Am 3. Februar 2026 verkündete das österreichische Umweltministerium die Einstellung der Förderung für den Sanierungsbonus der Gebäudehülle. Diese Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für die Energiepolitik und Wirtschaft des Landes. Die Begründung des Ministeriums: Ein Kesseltausch bringe pro
Am 3. Februar 2026 verkündete das österreichische Umweltministerium die Einstellung der Förderung für den Sanierungsbonus der Gebäudehülle. Diese Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für die Energiepolitik und Wirtschaft des Landes. Die Begründung des Ministeriums: Ein Kesseltausch bringe pro investiertem Euro eine höhere CO₂-Einsparung. Doch Kritiker warnen, dass diese Sichtweise zu kurz greift und langfristige Risiken birgt.
Die thermisch-energetische Sanierung umfasst Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverlusts eines Gebäudes durch Verbesserung der Gebäudehülle. Dies beinhaltet die Dämmung von Wänden, Dächern und Fenstern. Im Gegensatz zum Kesseltausch, der lediglich die Abhängigkeit von Energieträgern verlagert, bietet die Sanierung eine dauerhafte Reduktion des Energiebedarfs. Peter Schmid, Vorstandsvorsitzender der GDI 2050, betont: „Ein getauschter Kessel bleibt abhängig von Energieträgern und Strom. Eine sanierte Gebäudehülle macht unabhängiger – und zwar langfristig.“
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Gebäudesanierung als Schlüsselstrategie zur Senkung des Energieverbrauchs etabliert. Bereits in den 1970er Jahren, während der Ölkrise, begann Österreich mit der Förderung von Energiesparmaßnahmen. Diese Initiativen wurden im Laufe der Jahre ausgebaut, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und die CO₂-Emissionen zu senken. Die Sanierung der Gebäudehülle wurde dabei als besonders effektiv erkannt, da sie den Energieverbrauch unabhängig vom verwendeten Energieträger senkt.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass Österreich mit seiner bisherigen Förderpolitik nicht allein war. In Deutschland und der Schweiz sind ähnliche Förderprogramme etabliert, die die thermische Sanierung von Gebäuden unterstützen. Diese Länder haben erkannt, dass eine gut gedämmte Gebäudehülle nicht nur den Energieverbrauch senkt, sondern auch die Abhängigkeit von Energieimporten reduziert. Österreich hingegen ist seit 2001 Nettostromimporteur, was die Bedeutung der Energieeinsparung zusätzlich unterstreicht.
Die Auswirkungen der Einstellung der Förderung sind vielfältig. Für Hausbesitzer bedeutet dies höhere Heizkosten und eine verstärkte Abhängigkeit von Energiepreisschwankungen. Ein ungedämmtes Haus verliert bei einem Heizungsausfall rasch an Wärme, was besonders für Familien und ältere Menschen ein Sicherheitsrisiko darstellt. Clemens Demacsek von der GDI 2050 warnt: „Effizienz ist die günstigste Form von Versorgungssicherheit.“
Wirtschaftlich betrachtet ist die Sanierungsbranche ein bedeutender Arbeitgeber. Pro investierter Million Euro in die Sanierung werden laut Studien rund 30,6 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert. Dies ist besonders in wirtschaftlich angespannten Zeiten ein wichtiger Faktor. Zudem erhöht die Sanierung der Außenwände das Bruttoinlandsprodukt um das 3,80-fache der Förderung, während ein Kesseltausch nur eine Erhöhung um das 1,41-fache bewirkt.
Statistiken zeigen, dass gut gedämmte Gebäude ihren Energieverbrauch um bis zu 50% reduzieren können. Dies senkt nicht nur die Energiekosten der Haushalte, sondern reduziert auch die nationale Abhängigkeit von Energieimporten. Bei einem Stromausfall bleibt die Temperatur in einem gut gedämmten Gebäude länger stabil, was die Versorgungssicherheit erhöht.
Experten sind sich einig, dass die thermisch-energetische Sanierung langfristig unverzichtbar ist, um die Klimaziele Österreichs zu erreichen. Ohne ausreichende Förderung könnten jedoch viele Sanierungsprojekte ins Stocken geraten. Dies würde nicht nur die CO₂-Emissionen erhöhen, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung bremsen. Die GDI 2050 fordert daher eine Wiedereinführung des Sanierungsbonus, um die Energieeffizienz im Gebäudesektor nachhaltig zu verbessern.
Die Entscheidung, den Sanierungsbonus einzustellen, könnte sich als kurzsichtig erweisen. Die langfristigen Vorteile der thermisch-energetischen Sanierung überwiegen bei weitem die kurzfristigen Einsparungen durch einen Kesseltausch. Österreich muss seine Energiepolitik überdenken und die Förderung der Gebäudesanierung wieder in den Fokus rücken, um die Abhängigkeit von Energieimporten zu reduzieren und die Wirtschaft zu stärken. Leser, die mehr über die Auswirkungen der Entscheidung erfahren möchten, finden weitere Informationen auf unserer Website.