Der Feuerfest-Weltmarktführer zeigt operative Stärke in herausforderndem Umfeld
RHI Magnesita erreicht 2025 trotz Preisdruck und schwacher Nachfrage eine bereinigte EBITA-Marge von 11,1% und starke Cashgenerierung.
Der österreichisch-britische Feuerfest-Konzern RHI Magnesita hat für das Geschäftsjahr 2025 robuste Ergebnisse vorgelegt, die den Erwartungen entsprechen. Trotz eines schwierigen Marktumfelds mit anhaltend verhaltener Industrienachfrage und steigendem Preisdruck gelang es dem Weltmarktführer, seine Position durch disziplinierte Umsetzung von Kostensenkungsmaßnahmen zu stabilisieren.
Das bereinigte EBITA erreichte 373 Millionen Euro bei einer Marge von 11,1 Prozent, was gegenüber dem Vorjahr (11,7 Prozent) einen leichten Rückgang bedeutete. Der Umsatz belief sich auf 3,4 Milliarden Euro und lag damit um drei Prozent unter dem Vorjahreswert. Währungsbereinigt betrug der Rückgang lediglich ein Prozent, während das Absatzvolumen um zwei Prozent sank.
Der bereinigte Gewinn pro Aktie verringerte sich von 5,32 Euro auf 4,18 Euro. Positiv entwickelte sich hingegen die Cashgenerierung: Mit einer Cash Conversion von 105 Prozent und einem freien Cashflow von 214 Millionen Euro zeigte das Unternehmen seine finanzielle Stärke.
Die Nettoverschuldung stieg nach der Resco-Akquisition im Wert von 391 Millionen Euro auf 1,5 Milliarden Euro. Der Verschuldungsgrad lag zum Jahresende bei 2,9x Nettoverschuldung zu bereinigtem EBITDA und übertraf damit die Prognose von 3,0x.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor waren die strukturellen Kostensenkungsmaßnahmen, die RHI Magnesita 2025 umsetzte. Diese Selbsthilfeinitiativen kompensieren laut Unternehmensangaben schwächere Preise und Fixkostenunterdeckung weitgehend. Die Maßnahmen seien struktureller Natur und würden nachhaltige Einsparungen bringen, die über temporäre Kostenreduktionen hinausgehen.
Besonders erfolgreich entwickelte sich das Nordamerika-Geschäft mit einem Umsatzplus von 22 Prozent auf 863 Millionen Euro. Die im Januar 2025 abgeschlossene Akquisition von Resco trug in elf Monaten 184 Millionen Euro zum Umsatz und 25 Millionen Euro zum bereinigten EBITA bei. Die Integration verläuft plangemäß und stärkt die "Local-for-local"-Strategie des Unternehmens am strategisch wichtigen US-Markt.
Ein wichtiger Baustein der Geschäftsentwicklung war 2025 der Roll-out des 4PRO-Geschäftsmodells. RHI Magnesita erneuerte langfristige Verträge mit Schlüsselkunden und sicherte sich vier neue Green-Steel-Verträge. Gleichzeitig wurde 4PRO erfolgreich auf Industrial-Segmente ausgeweitet.
Das Modell bündelt Prozessoptimierung, Kreislaufwirtschaft, Technologie und kundenorientierte Serviceleistungen zu einem einzigartigen Angebot. Dadurch stärkt es die Kundenbindung, unterstützt wertorientierte Preisgestaltung und verbessert die Vertragstransparenz.
Im Bereich Nachhaltigkeit erzielte RHI Magnesita bedeutende Fortschritte. Mit einer Recyclingquote von 15,9 Prozent übertraf das Unternehmen sowohl den Vorjahreswert (14,2 Prozent) als auch das globale Ziel von 15 Prozent. Recycling trägt dazu bei, resilientere Margen zu erzielen, Rohstoffabhängigkeiten zu senken und CO₂-Emissionen zu reduzieren.
Diese Nachhaltigkeitsfortschritte stellen ein wichtiges Differenzierungsmerkmal dar, da Kunden in schwer dekarbonisierbaren Sektoren nach Lösungen zur Reduktion ihrer CO₂-Emissionen suchen.
Das Geschäftsjahr 2025 war geprägt von einem schwierigen Marktumfeld. Die weltweite Industrienachfrage blieb verhalten, chinesische Exporte stiegen an und das Preisumfeld erwies sich als schwach. Besonders die Stahlmärkte, ein wichtiger Abnehmer für Feuerfestprodukte, befanden sich auf einem konjunkturellen Tiefstand.
Trotz dieser Herausforderungen gelang es RHI Magnesita durch disziplinierte Umsetzung der Managementmaßnahmen und eine starke Entwicklung im zweiten Halbjahr, die Erwartungen zu erfüllen.
Für 2026 rechnet RHI Magnesita weiterhin mit herausfordernden Marktbedingungen. In den Auftragsbüchern zeichnet sich kurzfristig keine Nachfrageerholung ab. Der Fokus liegt daher auf der Annualisierung struktureller Kosteneinsparungen und Synergien aus der Resco-Akquisition.
Zentrale Ziele sind eine anhaltend starke Cashgenerierung, der weitere Abbau der Nettoverschuldung und eine Reduktion des Verschuldungsgrads auf 2,6x bis zum Jahresende. Durch Regionalisierung, operative Effizienz und weitere Fortschritte bei Recycling will das Unternehmen seine Position stärken.
CEO Stefan Borgas äußerte sich optimistisch zu den Ergebnissen: "Mit unseren entschlossenen Turnaroundmaßnahmen ist es uns gelungen, im zweiten Halbjahr eine starke und nachhaltige Steigerung unserer Geschäftsentwicklung zu erzielen, und das in einem äußerst herausfordernden Marktumfeld."
Er betonte, dass neben dem operativen Turnaround auch wichtige strategische Fortschritte realisiert wurden. Die Resco-Integration sei auf Kurs, Recyclingquoten in fast allen Regionen gestiegen und die digitale Transformation schreite gut voran.
RHI Magnesita ist der Weltmarktführer bei hochwertigen Feuerfestprodukten, -systemen und -serviceleistungen für industrielle Hochtemperaturprozesse über 1.200 Grad Celsius. Das Unternehmen bedient Kunden in den Branchen Stahl, Zement, Nichteisenmetalle und Glas.
Mit rund 20.000 Mitarbeitern an 76 Hauptproduktionsstandorten, 16 Rohstoffstandorten und mehr als 70 Vertriebsniederlassungen ist RHI Magnesita global präsent. Die Aktie notiert an der Londoner Börse im FTSE 250 Index und hat eine Zweitnotierung an der Wiener Börse.
Trotz der anhaltenden Marktherausforderungen zeigt sich RHI Magnesita gut positioniert für eine mögliche Markterholung, bei der das Unternehmen über eine signifikante operative Hebelwirkung verfügt.