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Schallaburg eröffnet spektakuläre 80er-Jahre-Ausstellung in NÖ

11. April 2026 um 07:18
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Die Zeit der Neonfarben, des Austro-Pop und der großen gesellschaftlichen Umbrüche kehrt zurück: Die Schallaburg in Niederösterreich hat am Freitag ihre neue Ausstellung "80er – Grenzen waren geste...

Die Zeit der Neonfarben, des Austro-Pop und der großen gesellschaftlichen Umbrüche kehrt zurück: Die Schallaburg in Niederösterreich hat am Freitag ihre neue Ausstellung "80er – Grenzen waren gestern." eröffnet. Von 11. April bis 15. November 2026 können Besucher auf eine faszinierende Zeitreise in das vielleicht bunteste und widersprüchlichste Jahrzehnt der jüngeren österreichischen Geschichte eintauchen.

Ein Jahrzehnt zwischen Aufbruch und Angst

Die 1980er Jahre prägten eine ganze Generation und hinterließen tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis Österreichs. Es war die Dekade des Austro-Pop mit Falco, Austria 3 und Rainhard Fendrich, aber auch die Zeit von Tschernobyl, der AIDS-Krise und den Protesten um die Hainburger Au. Diese Gegensätze macht die neue Schallaburg-Ausstellung erlebbar – nicht als nostalgische Verklärung, sondern als vielschichtige Betrachtung einer Epoche des Wandels.

"Die 80er Jahre haben uns allen gut getan, viel Kraft und Energie gegeben", betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bei der gestrigen Eröffnungsfeier. Als Zeitzeugin des Jahrzehnts blickte sie persönlich zurück: "Es war mein Jahrzehnt des Studierens" – geprägt von Discobesuchen mit Austro-Pop-Stars und internationalen Größen wie Queen oder Bon Jovi.

Von der Grenzregion zur europäischen Drehscheibe

Besonders emotional wurde Mikl-Leitner, als sie über ihre Kindheit in der Grenzregion zum Eisernen Vorhang sprach. "Als Kind der Grenzregion bin ich am Eisernen Vorhang groß geworden", erinnerte sie sich an eine Zeit, in der ihre Heimat als "Region ohne Zukunft und ohne Perspektive" galt. Der Fall des Eisernen Vorhangs Ende der 1980er Jahre habe dann alles verändert: "Dann sind die Grenzen gefallen – die deutsche Mauer und der Eiserne Vorhang – und somit haben sich ganz neue Chancen aufgetan, und diese Chancen haben wir auch genützt."

Erfolgsgeschichte Schallaburg: 6,5 Millionen Besucher

Die neue Ausstellung reiht sich ein in die beeindruckende Erfolgsbilanz der Schallaburg als internationales Ausstellungszentrum. Seit ihrer Etablierung besuchten bereits 6,5 Millionen Menschen das Renaissance-Schloss in der Wachau. "98 Prozent sagen, dass die Schallaburg und ihre Ausstellungen ein Muss seien", freute sich die Landeshauptfrau über die außergewöhnlichen Besucherzahlen.

Das Erfolgsrezept der Schallaburg liegt nach Ansicht Mikl-Leitners darin, "Themen in den Mittelpunkt zu stellen, die die Menschen interessieren, beflügeln und wo sie auch eintauchen können". Geschäftsführer Erwin Klissenbauer wird für sein "Händchen" gelobt, relevante und fesselnde Themen zu finden, die breite Bevölkerungsschichten ansprechen.

Bürgerbeteiligung macht Ausstellung authentisch

Was die 80er-Ausstellung besonders auszeichnet, ist die intensive Einbindung der Bevölkerung. Über 150 private Leihgeber haben persönliche Gegenstände aus den 1980er Jahren zur Verfügung gestellt – von Walkman über Rubik's Cube bis hin zu originaler Mode der Dekade. "Sie haben durch ihre Leihgabe eine besondere Note in die Ausstellung hineingebracht", würdigte Klissenbauer das Engagement der Bürger.

Kuratorin Martina Zerovnik gelang es nach Aussage des Geschäftsführers, "mit viel Fingerspitzengefühl, mit viel Liebe, mit viel Detail und unter Einbindung der Bevölkerung die gesamte Breite dieser 80er Jahre zu zeigen". Diese authentische Herangehensweise unterscheidet die Schallaburg-Ausstellung von musealen Präsentationen, die ausschließlich auf Expertenwissen setzen.

Ein Jahrzehnt der Widersprüche verstehen

"Es war ein Jahrzehnt der Widersprüche", fasste Geschäftsführer Klissenbauer die Komplexität der 1980er Jahre zusammen. Einerseits war es geprägt von Optimismus, technologischen Durchbrüchen und kultureller Vielfalt. Andererseits konfrontierte es die Menschen mit existenziellen Ängsten: Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 erschütterte das Vertrauen in die Atomkraft, die AIDS-Epidemie veränderte gesellschaftliche Normen grundlegend, und die geplante Zerstörung der Hainburger Au mobilisierte eine neue Umweltbewegung.

Diese Ereignisse prägten nicht nur Österreich, sondern ganz Europa und hatten langfristige Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft. Der Widerstand gegen das Wasserkraftwerk in Hainburg gilt heute als Geburtsstunde der österreichischen Umweltbewegung und führte letztendlich zur Einrichtung des Nationalparks Donau-Auen.

Prominente Zeitzeugen teilen ihre Erinnerungen

Bei der Eröffnungsfeier kamen zahlreiche Prominente zu Wort, die die 1980er Jahre aus verschiedenen Blickwinkeln erlebten. Moderiert wurde die Veranstaltung von "Mr. Hitparade" Udo Huber, der das Lebensgefühl der Dekade verkörpert wie kaum ein anderer. "Die 80er werden uns an die schönen und bunten Seiten, an das Lebensgefühl dieser 80er Jahre erinnern", versprach Huber den Gästen.

Zu den illustren Zeitzeugen gehörten Schriftstellerin Zdenka Becker, Biologe Bernd Lötsch, Olympiasiegerin Elisabeth "Sissy" Max-Theurer und Musiker Ewald Pfleger. Besonders aufschlussreich waren die Beiträge von Peter Meissner, der als Musiker, Autor und Moderator die Kulturszene der 1980er Jahre mitprägte und sein Buch "Opa, erzähl mir von den 80ern!" präsentierte.

Niederösterreich als kulturelles Zentrum stärken

Die 80er-Ausstellung fällt zeitlich zusammen mit dem 40-jährigen Jubiläum von St. Pölten als Landeshauptstadt Niederösterreichs. Mikl-Leitner nutzte die Gelegenheit, um die erfolgreiche Regionalpolitik des Landes zu würdigen: "Von der ersten Minute an war klar, dass diese Landeshauptstadt nicht in Konkurrenz zu den Regionen stehen darf, sondern sich die Regionen gleichzeitig, bestens und positiv entwickeln müssen und sollen."

Diese Politik trage Früchte: Mehr als 4.100 Projekte wurden in den niederösterreichischen Regionen mit über 1,5 Milliarden Euro gefördert. "Somit ist es gelungen, eine wunderbare Landeshauptstadt auf den Weg zu bringen, aber auch wunderbare Regionen", bilanzierte die Landeshauptfrau stolz.

Besucherinformationen und Zusatzangebote

Die Schallaburg öffnet ihre Türen von Dienstag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr (Einlass bis 16 Uhr). An Wochenenden und Feiertagen ist das Schloss von 9 bis 18 Uhr geöffnet (Einlass bis 17 Uhr), montags bleibt es geschlossen. Neben der Hauptausstellung bietet die Schallaburg auch Führungen durch die historischen Räume des Renaissance-Schlosses an.

Ein besonderes Highlight für Familien und Abenteuerlustige sind die beiden Escape Rooms: "Mission: Goldener Panther" und der seit Ende Januar verfügbare "Im Schatten des Medicus". Diese interaktiven Erlebnisse verbinden Unterhaltung mit historischem Lernen und sprechen besonders jüngere Besucher an.

Rückblick auf ein prägendes Jahrzehnt

"Auf der Schallaburg heißt es ab heute vorwärts in die Vergangenheit", fasste Moderator Udo Huber den Geist der Ausstellung zusammen. Nach der erfolgreichen Traumausstellung des Vorjahres setzt die Schallaburg mit "80er – Grenzen waren gestern." erneut auf ein Thema, das Generationen verbindet und zum Nachdenken anregt.

Die Ausstellung verspricht nicht nur nostalgische Erinnerungen zu wecken, sondern auch neue Erkenntnisse über ein Jahrzehnt zu vermitteln, dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind. "Bei vielen Objekten werden Sie sagen: 'Aha, das hat es ja auch gegeben'", prophezeite Huber den Besuchern überraschende Wiederentdeckungen.

Mit ihrer einzigartigen Mischung aus persönlichen Erinnerungen, historischen Fakten und interaktiven Elementen etabliert sich die 80er-Ausstellung als kulturelles Ereignis des Jahres 2026 in Niederösterreich und darüber hinaus.

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