In Linz sorgt ein ungewöhnlicher Protest für Aufsehen: Eine Tierschützerin vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat sich entschlossen, 24 Stunden auf einem sogenannten Schweine-Vollspaltenboden zu verbringen. Diese Aktion zielt darauf ab, die Aufmerksamkeit auf die umstrittene Entscheidung der Regier
In Linz sorgt ein ungewöhnlicher Protest für Aufsehen: Eine Tierschützerin vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat sich entschlossen, 24 Stunden auf einem sogenannten Schweine-Vollspaltenboden zu verbringen. Diese Aktion zielt darauf ab, die Aufmerksamkeit auf die umstrittene Entscheidung der Regierung zu lenken, das Verbot des Vollspaltenbodens aufzuheben und dessen Nutzung bis mindestens 2038 zu erlauben.
Ein Vollspaltenboden ist ein spezieller Bodenbelag in der Schweinehaltung, der aus Beton besteht und mit regelmäßigen Spalten durchzogen ist. Diese Spalten dienen dazu, den Kot und Urin der Tiere abfließen zu lassen, sodass die Reinigung erleichtert wird. Kritiker bemängeln jedoch, dass dieser Boden für die Tiere äußerst unbequem und gesundheitsschädlich ist.
Der Vollspaltenboden wurde in der intensiven Tierhaltung eingeführt, um die Effizienz zu steigern. In den letzten Jahrzehnten gab es jedoch immer wieder Diskussionen über die ethischen und gesundheitlichen Auswirkungen dieser Haltungsform. Bereits 2008 gab es erste Versuche, den Einsatz solcher Böden zu reduzieren, jedoch ohne durchschlagenden Erfolg.
Im Juni 2025 hat die österreichische Regierung das bestehende Verbot von Vollspaltenböden aufgehoben und deren Nutzung bis 2034 bzw. 2038 erlaubt. Diese Entscheidung stieß auf heftige Kritik von Tierschutzorganisationen und Teilen der Bevölkerung.
Ein Sprecher der Regierung erklärte, dass die Entscheidung auf wirtschaftlichen Überlegungen basiere. Die Umstellung auf alternative Bodenbeläge sei mit hohen Kosten verbunden, die viele Landwirte nicht tragen könnten. Diese Aussage wurde jedoch von Tierschützern als unzureichend zurückgewiesen.
In vielen europäischen Ländern, wie etwa in Schweden und der Schweiz, sind Vollspaltenböden bereits seit Jahren verboten. Diese Länder setzen auf tierfreundlichere Alternativen, die den Tieren mehr Bewegungsspielraum und Komfort bieten. Die österreichische Entscheidung wird daher auch im internationalen Vergleich kritisch betrachtet.
Die Tierschützerin, die anonym bleiben möchte, hat sich auf 0,65 Quadratmetern, dem Platz, der einem Schwein bis 85 kg zusteht, niedergelassen. Ihre ersten Eindrücke waren ernüchternd: „Das Platzangebot ist erschreckend klein. Ein 85 kg schweres Schwein ist definitiv größer als ich und trotzdem kann ich mir kaum vorstellen, auch nur 24 Stunden mit so wenig Platz auszukommen.“
Sie berichtet weiter, dass der Boden extrem hart und unbequem sei. Die scharfkantigen Spalten würden den Liegekomfort erheblich beeinträchtigen. „Es ist ein schlechter Scherz, diesen Boden als physisch angenehm zu bezeichnen“, fügte sie hinzu.
Experten sind sich einig, dass die Haltung auf Vollspaltenböden erhebliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Schweine hat. Die Tiere leiden häufig unter Gelenkschmerzen und Hautabschürfungen. Zudem können sie ihr natürliches Verhalten, wie das Wühlen im Boden, nicht ausleben, was zu Stress und Verhaltensstörungen führt.
Die Aktion der Tierschützerin hat in der Bevölkerung gemischte Reaktionen hervorgerufen. Während viele Menschen ihre Unterstützung ausdrücken und die Entscheidung der Regierung kritisieren, gibt es auch Stimmen, die die wirtschaftlichen Zwänge der Landwirte verstehen.
Ein Passant in Linz kommentierte: „Ich finde es gut, dass jemand auf die Missstände aufmerksam macht. Aber wir müssen auch die Landwirte unterstützen, damit sie sich eine tierfreundlichere Haltung leisten können.“
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Jahren entwickeln wird. Tierschutzorganisationen werden weiterhin Druck auf die Regierung ausüben, um eine Änderung der Gesetzgebung zu erreichen. Gleichzeitig müssen Lösungen gefunden werden, um die wirtschaftlichen Herausforderungen der Landwirte zu bewältigen.
Ein Experte für Tierhaltung prognostiziert: „Wenn Österreich nicht bald handelt, könnte es im internationalen Vergleich weiter zurückfallen. Es ist wichtig, dass wir nachhaltige und tierfreundliche Lösungen finden, die sowohl den Tieren als auch den Landwirten zugutekommen.“
Der Protest in Linz hat erneut die Diskussion über die Schweinehaltung in Österreich entfacht. Die Entscheidung der Regierung, den Vollspaltenboden weiterhin zu erlauben, wird von vielen als Rückschritt empfunden. Es bleibt zu hoffen, dass die Aktion der Tierschützerin dazu beiträgt, das Bewusstsein für die Probleme in der Tierhaltung zu schärfen und langfristig zu positiven Veränderungen führt.