Am 7. November 2025 wurde in Wien die Nominierung für den „Werbeschmäh des Jahres“ bekannt gegeben, eine Initiative von foodwatch Österreich, die erneut die Aufmerksamkeit auf die dreistesten Täuschungstricks der Lebensmittelindustrie lenkt. Diese jährliche Wahl ermöglicht es Konsument:innen, über d
Am 7. November 2025 wurde in Wien die Nominierung für den „Werbeschmäh des Jahres“ bekannt gegeben, eine Initiative von foodwatch Österreich, die erneut die Aufmerksamkeit auf die dreistesten Täuschungstricks der Lebensmittelindustrie lenkt. Diese jährliche Wahl ermöglicht es Konsument:innen, über die fragwürdigsten Mogelpackungen und irreführenden Werbeversprechen abzustimmen. Bis zum 8. Dezember 2025 können Stimmen abgegeben werden, bevor der Gewinner des Negativpreises feierlich verkündet wird.
Die diesjährigen Finalisten sind eindrucksvolle Beispiele dafür, wie kreativ die Industrie beim Verschleiern der wahren Produktqualität sein kann. Zu den Nominierten gehört die Kapselvariante von Nescafé Dolce Gusto Nesquik, die durch überhöhte Preise und ein massives Müllproblem auffällt. Jede Tasse erzeugt eine nicht recycelbare Kapsel aus Kunststoff-Aluminium-Verbund, was zu unnötigen Kosten und erheblichem Verpackungsabfall führt.
Ein weiteres Beispiel ist der GAMERS ONLY Energydrink, der mit bunten Verpackungen und Comic-Helden gezielt Kinder und Jugendliche anspricht. Diese Gruppe ist besonders gefährdet durch die hohen Koffeinkonzentrationen, die Angstzustände und Schlafprobleme verursachen können. Die Gefahr einer Überdosierung ist hoch, da das Pulver selbst angerührt wird.
Auch der Kult-Keks Lotus Biscoff hat es in die Liste geschafft. Hier wurde die Verpackung geschrumpft, während der Preis gleich blieb, was einer Preissteigerung von 25 Prozent pro Kilo entspricht. Diese versteckte Preiserhöhung, bekannt als Shrinkflation, wird nirgendwo transparent gekennzeichnet.
Der Mautner Markhof Sirup+ Immunbooster verspricht eine Stärkung des Immunsystems, besteht jedoch zu zwei Dritteln aus Zucker. Die zugesetzten Vitamine und Mineralstoffe werden nur im Kleingedruckten erwähnt, während der übermäßige Zuckerkonsum gesundheitliche Risiken birgt.
Zu guter Letzt steht der NÖM Pro Cottage Cheese, der als „High Protein“ vermarktet wird, jedoch weniger Eiweiß enthält als andere, günstigere Produkte. Konsument:innen zahlen hier vor allem für das Image.
Die Täuschung von Konsument:innen hat eine lange Geschichte. Bereits in den 1950er Jahren begannen Unternehmen, ihre Produkte mit irreführenden Versprechen zu bewerben. Mit der Einführung von Verbraucherschutzgesetzen in den 1970er Jahren wurde der Druck auf die Industrie erhöht, transparenter zu agieren. Dennoch finden Unternehmen immer wieder neue Wege, um die gesetzlichen Regelungen zu umgehen und Konsument:innen zu täuschen.
In den letzten Jahren hat die Digitalisierung neue Möglichkeiten eröffnet, um Produkte zu bewerben. Social Media und Influencer-Marketing haben die Reichweite von Werbebotschaften enorm vergrößert, was es Unternehmen erleichtert, ihre Produkte in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Dies macht es für Konsument:innen schwieriger, zwischen wahrer Qualität und Marketingtricks zu unterscheiden.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz zeigt sich, dass Österreich in Sachen Verbraucherschutz recht gut aufgestellt ist. In Deutschland gibt es ähnliche Initiativen wie den „Goldenen Windbeutel“, der von der Verbraucherorganisation Foodwatch verliehen wird. Die Schweiz hingegen hat strengere Vorschriften bezüglich der Kennzeichnung von Lebensmitteln, was es schwieriger macht, Konsument:innen zu täuschen.
Dennoch gibt es in allen drei Ländern ähnliche Herausforderungen, wenn es um die Aufklärung der Konsument:innen geht. Die Lebensmittelindustrie ist kreativ und findet immer wieder neue Wege, um ihre Produkte als besser darzustellen, als sie tatsächlich sind.
Die Auswirkungen der Täuschungstricks auf die Konsument:innen sind vielfältig. Zum einen führt die Irreführung zu finanziellen Mehrbelastungen, da Konsument:innen für Produkte bezahlen, die nicht den beworbenen Versprechen entsprechen. Zum anderen kann die Täuschung auch gesundheitliche Folgen haben, insbesondere wenn Produkte als gesund beworben werden, obwohl sie hohe Mengen an Zucker oder Fett enthalten.
Ein weiteres Problem ist das zunehmende Misstrauen der Konsument:innen gegenüber der Lebensmittelindustrie. Viele Menschen fühlen sich durch die ständigen Täuschungen betrogen und sind skeptisch gegenüber den Versprechen der Unternehmen. Dies kann dazu führen, dass Konsument:innen verstärkt auf regionale und biologische Produkte setzen, die als vertrauenswürdiger gelten.
Statistiken zeigen, dass der Markt für Energydrinks in Österreich stetig wächst. Laut einer Studie aus dem Jahr 2024 konsumieren rund 30 Prozent der Jugendlichen regelmäßig Energydrinks, was die potenziellen gesundheitlichen Risiken verdeutlicht. Auch der Trend zu proteinreichen Lebensmitteln hält an, obwohl viele dieser Produkte nicht die versprochenen Nährwerte bieten.
Die Shrinkflation ist ein weiteres Phänomen, das in den letzten Jahren zugenommen hat. Untersuchungen zeigen, dass in Österreich etwa 20 Prozent der Lebensmittelprodukte von versteckten Preiserhöhungen betroffen sind. Dies belastet die Haushaltsbudgets der Konsument:innen zusätzlich.
In Zukunft ist zu erwarten, dass der Druck auf die Lebensmittelindustrie weiter zunehmen wird. Verbraucherorganisationen wie foodwatch werden weiterhin eine wichtige Rolle bei der Aufklärung der Konsument:innen spielen. Auch die Politik ist gefordert, strengere Regelungen einzuführen, um die Transparenz zu erhöhen und die Täuschung der Konsument:innen zu verhindern.
Ein möglicher Ansatz wäre die Einführung von verpflichtenden Kennzeichnungen, die es den Konsument:innen erleichtern, die tatsächliche Qualität eines Produkts zu erkennen. Auch die Förderung von Bildungsprogrammen könnte dazu beitragen, das Bewusstsein der Konsument:innen für die Tricks der Industrie zu schärfen.
Der „Werbeschmäh des Jahres“ ist eine wichtige Initiative, um die Aufmerksamkeit auf die Täuschungstricks der Lebensmittelindustrie zu lenken. Konsument:innen haben die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben und so ein Zeichen gegen irreführende Werbung zu setzen. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Abstimmung finden Sie auf der Webseite von foodwatch Österreich.
Wie stehen Sie zu den Täuschungstricks der Lebensmittelindustrie? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren oder besuchen Sie die Plattform www.das-regt-mich-auf.at, um Produkte zu nominieren, die Sie besonders ärgern.