ÖVP fordert sofortiges Handeln nach offenem Brief von AHS-Schülern
Schüler der AHS Flora Fries wenden sich in einem offenen Brief an Bürgermeister Ludwig. Die Situation bei der U6 Gumpendorfer Straße wird immer bedrohlicher.
Die Drogenproblematik rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße hat eine neue Dimension erreicht. Schülerinnen und Schüler der AHS Flora Fries in Rudolfsheim-Fünfhaus haben sich in einem offenen Brief direkt an Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) gewandt, um auf ihre zunehmend unsichere Situation aufmerksam zu machen. Der Brief macht deutlich, dass die Probleme nicht mehr nur abstrakte Sicherheitsfragen betreffen, sondern konkrete Ängste und Bedrohungen für Kinder und Jugendliche darstellen.
Der nun öffentlich gewordene Brief der Jugendlichen dokumentiert eine dramatische Verschlechterung der Sicherheitssituation im Umfeld des Gürtels. Die Schülerinnen und Schüler schildern ihre täglichen Erfahrungen auf dem Weg zur Schule und zurück, wo sie regelmäßig mit Drogenhandel und -konsum konfrontiert werden. Die U6-Station Gumpendorfer Straße, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für viele Wiener Schüler, ist zu einem Brennpunkt geworden, der ihre Sicherheit gefährdet.
Die Situation hat sich laut den Berichten in den letzten Jahren kontinuierlich verschlechtert. Was früher vereinzelte Vorfälle waren, ist mittlerweile zu einem alltäglichen Problem geworden, das die Jugendlichen dazu zwingt, alternative Routen zu wählen oder sich in Gruppen zu bewegen.
Felix Ofner, Bezirksparteiobmann der Volkspartei Rudolfsheim-Fünfhaus, zeigt sich angesichts der Situation tief besorgt: "Seit Jahren verschärft sich die Situation rund um die U6 Gumpendorfer Straße. Wir haben wiederholt auf diese Entwicklung hingewiesen und konkrete Maßnahmen eingefordert. Dennoch schaut die SPÖ weiter weg."
Ofner betont, dass eine rote Linie überschritten sei, wenn Schülerinnen und Schüler öffentlich Alarm schlagen müssten. Er appelliert eindringlich an Bürgermeister Ludwig, endlich Verantwortung zu übernehmen und die Kinder zu schützen. Die ÖVP habe bereits seit Langem konkrete Vorschläge für Verbesserungen vorgelegt.
Gerhard Hammerer, Obmann der Volkspartei Mariahilf, übt scharfe Kritik am Umgang der SPÖ-NEOS-Stadtregierung mit den Sorgen der Betroffenen. Er bemängelt, dass die SPÖ den Dialog mit den Menschen vor Ort verweigere, obwohl dieser mehrfach zugesagt worden sei.
Besonders kritisiert Hammerer die Verzögerungen bei versprochenen Maßnahmen: "Nach wie vor warten wir auf das für Ende 2025 von Drogenkoordinator Ewald Lochner zugesagte mittel- bis langfristige Konzept zur Entlastung des Jedmayer-Grätzels." Auch die versprochene Anrainerversammlung habe bis dato noch nicht stattgefunden.
Das Jedmayer-Grätzel, benannt nach der nahegelegenen Jedmayergasse, ist in den letzten Jahren zu einem der problematischsten Bereiche Wiens geworden. Die Nähe zur U6-Station Gumpendorfer Straße und die spezielle städtebauliche Situation haben dazu geführt, dass sich hier Drogenszene und andere problematische Aktivitäten konzentrieren.
Die Situation betrifft nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern alle Menschen, die täglich durch diesen Bereich müssen oder dort leben. Anrainer berichten von nächtlichen Ruhestörungen, Vandalismus und einem allgemeinen Gefühl der Unsicherheit.
Die Wiener Volkspartei hat als Antwort auf die problematische Situation ein konkretes 5-Punkte-Paket entwickelt, das ihrer Ansicht nach für mehr Sicherheit und Ordnung sorgen könnte:
Die beiden ÖVP-Politiker halten abschließend fest, dass es jetzt entschlossenes Handeln statt weiterer Ankündigungen brauche. "Kinder dürfen auf ihrem Schulweg nicht mit Angst konfrontiert sein, Eltern dürfen nicht um die Sicherheit ihrer Kinder bangen müssen", betonen Ofner und Hammerer.
Sie fordern die SPÖ-NEOS-Stadtregierung auf, endlich wirksame Maßnahmen umzusetzen und Verantwortung für Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum zu übernehmen. Die Zeit des Abwartens und der leeren Versprechungen müsse ein Ende haben.
Der offene Brief der Schülerinnen und Schüler stellt die Wiener Stadtregierung vor eine große Herausforderung. Die Stimmen der Jugendlichen haben eine besondere Glaubwürdigkeit und emotionale Wirkung, die schwer zu ignorieren ist. Sie machen deutlich, dass die Probleme nicht nur statistische Zahlen sind, sondern reale Auswirkungen auf das Leben junger Menschen haben.
Die Situation zeigt auch die Grenzen bisheriger Ansätze in der Drogenpolitik auf. Während in anderen Bereichen der Stadt durchaus Erfolge erzielt werden konnten, scheint das Jedmayer-Grätzel ein besonders hartnäckiger Problemfall zu sein, der neue und möglicherweise auch unpopuläre Maßnahmen erfordern könnte.
Experten betonen, dass Probleme wie jene bei der U6 Gumpendorfer Straße nicht mit schnellen Lösungen behoben werden können. Es brauche einen Mix aus unmittelbaren Sicherheitsmaßnahmen und langfristigen sozialpolitischen Ansätzen. Dazu gehören sowohl repressive Maßnahmen als auch präventive Arbeit und Hilfsangebote für Betroffene.
Die Frage wird sein, ob die Stadtregierung bereit ist, die notwendigen Ressourcen bereitzustellen und auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Der offene Brief der Schülerinnen und Schüler könnte dabei ein wichtiger Wendepunkt sein, der endlich den nötigen politischen Druck erzeugt.
Die Situation hat auch direkte Auswirkungen auf den Bildungsbereich. Wenn sich Schülerinnen und Schüler nicht mehr sicher fühlen, auf dem Weg zur Schule zu sein, kann dies ihre Lernbereitschaft und ihre allgemeine Entwicklung beeinträchtigen. Studien zeigen, dass ein Gefühl der Unsicherheit die schulische Leistung negativ beeinflussen kann.
Schulen in der Umgebung müssen zusätzliche Ressourcen aufwenden, um ihre Schülerinnen und Schüler zu schützen und zu beruhigen. Dies bindet Kapazitäten, die eigentlich für die Bildungsarbeit vorgesehen sind.
Der Fall macht deutlich, dass Sicherheitspolitik und Bildungspolitik eng miteinander verknüpft sind und koordinierte Lösungsansätze erfordern. Die Stadt Wien steht vor der Aufgabe, beide Bereiche zusammenzudenken und entsprechende Maßnahmen zu entwickeln.