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SGS-TÜV Saar erweitert Cybersecurity-Netzwerk mit Italien

16. März 2026 um 08:53
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Eine strategische Kooperation zwischen dem deutschen Sicherheitsexperten SGS-TÜV Saar und dem italienischen Engineering-Dienstleister Eskube SRL soll das internationale Sicherheitsökosystem für kri...

Eine strategische Kooperation zwischen dem deutschen Sicherheitsexperten SGS-TÜV Saar und dem italienischen Engineering-Dienstleister Eskube SRL soll das internationale Sicherheitsökosystem für kritische Infrastrukturen stärken. Die seit Februar 2026 bestehende Partnerschaft zielt darauf ab, Unternehmen in der Automobil- und Automationsindustrie umfassendere Unterstützung bei der Umsetzung globaler Sicherheits- und Cybersecurity-Standards zu bieten.

Funktionale Sicherheit und Cybersecurity im Fokus

Funktionale Sicherheit bezeichnet die Eigenschaft eines sicherheitsbezogenen Systems, in einem definierten Zeitraum unter festgelegten Bedingungen korrekt auf vorhersehbare Fehler zu reagieren oder in einen sicheren Zustand überzugehen. Dies ist besonders kritisch in der Automobilindustrie, wo ein Ausfall von Sicherheitssystemen wie ABS, ESP oder automatisierten Notbremssystemen schwerwiegende Folgen haben kann. Die funktionale Sicherheit umfasst dabei nicht nur die Technik selbst, sondern den gesamten Lebenszyklus eines Produkts - von der Konzeption über Entwicklung und Produktion bis hin zur Außerbetriebnahme. Moderne Fahrzeuge enthalten heute hunderte von elektronischen Steuergeräten, die miteinander vernetzt sind und deren Ausfallsicherheit nach strengen internationalen Normen wie der ISO 26262 bewertet werden muss.

Cybersecurity in sicherheitskritischen Systemen geht weit über herkömmliche IT-Sicherheit hinaus. Während traditionelle Cybersecurity hauptsächlich den Schutz von Daten und Informationssystemen umfasst, befasst sich die Cybersecurity in der funktionalen Sicherheit mit dem Schutz vor böswilligen Angriffen, die physische Schäden oder Verletzungen verursachen könnten. Ein gehacktes Fahrzeug könnte beispielsweise ferngesteuert werden, was zu Unfällen führen könnte. Die Norm ISO/SAE 21434 definiert daher spezifische Anforderungen für Cybersecurity-Engineering in der Automobilentwicklung, die von der Risikoanalyse über sichere Kommunikationsprotokolle bis hin zu Incident-Response-Strategien reichen.

Historische Entwicklung der Sicherheitsnormen

Die Entwicklung von Sicherheitsnormen in der Automobil- und Automationsindustrie ist eng mit der zunehmenden Elektronisierung und Vernetzung von Fahrzeugen verbunden. In den 1990er Jahren waren Fahrzeuge noch weitgehend mechanische Systeme mit vereinzelten elektronischen Komponenten. Mit der Einführung von Systemen wie ABS und ESP in den 2000er Jahren wurde die Notwendigkeit für standardisierte Sicherheitsbewertungen erkennbar. Die ISO 26262, die 2011 erstmals veröffentlicht wurde, war eine Anpassung der allgemeinen funktionalen Sicherheitsnorm IEC 61508 speziell für die Automobilindustrie. Sie führte das Konzept des Automotive Safety Integrity Level (ASIL) ein, das Risiken in vier Kategorien von A bis D klassifiziert.

Die rasante Entwicklung von Connected Cars und autonomen Fahrzeugen in den 2010er Jahren brachte neue Herausforderungen mit sich. Plötzlich waren Fahrzeuge nicht mehr isolierte Systeme, sondern Teil eines vernetzten Ökosystems mit Smartphones, Cloud-Services und anderen Fahrzeugen. Dies führte zur Entwicklung der Cybersecurity-Norm ISO/SAE 21434, die 2021 veröffentlicht wurde und erstmals umfassende Cybersecurity-Anforderungen für die gesamte Automobillieferkette definierte. Parallel dazu entwickelte sich das Konzept SOTIF (Safety of the Intended Functionality), das sich mit Risiken befasst, die nicht durch Systemausfälle, sondern durch die beabsichtigte Funktion selbst entstehen können - ein besonders relevantes Thema bei autonomen Fahrzeugen.

Internationale Marktposition und Vergleiche

Deutschland hat sich als führender Standort für funktionale Sicherheit und Cybersecurity in Europa etabliert. TÜV-Organisationen wie SGS-TÜV Saar genießen international hohes Vertrauen und sind oft die erste Wahl für Zertifizierungen kritischer Systeme. Im Vergleich dazu haben sich andere europäische Länder auf spezifische Nischen spezialisiert: Italien mit seiner starken Automobilzulieferindustrie ist besonders in der praktischen Umsetzung von Sicherheitstechnologien stark, während die Schweiz als Standort für Präzisionsinstrumente und Automatisierungstechnik gilt.

Die Kooperation zwischen SGS-TÜV Saar und Eskube spiegelt einen europaweiten Trend wider: Die zunehmende Komplexität von Sicherheitsnormen erfordert spezialisierte Partnerschaften. Während deutsche Unternehmen traditionell stark in der Normierung und Zertifizierung sind, bringen italienische Partner oft praktische Engineering-Expertise mit. Diese Komplementarität ist besonders wertvoll in einer Industrie, in der theoretisches Wissen über Normen und praktische Umsetzungserfahrung gleichermaßen kritisch sind.

Auswirkungen auf österreichische Unternehmen

Für österreichische Unternehmen in der Automobilzulieferindustrie eröffnet diese Kooperation neue Möglichkeiten. Österreich ist Heimat zahlreicher Hidden Champions in der Automobiltechnik, von Magna International bis hin zu spezialisierten Sensorikhersteller wie AMS. Diese Unternehmen können von der erweiterten Expertise profitieren, da sie oft sowohl deutsche Normenexpertise als auch praktische Engineering-Unterstützung benötigen. Die geografische Nähe Österreichs zu beiden Kooperationspartnern ermöglicht effiziente Projektabwicklungen und direkten Wissenstransfer.

Konkret bedeutet dies für österreichische Automobilzulieferer kürzere Zertifizierungszeiten und umfassendere Beratung. Ein Beispiel: Ein österreichisches Unternehmen, das Fahrerassistenzsysteme entwickelt, kann nun von der Engineering-Expertise von Eskube bei der praktischen Umsetzung von ISO 26262-Anforderungen profitieren und gleichzeitig die bewährte Zertifizierungsqualität von SGS-TÜV Saar nutzen. Dies ist besonders relevant, da österreichische Unternehmen oft als Tier-1-Lieferanten für deutsche Premium-Automobilhersteller fungieren, die höchste Sicherheitsstandards verlangen.

Technologische Trends und AI Safety

AI Safety als aufstrebendes Feld befasst sich mit den spezifischen Risiken, die durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz in sicherheitskritischen Systemen entstehen. Anders als bei herkömmlichen deterministischen Systemen, deren Verhalten vollständig vorhersagbar ist, basieren KI-Systeme auf maschinellem Lernen und können daher unvorhersehbare Entscheidungen treffen. Ein autonomes Fahrzeug könnte beispielsweise aufgrund unvollständiger Trainingsdaten in einer seltenen Verkehrssituation eine falsche Entscheidung treffen. AI Safety umfasst daher Methoden zur Validierung von KI-Systemen, zur Gewährleistung ihrer Robustheit gegenüber adversariellen Eingaben und zur Sicherstellung, dass ihre Entscheidungsfindung nachvollziehbar und erklärbar bleibt.

Die Integration von AI Safety in bestehende Sicherheitsnormen stellt eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre dar. Während ISO 26262 für deterministische Systeme entwickelt wurde, erfordert die Bewertung von KI-basierten Systemen neue Ansätze. Dies beinhaltet statistische Validierungsmethoden, kontinuierliches Monitoring im Betrieb und neue Formen der Risikoanalyse, die die Unsicherheit und Lernfähigkeit von KI-Systemen berücksichtigen.

Wirtschaftliche Dimensionen der Sicherheitszertifizierung

Der globale Markt für funktionale Sicherheit und Cybersecurity-Dienstleistungen wächst kontinuierlich. Schätzungen gehen von einem Marktvolumen von über 15 Milliarden Euro aus, wobei die Automobilindustrie den größten Einzelmarkt darstellt. Für Unternehmen stellen Sicherheitszertifizierungen sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance dar: Während sie zusätzliche Kosten und Entwicklungszeit bedeuten, sind sie gleichzeitig ein wichtiger Wettbewerbsvorteil und oft Voraussetzung für den Marktzugang.

Die Kosten für eine ISO 26262-Zertifizierung können je nach Systemkomplexität zwischen 100.000 und mehreren Millionen Euro liegen. Gleichzeitig ermöglichen sie jedoch den Zugang zu globalen Märkten und reduzieren Haftungsrisiken erheblich. Für kleine und mittlere Unternehmen ist es daher entscheidend, effiziente Wege zur Zertifizierung zu finden - genau hier setzt die Kooperation zwischen SGS-TÜV Saar und Eskube an.

Praktische Umsetzung und Projektabläufe

Die strukturierte Aufgabenteilung zwischen Eskube und SGS-TÜV Saar schafft einen nahtlosen Prozess für Unternehmen. Eskube übernimmt dabei die technische Umsetzung und das Engineering, während SGS-TÜV Saar für die unabhängige Bewertung, Prüfung und finale Zertifizierung zuständig ist. Dies bedeutet konkret, dass ein Kunde, der ein neues Fahrerassistenzsystem entwickelt, zunächst mit Eskube zusammenarbeitet, um die technischen Anforderungen der Normen in praktische Lösungen umzusetzen. Anschließend führt SGS-TÜV Saar die unabhängige Bewertung durch und stellt bei erfolgreicher Prüfung das Zertifikat aus.

Diese Arbeitsteilung bietet mehrere Vorteile: Erstens wird die Unabhängigkeit der Zertifizierung gewährleistet, da SGS-TÜV Saar nicht an der Entwicklung beteiligt ist. Zweitens können Unternehmen von der praktischen Expertise beider Partner profitieren, ohne zwischen verschiedenen Dienstleistern koordinieren zu müssen. Drittens reduziert sich der Gesamtaufwand, da potenzielle Probleme bereits in der Entwicklungsphase identifiziert und behoben werden können, bevor sie in der Zertifizierungsphase zu kostspieligen Verzögerungen führen.

Zukunftsperspektiven und Marktentwicklung

Die Automobilindustrie steht vor einem fundamentalen Wandel hin zu elektrifizierten, vernetzten und autonomen Fahrzeugen. Dieser Wandel bringt neue Sicherheitsherausforderungen mit sich, die weit über die traditionelle funktionale Sicherheit hinausgehen. Cybersecurity wird dabei immer kritischer, da moderne Fahrzeuge über verschiedene Schnittstellen - von Mobilfunk über WiFi bis hin zu Vehicle-to-Everything-Kommunikation - mit ihrer Umgebung interagieren.

Experten erwarten, dass die Komplexität von Sicherheitsbewertungen in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Neue Normen für autonomes Fahren sind in Entwicklung, und die Integration von Künstlicher Intelligenz erfordert völlig neue Bewertungsansätze. Gleichzeitig steigt der Druck auf Unternehmen, schneller zu innovieren und neue Technologien schneller auf den Markt zu bringen. Die Kooperation zwischen SGS-TÜV Saar und Eskube positioniert beide Unternehmen optimal für diese Entwicklungen.

Marcus Rau, Global Operations Manager Funktionale Sicherheit von SGS-TÜV Saar, betont den strategischen Wert der Partnerschaft: "Mit dieser Kooperation schaffen wir zusätzliche Mehrwerte für unsere internationalen Kunden. Gemeinsam mit Eskube können wir insbesondere für italienische Kunden Entwicklungsprojekte noch effizienter begleiten und gleichzeitig die hohe Qualität unserer Assessments und Zertifizierungen sicherstellen."

Die Partnerschaft zeigt exemplarisch, wie sich die Sicherheitsbranche weiterentwickelt: von isolierten Dienstleistungen hin zu integrierten Ökosystemen, die Unternehmen ganzheitlich von der ersten Idee bis zur finalen Zertifizierung begleiten. Für die Zukunft ist zu erwarten, dass ähnliche Kooperationen auch in anderen Branchen und Regionen entstehen werden, um den steigenden Anforderungen an Sicherheit und Cybersecurity gerecht zu werden.

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