die Werbegeschichte eingehen – als Moment, in dem Werbung buchstäblich eine neue Dimension gewann. Es zeigt, dass auch in einer digitalisierten Welt die Macht physischer Erlebnisse ungebrochen ist. Vielleicht ist dies der Beginn einer Renaissance des analogen Marketings, bei dem Berühren wieder wichtiger wird als Klicken.

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