Heinrich Himmer kritisiert Selektion im Bildungssystem und plädiert für gemeinsames Lernen
SPÖ-Bildungssprecher Himmer betont im Nationalrat die Notwendigkeit von Planungssicherheit und Fairness bei Bildungsreformen.
Die Debatte um Bildungsreformen in Österreich nimmt weiter Fahrt auf. SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer nutzte die Aktuelle Stunde im Nationalrat, um seine Vision einer gerechteren Bildungspolitik zu präsentieren. Seine zentrale Botschaft: "Eine gute Reform ist nur dann eine gute Reform, wenn sie die Chancengerechtigkeit erhöht."
Himmer kritisiert die aktuelle Reformpolitik scharf und fordert einen grundlegenden Kurswechsel. "Unsicherheit ist kein guter Begleiter beim Lernen", betonte der SPÖ-Politiker in seiner Rede. Reformen müssten gemeinsam mit allen Beteiligten erarbeitet werden, um nachhaltig erfolgreich zu sein.
Besonders bei Änderungen der Lehrpläne sieht Himmer großen Nachholbedarf in der Vorbereitung. "Diskussion, wie ein Lehrplan aussieht, muss man länger führen", so der Bildungssprecher. Die hastige Umsetzung von Reformen ohne ausreichende Vorlaufzeit schade dem gesamten Bildungssystem.
Ein zentraler Punkt in Himmers Argumentation ist die Planungssicherheit. Schulen, Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler benötigten verlässliche Rahmenbedingungen. Nur so könne ein qualitativ hochwertiger Unterricht gewährleistet werden.
Die ständigen Änderungen und Anpassungen im österreichischen Bildungssystem führten zu Verunsicherung bei allen Beteiligten. Dies wirke sich letztendlich negativ auf die Lernergebnisse aus, warnt Himmer.
Als historisches Beispiel für gelungene Bildungsreformen verweist Himmer auf die Ära von Bundeskanzler Bruno Kreisky. Dessen Reformen hätten die Chancengerechtigkeit deutlich erhöht und Kindern aus weniger privilegierten Familien den Bildungsaufstieg ermöglicht.
"Gerechte Bildungspolitik darf nicht auf Selektion setzen", betont Himmer. Stattdessen müsse das Prinzip des gemeinsamen Lernens im Vordergrund stehen. Diese Forderung untermauert er mit einem Verweis auf internationale Vorbilder, die zeigten, dass integrative Bildungsansätze erfolgreicher seien als selektive Systeme.
Die SPÖ setzt sich für ein Bildungssystem ein, das alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft fördert. "Gemeinsam lernen ist das Gebot der Stunde", so Himmer. Internationale Studien würden belegen, dass Länder mit integrativen Bildungssystemen bessere Ergebnisse erzielen als jene mit früher Selektion.
Himmer kritisiert damit indirekt das österreichische System, das bereits früh zwischen verschiedenen Schultypen trennt. Diese Selektion verstärke soziale Ungleichheiten, anstatt sie zu verringern.
Der SPÖ-Bildungssprecher betonte auch, dass Bildung nicht mit dem Schulabschluss ende. "Bildung hört nicht am letzten Zeugnistag auf", so Himmer. In diesem Zusammenhang verwies er auf die geplanten Investitionen der nächsten Jahre.
"Wir investieren in den nächsten Jahren über 5 Milliarden Euro in Forschung, Technologie und Innovation", kündigte Himmer an. Diese Investitionen seien zentral für die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs und für das lebenslange Lernen der Bevölkerung.
Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass Himmer die aktuelle Bildungspolitik der Bundesregierung kritisch sieht. Die häufigen Änderungen und die mangelnde Einbindung der Betroffenen würden das System schwächen statt stärken.
Besonders die Lehrplanreformen stehen im Fokus der Kritik. Ohne ausreichende Diskussion und Vorbereitung könnten diese ihr Ziel verfehlen und sogar kontraproduktiv wirken.
Himmer fordert, bei Bildungsreformen auf internationale Erfahrungen zu blicken. Länder wie Finnland oder Kanada zeigten, dass gemeinsames Lernen ohne frühe Selektion zu besseren Bildungsergebnissen führe.
Diese Länder investierten konsequent in Chancengerechtigkeit und erzielten dadurch sowohl bessere Leistungen als auch eine gerechtere Verteilung der Bildungschancen.
Die SPÖ formuliert klare Erwartungen an zukünftige Bildungsreformen:
Die Bildungsdebatte in Österreich wird sich in den kommenden Monaten intensivieren. Die verschiedenen politischen Parteien haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie das Bildungssystem reformiert werden soll.
Während die SPÖ auf Chancengerechtigkeit und gemeinsames Lernen setzt, verfolgen andere Parteien teilweise andere Ansätze. Diese Diskussion wird auch die kommenden Wahlkämpfe prägen.
Himmer hat mit seinen Ausführungen deutlich gemacht, dass die SPÖ bereit ist, konstruktiv an Bildungsreformen mitzuarbeiten – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass diese tatsächlich zu mehr Gerechtigkeit im Bildungssystem führen.