Oberösterreichischer Motorenhersteller will operatives Geschäft in Tochtergesellschaft abspalten – Hauptversammlung entscheidet im April
Die Steyr Motors AG strukturiert sich um: Der operative Betrieb soll in eine neue Tochtergesellschaft ausgegliedert werden, während die AG zur strategischen Führungsholding wird.
Der oberösterreichische Motorenhersteller Steyr Motors AG steht vor einem weitreichenden Konzernumbau. Wie das Unternehmen am Montag in einer Ad-hoc-Mitteilung bekanntgab, hat der Vorstand einen Grundsatzbeschluss gefasst, den gesamten operativen Geschäftsbetrieb in eine neu zu gründende, hundertprozentige Tochtergesellschaft auszugliedern. Die börsennotierte Steyr Motors AG soll künftig als reine Führungs- und Steuerungsholding fungieren.
Die geplante Umstrukturierung soll im Wege einer sogenannten Abspaltung zur Aufnahme erfolgen – ein Verfahren, das im österreichischen Spaltungsgesetz geregelt ist. Bei diesem Prozess werden bestimmte Vermögensteile eines Unternehmens auf eine andere Gesellschaft übertragen, während das ursprüngliche Unternehmen weiter besteht. Im Fall der Steyr Motors AG bedeutet das konkret: Das operative Motorengeschäft wandert in eine neue Tochtergesellschaft, die AG selbst bleibt als Dachgesellschaft erhalten.
Die Zustimmung des Aufsichtsrats zum Grundsatzbeschluss des Vorstands wird laut Mitteilung in den kommenden Tagen erwartet. Die finale Entscheidung liegt jedoch bei den Aktionären: Die ordentliche Hauptversammlung am 10. April 2026 muss der Umstrukturierung zustimmen, damit diese rechtswirksam werden kann.
Mit der Trennung von Holding- und operativem Geschäft verfolgt die Steyr Motors AG mehrere strategische Ziele. Im Zentrum steht die Schaffung struktureller Voraussetzungen für die weitere Umsetzung der Wachstums- und Expansionsstrategie des Unternehmens. Besonders im Hinblick auf geplante Akquisitionen sowie den Ausbau neuer Geschäftsfelder und technologischer Lösungen soll die neue Struktur Vorteile bringen.
Die Holdingstruktur ermöglicht dem Unternehmen zudem eine klarere Governance-Struktur innerhalb der gesamten Unternehmensgruppe. Dies ist bei internationalen Expansionen und komplexen Konzernstrukturen von erheblicher Bedeutung, da Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege eindeutiger geregelt werden können.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Umstrukturierung betrifft die Finanzierungsseite. Die neue Konzernstruktur soll flexiblere Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen und durch ein gruppenweites Treasury – also eine zentrale Finanzsteuerung – bessere Konditionen bei Banken und Kapitalgebern ermöglichen. Große Konzerne profitieren häufig von solchen Strukturen, da sie Liquidität innerhalb der Gruppe effizienter verteilen und Finanzierungskosten optimieren können.
Darüber hinaus plant Steyr Motors die Einrichtung zentraler Shared-Services für die gesamte Unternehmensgruppe. Dabei handelt es sich um gebündelte Dienstleistungen wie Buchhaltung, IT oder Personalverwaltung, die von einer zentralen Stelle aus für alle Konzerngesellschaften erbracht werden. Durch diese Bündelung erhoffen sich Unternehmen typischerweise Effizienzgewinne und Kosteneinsparungen.
Ein bemerkenswerter Aspekt der geplanten Neustrukturierung betrifft den Umgang mit immateriellen Vermögenswerten. Laut der Ad-hoc-Mitteilung sollen wesentliche IP-Rechte (Intellectual Property) und sogenanntes Schlüsselvermögen künftig strukturell vom operativen Geschäft getrennt und in separaten Gesellschaften gehalten werden.
Diese Strategie ist in der Unternehmenswelt durchaus verbreitet und dient mehreren Zwecken: Zum einen können Patente, Markenrechte und andere immaterielle Vermögenswerte in einer separaten Gesellschaft besser geschützt werden – etwa im Fall einer Insolvenz des operativen Geschäfts. Zum anderen ermöglicht eine solche Trennung eine klarere Bewertung und gegebenenfalls separate Verwertung dieser oft sehr wertvollen Assets.
Für die Aktionäre der Steyr Motors AG kündigte das Unternehmen an, weitere Details zur geplanten Umstrukturierung im Rahmen des Spaltungsberichts zu veröffentlichen. Dieser Bericht, den der Vorstand erstellen muss, wird zusammen mit der Einberufung zur ordentlichen Hauptversammlung veröffentlicht und enthält üblicherweise eine ausführliche Darstellung und Begründung der geplanten Maßnahme sowie deren wirtschaftliche und rechtliche Auswirkungen.
Die Steyr Motors AG mit Sitz in Steyr, Oberösterreich, ist ein Hersteller von Spezialmotoren und blickt auf eine lange industrielle Tradition zurück. Das Unternehmen ist sowohl an der Wiener Börse (Vienna MTF) als auch im Frankfurter Freiverkehr (Scale) notiert. Die Aktien werden unter der ISIN AT0000A3FW25 gehandelt.
Die angekündigte Umstrukturierung deutet darauf hin, dass das Management des Unternehmens einen aktiven Wachstumskurs verfolgt und sich für potenzielle Zukäufe sowie den Eintritt in neue Geschäftsfelder rüsten möchte. Die Holdingstruktur gilt in der Wirtschaft als bewährtes Modell für Unternehmen, die mehrere Geschäftsbereiche unter einem Dach vereinen oder durch Akquisitionen wachsen wollen.
Die Veröffentlichung der Information erfolgte als Insiderinformation gemäß Artikel 17 der EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR). Diese Verordnung verpflichtet börsennotierte Unternehmen, kursrelevante Informationen unverzüglich zu veröffentlichen, um allen Marktteilnehmern einen gleichzeitigen Zugang zu wichtigen Unternehmensnachrichten zu gewährleisten.
Die Mitteilung wurde im Auftrag der Steyr Motors AG durch CEO Julian Cassutti veröffentlicht. Anleger und Interessierte können sich bei Fragen an die Investor-Relations-Abteilung des Unternehmens wenden.
Mit der Hauptversammlung am 10. April 2026 steht ein entscheidender Termin für die Zukunft der Steyr Motors AG bevor. Die Aktionäre werden dann über die vorgeschlagene Konzernstruktur abstimmen und damit die Weichen für die weitere Entwicklung des oberösterreichischen Motorenherstellers stellen.
Bis dahin werden der Spaltungsbericht und weitere Unterlagen erwartet, die den Aktionären eine fundierte Entscheidungsgrundlage bieten sollen. Die Zustimmung des Aufsichtsrats in den kommenden Tagen wird dabei ein erster wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur neuen Konzernstruktur sein.