In einer dramatischen Pressekonferenz im „Haus der Menschlichkeit“ in Baden hat das Österreichische Rote Kreuz eine eindringliche Warnung ausgesprochen: Die Armut in Österreich nimmt zu, und die Menschlichkeit droht auf der Strecke zu bleiben. Diese besorgniserregende Entwicklung wurde von Gerald Sc
In einer dramatischen Pressekonferenz im „Haus der Menschlichkeit“ in Baden hat das Österreichische Rote Kreuz eine eindringliche Warnung ausgesprochen: Die Armut in Österreich nimmt zu, und die Menschlichkeit droht auf der Strecke zu bleiben. Diese besorgniserregende Entwicklung wurde von Gerald Schöpfer, dem Präsidenten des Österreichischen Roten Kreuzes, hervorgehoben. Er betonte, dass die Zahl der Abholungen an der Team Österreich Tafel von 600.000 im Jahr 2010 auf 1,1 Millionen jährlich gestiegen ist. Diese alarmierenden Zahlen verdeutlichen, dass die Notlage der Menschen zunimmt.
Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, fügte hinzu, dass Armut in Österreich kein Randthema ist. Trotz des Wohlstands des Landes sind viele Menschen auf Hilfe angewiesen. Opriesnig betonte die Bedeutung internationaler Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere angesichts der über 130 bewaffneten Konflikte weltweit und der zunehmenden Katastrophen durch den Klimawandel.
Das Rote Kreuz ist ein universales Zeichen der Hoffnung für Menschen in Not, sei es regional, national oder global. Opriesnig forderte die heimische Politik auf, ein klares Bekenntnis zur internationalen Hilfe abzugeben und geplante Kürzungen zu überdenken. Diese Kürzungen wären besonders schmerzhaft für die Betroffenen, die auf diese Hilfe angewiesen sind.
Astrid Kepplinger-Past, Abteilungsleiterin Unterstützung in Sozialen Notlagen beim Roten Kreuz Niederösterreich, berichtete von den aktuellen Entwicklungen in ihrer Region. Besonders bewegend ist die Tatsache, dass 42 % der Menschen, die in Niederösterreich von der Team Österreich Tafel versorgt werden, Kinder sind. Diese Zahl unterstreicht die Dringlichkeit der Situation.
Die Individuelle Spontanhilfe in Niederösterreich zeigt ebenfalls ein deutliches Bild: 2024 wurden 569 Anträge bearbeitet, ein Anstieg von 33 % gegenüber 2023. Besonders betroffen sind alleinstehende Frauen und Alleinerziehende.
Das Rote Kreuz arbeitet intensiv daran, Kindern einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen. Neben der Versorgung mit Lebensmitteln bietet das Rote Kreuz auch Lernförderangebote an, die derzeit von 8.587 Kindern in Niederösterreich genutzt werden. Diese Angebote sollen den Kindern Interesse an Bildung vermitteln und ihnen helfen, den Anschluss an das Bildungssystem zu finden.
Das Österreichische Rote Kreuz bietet eine Vielzahl von Hilfsangeboten für Menschen in sozialen Notlagen an. Dazu gehören Sozialbegleiter, Sozialläden, Lernhäuser und kostengünstige Einkaufsmöglichkeiten in den 33 Henry Läden. Ein besonderes Projekt ist die Team Österreich Tafel, die in Zusammenarbeit mit Hitradio Ö3 kostenlose Lebensmittel bereitstellt.
International ist das Rote Kreuz sowohl in der Katastrophenhilfe als auch in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv. Langfristige Schwerpunkte liegen in Ostafrika, Südost- und Osteuropa, im Südkaukasus und dem Nahen Osten. Akute Katastrophenhilfe wurde 2024 unter anderem in Gaza und im Sudan geleistet.
Präsident Schöpfer hob die unermüdliche Arbeit der 80.000 Freiwilligen und mehr als 10.000 hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Roten Kreuzes hervor. Sie sind an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr im Einsatz, sei es im Rettungsdienst, im Blutspendewesen oder in den Gesundheits- und Sozialen Diensten.
Die Menschen in Österreich können sich auf das Rote Kreuz verlassen. Wenn sie Hilfe benötigen, sind die Helferinnen und Helfer zur Stelle. Diese Botschaft der Verlässlichkeit und Menschlichkeit ist das Herzstück der Arbeit des Roten Kreuzes.
Die Herausforderungen, vor denen das Rote Kreuz steht, sind enorm. Die Organisation wird weiterhin auf die Unterstützung der Politik und der Öffentlichkeit angewiesen sein, um ihre wichtige Arbeit fortsetzen zu können. Die Zukunft wird von der Fähigkeit abhängen, flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren und gleichzeitig die bestehenden Programme zu stärken.
Das Rote Kreuz appelliert an die Menschlichkeit jedes Einzelnen. In einer Welt, die zunehmend von Konflikten und Katastrophen geprägt ist, bleibt die Hilfe für die Schwächsten eine der wichtigsten Aufgaben. Die Menschlichkeit darf nicht auf der Strecke bleiben – weder in Österreich noch anderswo auf der Welt.