Die gute Nachricht einmal vorweg: In Österreich sind die Sportwetten-Gewinne steuerfrei – dies deshalb, weil es sich um eine nicht steuerpflichtige Einkunftsart handelt. Mit derselben Begründung könnte man auch auf Deutschland verweisen, doch beim nördlichen Nachbar sieht die Sache – zum Nachteil der Spieler – aber ganz anders aus. Verzichtet der Staat Österreich nämlich auf die sogenannte Wettsteuer, so wird diese sehr wohl in Deutschland auf gewonnene Wetten eingehoben. Auch wenn es viele Anbieter von Sportwetten gibt, die diese Steuer übernehmen, so gibt es sehr wohl aber auch Buchmacher, bei denen der Kunde die Wettsteuer von seinem Gewinn bezahlen muss. Aber wer jetzt glaubt, dass Anbieter, die die Wettsteuer übernehmen, das bessere Angebot haben, der irrt – übernimmt der Anbieter nämlich die Kosten, die durch die Wettsteuer verursacht werden, so hat das selbstverständlich Auswirkungen auf die zur Verfügung gestellten Quoten. Diese sind, verglichen etwa mit den Quoten österreichischer Anbieter, wesentlich unattraktiver.
Österreich – ein Paradies für Wettbegeisterte?
Natürlich war die Fußball-WM in Russland für die Wettindustrie der absolute Höhepunkt des Jahres 2018. Sind
jetzt Sportwetten aber noch immer attraktiv? Ja – schlussendlich stehen wieder die zahlreichen nationalen Meisterschaften inklusive hochkarätigen Partien (Deutsche Bundesliga, Serie A, Premier League und dergleichen), die nationalen Cup-Bewerbe und auch die internationalen Turniere (Europa League, Champions League) auf dem Programm. Schlussendlich sind Sportwetten auch deshalb so beliebt, weil man nicht nur auf das Ergebnis wetten kann, sondern auch während der Partie noch sein Geld platzieren darf – so etwa, wer das nächste Tor schießt oder wann das nächste Tor fällt. Aber nicht nur Live-Wetten werden immer beliebter – die Tatsache, dass pro Partie um die 100 unterschiedlichsten Wetten abgegeben werden, garantiert, dass hier jeder eine Wette für sich finden wird. Folgt man etwa der Analyse der Kreutzer, Fischer & Partner Beratung, so lag der Umsatz im vergangenen Jahr – nur im Sportwettenbereich – bei 1,7 Milliarden Euro.
Das ist, vor allem mit Blick auf die Rahmenbedingungen in Österreich, auch keine Überraschung. Wird das klassische Glücksspiel in Österreich nämlich in der Regel mit relativ hohen Abgaben belegt, so zeigt sich im Bereich der Sportwetten ein komplett anderes Bild. Es gibt kaum Abgaben und Steuern auf die Wettumsätze. Nur bei den Spielautomaten gibt es eine Ausnahme. Einerseits deshalb, weil die Umsatzsteuer in diesem Bereich bei 20 Prozent liegt, andererseits auch aufgrund der Tatsache, dass noch eine Glücksspielabgabe an den Bund abgegeben werden muss – inklusive Aufschlag der jeweiligen Bundesländer. Gibt man hingegen einen Sportwetten-Tipp ab, so liegt die Glücksspielabgabe bei gerade einmal 16 Prozent. Die Konzessionsabgabe berechnet sich zudem anhand des Bruttowettumsatzes. Zudem ist keine Wettsteuer, wie das etwa in Deutschland der Fall ist, zu bezahlen. Es scheint also tatsächlich so, als wäre Österreich das Paradies für Wettbegeisterte.
Die gesetzliche Ungleichbehandlung kann jedoch nicht sachlich gerechtfertigt werden
In Österreich sind Sportwetten immer von der Glücksspielabgabe befreit. Dies deshalb, weil sie in Österreich – zumindest aus rechtlicher Sicht –
nicht als Glücksspiel gelten. So kam der Verwaltungsgerichtshof zu dem Ergebnis, dass es nicht nur Zufall ist, wie ein Sportwettbewerb ausgeht, sondern sehr wohl beeinflussbare Faktoren, wie etwa das Talent, eine Rolle spielen. Somit kann die Glücksspielabgabe auch gar nicht greifen. Doch wieso werden Toto, Lotto oder beispielsweise auch Poker anders als Sportwetten behandelt? Vorwiegend geht es um das extrem hohe Sozialschädlichkeitspotential – der Meinung ist beispielsweise auch der Verfassungsgerichtshof. An dieser Stelle kann sehr wohl gesagt werden, dass es in Österreich keine sachliche Rechtfertigung für diese gesetzliche Ungleichbehandlung gibt.