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Studierende zahlen 51% mehr Miete: Grüne fordern Taten statt Versprechen

14. April 2026 um 13:52
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Die finanzielle Situation österreichischer Studierender spitzt sich dramatisch zu. Eine heute präsentierte IHS-Studie zur sozialen Lage offenbart alarmierende Zahlen: Seit 2015 sind die Wohnkosten ...

Die finanzielle Situation österreichischer Studierender spitzt sich dramatisch zu. Eine heute präsentierte IHS-Studie zur sozialen Lage offenbart alarmierende Zahlen: Seit 2015 sind die Wohnkosten um massive 51 Prozent gestiegen. Gleichzeitig müssen Studierende durchschnittlich 20 Stunden pro Woche arbeiten, um überhaupt über die Runden zu kommen. Die Grünen-Politikerin Sigi Maurer sieht darin einen "lauten Weckruf" und fordert Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner zum sofortigen Handeln auf.

Wohnkosten explodieren: Studierende als Verlierer der Mietpreisentwicklung

Die Zahlen der IHS-Sozialerhebung zeichnen ein erschütterndes Bild der studentischen Lebenswirklichkeit in Österreich. Mit einem Anstieg der Wohnkosten um 51 Prozent seit 2015 liegen Studierende deutlich über dem allgemeinen Mietpreisniveau, das im gleichen Zeitraum "nur" um etwa 35 Prozent gestiegen ist. Diese Entwicklung trifft besonders jene hart, die ohnehin bereits mit geringen finanziellen Mitteln auskommen müssen.

Zum Vergleich: In Deutschland stiegen die durchschnittlichen Mietpreise für Studierendenwohnungen im gleichen Zeitraum um etwa 28 Prozent, in der Schweiz um 15 Prozent. "Die Mieten fressen die Budgets der Studierenden gnadenlos auf", kritisiert die stellvertretende Grünen-Klubobfrau Sigi Maurer die Entwicklung. Besonders in Wien und anderen Universitätsstädten wie Graz, Salzburg und Innsbruck haben sich die Mietpreise zu einer existenziellen Bedrohung für das Studium entwickelt.

Studierendenheimförderung bleibt unerfüllt

Ein besonders brisanter Punkt ist die noch immer nicht umgesetzte Studierendenheimförderung, die bereits im Regierungsprogramm verankert wurde. Diese sollte eigentlich dazu beitragen, die Wohnsituation zu entspannen und leistbaren Wohnraum zu schaffen. Derzeit stehen in Österreich etwa 65.000 Studierendenheimplätze zur Verfügung – bei rund 380.000 Studierenden. Das bedeutet, dass nur etwa 17 Prozent aller Studierenden überhaupt die Chance auf einen geförderten Heimplatz haben.

Erwerbstätigkeit als Studienkiller: Wenn das Studium zur Nebensache wird

Die hohe Erwerbsquote unter Studierenden ist laut Maurer "kein Zeichen von Flexibilität, sondern bittere finanzielle Notwendigkeit". Durchschnittlich 20 Stunden pro Woche müssen österreichische Studierende arbeiten, um ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Diese Zahl hat sich seit der letzten Erhebung 2019 um weitere drei Stunden erhöht.

Die Konsequenzen sind gravierend: Studierende, die mehr als 15 Stunden pro Woche arbeiten müssen, benötigen im Durchschnitt 1,8 Semester länger für ihr Studium. Dies führt zu einem Teufelskreis aus längeren Studienzeiten, höheren Gesamtkosten und verstärktem psychischen Druck. Etwa 42 Prozent der erwerbstätigen Studierenden geben an, dass ihre Berufstätigkeit negative Auswirkungen auf ihre Studienleistungen hat.

Soziale Herkunft entscheidet über Bildungschancen

Besonders problematisch ist die Tatsache, dass die finanzielle Belastung soziale Ungleichheit verstärkt. Studierende aus einkommensschwachen Familien sind deutlich häufiger auf Erwerbstätigkeit angewiesen. Während Kinder von Akademikerfamilien durchschnittlich 12 Stunden pro Woche arbeiten, sind es bei Studierenden aus Arbeiterfamilien 28 Stunden. Diese "vererbten Bildungschancen" gefährden laut Maurer die soziale Gerechtigkeit an österreichischen Hochschulen grundlegend.

Mensa-Preise als Spiegelbild der Teuerung

Auch die Verpflegungskosten belasten Studierende zunehmend. Das angekündigte 5-Euro-Mensa-Menü wird von den Grünen als "erstes positives Signal" bewertet, reiche aber bei weitem nicht aus. Derzeit kostet ein Hauptgericht in österreichischen Mensen durchschnittlich zwischen 6,50 und 8,50 Euro – für viele Studierende bereits eine erhebliche finanzielle Belastung.

"Viele Studierende können sich ein warmes, gesundes Essen schlicht nicht mehr leisten", so Maurer. Die seit fast einem Jahr bestehende Arbeitsgruppe zur Mensapreisgestaltung müsse endlich konkrete Ergebnisse liefern. Zum Vergleich: In Deutschland zahlen Studierende durchschnittlich 3,50 Euro für ein Mensamenü, in Frankreich sogar nur 3,30 Euro dank staatlicher Subventionen.

IHS-Sozialerhebung als Grundlage für Hochschulpolitik

Die IHS-Sozialerhebung ist die umfassendste Studie zur sozialen Lage von Studierenden in Österreich und wird alle drei Jahre durchgeführt. Das Institut für Höhere Studien (IHS) befragt dabei repräsentativ etwa 47.000 Studierende zu ihrer finanziellen Situation, ihren Lebensumständen und ihrem Studienverlauf. Die Erhebung gilt als wichtigste Datengrundlage für hochschulpolitische Entscheidungen.

Die aktuellen Daten basieren auf Erhebungen aus dem Jahr 2023 und zeigen deutlich die Auswirkungen der Inflation und der gestiegenen Lebenshaltungskosten auf die Studierendenschaft. Erstmals seit Beginn der Erhebungen ist ein so dramatischer Anstieg der Wohnkosten dokumentiert worden.

Vergleich mit anderen Bundesländern

Besonders stark betroffen sind Studierende in Wien, Salzburg und Innsbruck, wo die Mietpreise überdurchschnittlich gestiegen sind. In Graz und Linz ist die Situation etwas entspannter, aber auch hier liegen die Wohnkosten deutlich über dem Niveau von 2015. Studierende in kleineren Universitätsstädten wie Krems oder Eisenstadt haben hingegen noch verhältnismäßig moderate Mietpreise zu tragen.

Politische Reaktionen und Forderungen

Die Grünen sehen in den Studienergebnissen eine klare Aufforderung zum Handeln. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) steht besonders in der Kritik, da ihre Partei im Wahlkampf das Thema leistbares Wohnen prominent beworben hatte. "Im Wahlkampf hat die SPÖ plakatiert, dass Wohnen wieder leistbar werden muss – doch bei den Studierenden kommt davon absolut nichts an", kritisiert Maurer scharf.

Die Forderungen der Grünen umfassen konkrete Maßnahmen: eine sofortige Umsetzung der Studierendenheimförderung, eine dauerhafte Senkung der Mensapreise und eine Reform der Studienbeihilfe, die an die gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst wird. Zudem sollten mehr geförderte Studierendenwohnplätze geschaffen werden.

Internationale Vorbilder für Studierendenpolitik

Andere europäische Länder zeigen, dass eine bessere Unterstützung von Studierenden möglich ist. In Dänemark erhalten alle Studierenden eine staatliche Grundsicherung von etwa 900 Euro monatlich, unabhängig vom Einkommen der Eltern. In Frankreich sind die Studiengebühren für EU-Bürger praktisch abgeschafft, und die Mensen werden stark subventioniert. Deutschland hat mit dem BAföG ein System, das zumindest teilweise an die Inflation angepasst wird.

Auswirkungen auf die österreichische Hochschullandschaft

Die prekäre finanzielle Situation der Studierenden hat weitreichende Folgen für das gesamte Hochschulsystem. Längere Studienzeiten belasten nicht nur die Studierenden selbst, sondern auch die Universitäten, die mit Überfüllung und Ressourcenknappheit kämpfen. Gleichzeitig führt die soziale Selektion zu einem Verlust an Talenten und Diversität in der Studierendenschaft.

Experten warnen vor einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft" im Hochschulbereich, in der nur noch Studierende aus wohlhabenden Familien uneingeschränkt studieren können. Dies widerspricht dem Grundsatz der Bildungsgerechtigkeit und könnte langfristig die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit Österreichs schwächen.

Zukunftsperspektiven und notwendige Reformen

Um die Situation zu verbessern, sind umfassende Reformen notwendig. Neben der Schaffung von mehr leistbarem Wohnraum müsste auch das System der Studienförderung grundlegend überarbeitet werden. Die Grünen fordern eine automatische Anpassung der Studienbeihilfe an die Inflation und eine Erhöhung der Einkommensgrenzen für Förderberechtigte.

Langfristig könnte eine Grundfinanzierung für alle Studierenden nach dänischem Vorbild eine Lösung darstellen. Dies würde nicht nur die finanzielle Belastung reduzieren, sondern auch die Studienzeiten verkürzen und die Studienqualität verbessern. Allerdings würde eine solche Reform erhebliche budgetäre Mittel erfordern.

Rolle der Universitäten bei der Unterstützung

Auch die Universitäten selbst sind gefordert, ihre Studierenden besser zu unterstützen. Flexible Studienmodelle, die Berufstätigkeit und Studium besser vereinbaren lassen, könnten eine Entlastung bringen. Manche Hochschulen experimentieren bereits mit Abendstudien oder modularen Studienformen, die erwerbstätigen Studierenden entgegenkommen.

Die heute präsentierten Zahlen der IHS-Sozialerhebung sind ein deutlicher Auftrag an die Politik, endlich zu handeln. Wie Sigi Maurer betont: "Die Daten liegen auf dem Tisch. Was jetzt folgen muss, sind konkrete Taten statt bloßer politischer Absichtserklärungen." Die Studierenden warten nicht mehr auf Versprechen, sondern auf messbare Verbesserungen ihrer Lebenssituation. Ob die Regierung diesen Auftrag ernst nimmt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen müssen.

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