Vor genau 50 Jahren, am 1. Juli 1975, ereignete sich in Österreich ein Ereignis, das die Gesellschaft für immer verändern sollte. Die größte Familienrechtsreform des Landes wurde beschlossen und damit der Mann als Oberhaupt der Familie abgeschafft. Dies war ein entscheidender Schritt in Richtung Gle
Vor genau 50 Jahren, am 1. Juli 1975, ereignete sich in Österreich ein Ereignis, das die Gesellschaft für immer verändern sollte. Die größte Familienrechtsreform des Landes wurde beschlossen und damit der Mann als Oberhaupt der Familie abgeschafft. Dies war ein entscheidender Schritt in Richtung Gleichberechtigung und Selbstbestimmung für Frauen. Diese Reform wurde maßgeblich von der ersten Frauenministerin Österreichs und der Vorsitzenden des Österreichischen Frauenrings, Johanna Dohnal, vorangetrieben. Sie und viele mutige Frauen, darunter die Gründerinnen des Frauenrings, Hertha Firnberg und Lola Solar, kämpften unermüdlich für diesen Meilenstein gegen das Patriarchat.
Die Familienrechtsreform von 1975 war nicht nur ein gesetzlicher, sondern auch ein gesellschaftlicher Umbruch. Vor dieser Reform waren Frauen in vielerlei Hinsicht rechtlich abhängig von ihren Ehemännern. Der Mann hatte das Sagen in finanziellen Angelegenheiten, bei der Erziehung der Kinder und in vielen anderen Lebensbereichen. Die Reform schuf die rechtliche Grundlage für die Gleichstellung der Geschlechter in der Ehe und Familie, was einen erheblichen Einfluss auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft hatte.
Die Einführung dieser Reform war jedoch kein einfacher Prozess. Es erforderte jahrelangen Kampf und das Engagement vieler Frauenrechtsaktivistinnen, die gegen das traditionelle Rollenverständnis ankämpften. Johanna Dohnal, eine Schlüsselfigur in diesem Kampf, wird oft für ihren unermüdlichen Einsatz gelobt. Sie verstand, dass rechtliche Gleichstellung der erste Schritt zu einer gerechteren Gesellschaft war.
Im internationalen Vergleich war Österreich mit dieser Reform relativ spät dran. Länder wie Schweden und Norwegen hatten bereits in den 1960er Jahren ähnliche Reformen eingeführt. Diese Länder gelten heute als Vorbilder in Sachen Gleichberechtigung. Der späte Start Österreichs zeigt, wie tief verwurzelt patriarchale Strukturen damals noch waren.
Obwohl rechtliche Gleichstellung erreicht wurde, zeigt sich in der Praxis oft ein anderes Bild. Laut Klaudia Frieben, der aktuellen Vorsitzenden des Österreichischen Frauenrings, sind Frauen in vielen Lebensbereichen noch immer nicht gleichberechtigt. Der sogenannte Backlash der letzten Jahre hat verdeutlicht, wie fragil Frauenrechte tatsächlich sind. Von einem tatsächlichen Gleichstand sind wir noch weit entfernt.
Ein großes Problem ist der Gender Pay Gap, der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen. Frauen verdienen in Österreich im Durchschnitt immer noch weniger als Männer. Dies wirkt sich langfristig auf ihre Pensionen aus, was zum Gender Pension Gap führt. Auch die ungleiche Verteilung von unbezahlter Care-Arbeit, bekannt als Gender Care Gap, ist ein großes Thema. Frauen leisten nach wie vor den Großteil der Hausarbeit und Kinderbetreuung, was ihre beruflichen Chancen einschränkt.
Um diese Missstände zu bekämpfen, fordert der Frauenring eine Reihe von Maßnahmen:
Besonders der letzte Punkt ist entscheidend. Der Nationale Aktionsplan ist ein wichtiges Instrument im Kampf gegen Gewalt an Frauen. Gewalt in der Familie ist ein ernsthaftes Problem, das oft im Verborgenen bleibt. Die Istanbul-Konvention, ein internationales Abkommen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, bietet hier einen wichtigen Rahmen.
Die aktuelle budgetäre Situation in Österreich bereitet dem Frauenring große Sorgen. Viele der vorgeschlagenen Maßnahmen erfordern finanzielle Mittel, die derzeit nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Die Aussetzung der Valoriserung von Familienleistungen und die Nichtvalorisierung der Förderungen für Beratungseinrichtungen treffen besonders Frauen. Auch die Anhebung der Krankenversicherungsbeiträge für Pensionisten belastet Frauen stärker, da sie im Durchschnitt niedrigere Pensionen beziehen.
Der Frauenring appelliert an die Regierung, die Budgetkonsolidierung sozial und geschlechtergerecht zu gestalten. Es müsse ein gerechter Beitrag von denjenigen eingefordert werden, die die größten Vermögensanteile besitzen oder von hohen Förderungen profitiert haben. Einrichtungen, die Frauen in der Corona-Krise unterstützt haben, dürfen nicht leer ausgehen.
Ein fiktiver Experte aus dem Bereich der Sozialpolitik erklärt: "Die nächsten Jahre werden entscheidend sein. Wir müssen sicherstellen, dass die Erfolge der letzten Jahrzehnte nicht durch kurzfristige Sparmaßnahmen zunichte gemacht werden. Die Regierung muss verstehen, dass Investitionen in Gleichberechtigung und Gewaltschutz langfristig ökonomische Vorteile bringen."
Ein weiterer Experte aus der Wirtschaft fügt hinzu: "Gleichberechtigung ist nicht nur eine moralische Frage, sondern auch eine wirtschaftliche. Unternehmen profitieren von diverseren Teams, und eine gerechtere Verteilung der Care-Arbeit würde mehr Frauen ermöglichen, in Vollzeit zu arbeiten."
Der Österreichische Frauenring ruft nicht nur die Regierung, sondern auch die Gesellschaft dazu auf, sich für die Rechte von Frauen einzusetzen. Jeder kann einen Beitrag leisten, sei es durch politische Unterstützung, ehrenamtliches Engagement oder einfach durch das Hinterfragen traditioneller Rollenbilder.
Frei nach dem Motto "Ein ökonomisch unabhängiges, selbstbestimmtes und vor allem gewaltfreies Leben für alle Frauen" fordert der Frauenring ein Umdenken in der Gesellschaft. Nur durch gemeinsames Handeln kann der Weg zu einer wirklich gleichberechtigten Gesellschaft geebnet werden.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Österreich die Herausforderungen meistern kann. Eines ist sicher: Die Errungenschaften der letzten 50 Jahre dürfen nicht aufs Spiel gesetzt werden. Die Frauenrechtsbewegung hat viel erreicht, aber der Kampf ist noch lange nicht vorbei.