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Tankstellen-Aufstand gegen Regierung: Margen-Stopp bedroht kleine Betriebe

20. März 2026 um 13:55
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Die österreichische Tankstellenbranche schlägt Alarm: Die von der Bundesregierung geplante Margenbeschränkung für Treibstoffe stößt auf massiven Widerstand. Während Autofahrer über hohe Spritpreise

Die österreichische Tankstellenbranche schlägt Alarm: Die von der Bundesregierung geplante Margenbeschränkung für Treibstoffe stößt auf massiven Widerstand. Während Autofahrer über hohe Spritpreise klagen, warnen Tankstellenbetreiber vor existenzbedrohenden Folgen einer staatlichen Preisregulierung. Rebecca Kirchbaumer, Obfrau des Fachverbandes Garagen, Tankstellen und Serviceunternehmen in der Wirtschaftskammer Österreich, macht am 17. Dezember 2024 deutlich: "Eine Margenbeschränkung würde die ohnehin prekäre Situation weiter verschärfen." Die Kritik trifft auf eine Regierung, die nach Lösungen für die Teuerung sucht, dabei aber möglicherweise die komplexe Struktur des Tankstellenmarktes übersieht.

Das Geschäft mit dem Sprit: Wer verdient wirklich?

Um die Tragweite der geplanten Margenbeschränkung zu verstehen, muss man zunächst die Struktur des österreichischen Tankstellenmarktes durchleuchten. Das Bild des profitgierigen Tankstellenbetreibers, der sich an hohen Spritpreisen bereichert, entspricht nicht der Realität. Die österreichische Tankstellenlandschaft wird maßgeblich von zwei Betreibertypen geprägt: Pächtertankstellen und Eigentümertankstellen.

Pächtertankstellen sind Agenturpartner großer Mineralölkonzerne wie OMV, Shell, BP oder Total. Diese Betreiber sind keine Preissetzer, sondern erhalten eine fixe Provision vom jeweiligen Konzern. Diese Provision beträgt lediglich 1 bis 1,5 Cent pro verkauftem Liter Treibstoff – ein Betrag, der seit Jahren nahezu unverändert geblieben ist, während sich die Betriebskosten kontinuierlich erhöht haben.

Eigentümertankstellen hingegen sind meist kleine, regional verankerte Unternehmen, die ihre Preise grundsätzlich selbst gestalten können. Diese Betriebe müssen jedoch ihre Lieferverträge zuverlässig bedienen und haben trotz theoretischer Preisautonomie nur begrenzten wirtschaftlichen Spielraum, da drastische Preiserhöhungen am Markt nicht durchsetzbar sind.

Die Kostenfalle: Wenn Einnahmen stagnieren, Ausgaben aber steigen

Das Kernproblem der Pächtertankstellen liegt in der strukturellen Ungleichgewichtung zwischen Einnahmen und Kosten. Während die Provision pro Liter fix bleibt, explodieren die umsatzabhängigen Kosten. Besonders betroffen sind:

  • Gebühren für Kartenzahlungen: Bei einem durchschnittlichen Tankvorgang von 50 Euro fallen etwa 1,5 bis 2 Prozent Gebühren an – das sind 75 Cent bis 1 Euro pro Tankfüllung
  • Versicherungsprämien: Diese orientieren sich am Umsatz und steigen proportional zu den Treibstoffpreisen
  • Betriebliche Abgaben: Verschiedene Steuern und Gebühren, die sich am Umsatz bemessen
  • Personalkosten: Steigende Löhne bei gleichbleibenden Margen
  • Energiekosten: Strom für Zapfsäulen, Beleuchtung und Kühlsysteme

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das Dilemma: Verkauft eine Pächtertankstelle täglich 5.000 Liter Treibstoff, erhält sie bei 1,2 Cent Provision pro Liter gerade einmal 60 Euro Bruttoeinnahmen. Davon müssen alle Betriebskosten, Gehälter und Investitionen finanziert werden.

Österreich im europäischen Vergleich: Hohe Steuerlast drückt Margen

Ein Blick auf die Zusammensetzung der Treibstoffpreise in Österreich zeigt, wo die eigentlichen Stellschrauben liegen. Bei einem Literpreis von 1,50 Euro für Superbenzin entfallen etwa:

  • 45-50 Cent auf Steuern und Abgaben (Mineralölsteuer, Mehrwertsteuer)
  • 10-15 Cent auf CO₂-Bepreisung
  • 80-85 Cent auf den reinen Produktpreis (Rohöl, Raffinerie, Transport)
  • Nur 2-5 Cent auf die Handelsmarge

Im Vergleich zu Deutschland liegt Österreich bei der Steuerlast im oberen Bereich. Während deutsche Autofahrer etwa 65 Cent Steuern pro Liter Benzin zahlen, sind es in Österreich rund 48 Cent Mineralölsteuer plus Mehrwertsteuer und CO₂-Kosten. In der Schweiz, die nicht EU-Mitglied ist, beträgt die Mineralölsteuer nur etwa 40 Cent pro Liter.

Die CO₂-Bepreisung als zusätzliche Belastung

Seit der Einführung der CO₂-Bepreisung in Österreich im Jahr 2022 ist eine weitere Kostenkomponente hinzugekommen. Der CO₂-Preis von derzeit 45 Euro pro Tonne entspricht etwa 10 Cent pro Liter Benzin. Diese Kosten werden vollständig an die Verbraucher weitergegeben, belasten aber indirekt auch die Tankstellen durch reduzierte Nachfrage und höhere administrative Aufwendungen.

Wirtschaftliche Auswirkungen einer Margenbeschränkung

Eine staatlich verordnete Margenbeschränkung würde verschiedene negative Folgen für die österreichische Energieversorgung haben. Experten warnen vor einer Marktverzerrung, die letztendlich den Verbrauchern schaden könnte.

Versorgungssicherheit in Gefahr: Wenn Tankstellen nicht mehr rentabel betrieben werden können, droht eine Ausdünnung des Tankstellennetzes. Besonders in ländlichen Gebieten, wo Tankstellen oft die letzten Nahversorger sind, könnte dies gravierende Folgen haben. Bereits heute ist die Anzahl der Tankstellen in Österreich von über 3.500 in den 1990er Jahren auf etwa 2.700 gesunken.

Arbeitsplätze bedroht: Die österreichische Tankstellenbranche beschäftigt rund 25.000 Menschen. Eine weitere Verschlechterung der Ertragslage würde Arbeitsplätze gefährden, insbesondere in kleineren Betrieben, die keine Reserven haben.

Investitionsstau befürchtet: Tankstellen müssen kontinuierlich in moderne Technologie investieren – von umweltfreundlicheren Zapfsäulen bis hin zu Elektroladesäulen. Bei reduzierten Margen werden diese Investitionen aufgeschoben oder unterbleiben ganz, was der Energiewende schadet.

Internationale Erfahrungen mit Preisregulierung

Andere Länder haben bereits Erfahrungen mit Eingriffen in den Treibstoffmarkt gemacht. In Frankreich führte eine ähnliche Regulierung in den 1980er Jahren zu einem drastischen Rückgang der Tankstellenzahl. Italien versuchte es mit Höchstpreisen, was zu Versorgungsengpässen führte. Diese Beispiele zeigen, dass staatliche Eingriffe in Marktmechanismen oft unerwünschte Nebeneffekte haben.

Alternative Lösungsansätze: Steuersenkungen statt Margendeckel

Rebecca Kirchbaumer und die Wirtschaftskammer schlagen konkrete Alternativen zur geplanten Margenbeschränkung vor. "Die einzig vernünftige und nachhaltige Stellschraube ist die massive Senkung von Steuern, Abgaben und CO₂-Kosten", betont die Fachverbandsobfrau.

Temporäre Steuersenkung: Eine befristete Reduktion der Mineralölsteuer um 10 Cent pro Liter würde Autofahrer direkt entlasten, ohne die Marktmechanismen zu zerstören. Deutschland hat während der Corona-Pandemie gezeigt, dass solche Maßnahmen schnell umsetzbar sind.

CO₂-Steuer-Pause: Eine temporäre Aussetzung oder Reduktion der CO₂-Bepreisung würde den Spritpreis um etwa 10 Cent pro Liter senken. Dies wäre sozial gerechter als eine Margenbeschränkung, da alle Verbraucher profitieren würden.

Mehrwertsteuer-Reform: Eine Reduktion der Mehrwertsteuer auf Treibstoffe von 20 auf 10 Prozent würde die Preise um etwa 12-15 Cent pro Liter senken und dem Staat trotzdem noch erhebliche Einnahmen belassen.

Langfristige Strukturreformen notwendig

Über Sofortmaßnahmen hinaus fordert die Branche strukturelle Reformen. Dazu gehört eine grundsätzliche Überprüfung der Abgabenbelastung auf Treibstoffe. Österreich könnte sich an Ländern wie Luxemburg orientieren, wo niedrigere Steuern zu einem lebhaften Tanktourismus führen – allerdings mit negativen Umweltfolgen.

Ein weiterer Reformansatz betrifft die Transparenz der Preisbildung. Viele Verbraucher verstehen nicht, dass der Großteil des Spritpreises aus Steuern besteht. Eine bessere Aufklärung über die Preiskomponenten könnte das Verständnis für die Situation der Tankstellenbetreiber fördern.

Zukunftsperspektiven: Elektromobilität als Herausforderung und Chance

Die Diskussion um Treibstoffpreise und Margen findet vor dem Hintergrund der Energiewende statt. Bis 2030 sollen in Österreich eine Million Elektrofahrzeuge fahren. Dies stellt Tankstellen vor neue Herausforderungen, bietet aber auch Chancen.

Tankstellen müssen sich zu Energiestationen wandeln, die sowohl fossile Treibstoffe als auch Strom anbieten. Diese Transformation erfordert massive Investitionen: Eine Schnellladestation kostet zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Bei bereits heute knappen Margen wird diese Investition schwieriger.

Andererseits bietet die Elektromobilität neue Geschäftsmodelle. Während des Ladevorgangs haben Kunden mehr Zeit für Einkäufe im Tankstellen-Shop. Dies könnte die rückläufigen Margen im Treibstoffgeschäft kompensieren.

Regionale Unterschiede in der Betroffenheit

Eine Margenbeschränkung würde nicht alle Regionen Österreichs gleich treffen. In städtischen Gebieten mit hoher Tankstellendichte ist die Konkurrenz bereits intensiv, die Margen entsprechend gering. Hier könnte eine weitere Beschränkung zu Geschäftsaufgaben führen.

In ländlichen Gebieten, wo Tankstellen oft Monopolstellungen haben, scheint eine Regulierung auf den ersten Blick sinnvoller. Doch gerade diese Standorte sind oft weniger rentabel, da sie geringere Umsätze pro Zapfsäule haben. Eine Margenbeschränkung könnte hier zu einer weiteren Ausdünnung der Infrastruktur führen.

Politische Reaktionen und weitere Entwicklungen

Die Kritik der Wirtschaftskammer an der geplanten Margenbeschränkung dürfte in der Politik nicht ungehört bleiben. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass verschiedene Parteien unterschiedliche Positionen zu diesem Thema einnehmen. Während Konsumentenschützer staatliche Eingriffe befürworten, warnen Wirtschaftsexperten vor den negativen Folgen.

Die Regierung steht vor einem Dilemma: Einerseits will sie die Bürger bei den hohen Energiekosten entlasten, andererseits darf sie die Funktionsfähigkeit der Märkte nicht gefährden. Eine ausgewogene Lösung zu finden, die sowohl Verbraucher als auch Unternehmen berücksichtigt, wird eine der größten wirtschaftspolitischen Herausforderungen der kommenden Monate.

Experten erwarten, dass die endgültige Entscheidung über die Margenbeschränkung noch im ersten Quartal 2025 fallen wird. Bis dahin wird die Branche weiter Druck auf die Politik ausüben, alternative Lösungswege zu prüfen. Die Diskussion zeigt exemplarisch, wie komplex moderne Wirtschaftspolitik geworden ist: Einfache Lösungen für komplexe Probleme gibt es selten, und jeder Eingriff in Marktmechanismen kann unerwartete Folgen haben.

Für Österreichs Autofahrer bleibt abzuwarten, ob die Politik den Rat der Tankstellenbetreiber befolgt und statt einer Margenbeschränkung auf Steuersenkungen setzt. Nur dann könnte eine echte Entlastung erreicht werden, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.

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