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Thermen-Boom: 1,5 Milliarden Euro Wertschöpfung für Österreich

24. März 2026 um 07:50
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Ein wegweisender Branchengipfel im steirischen Bad Waltersdorf hat eindrucksvoll demonstriert, welche Wirtschaftsmacht hinter Österreichs Thermen steckt. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner und hoc

Ein wegweisender Branchengipfel im steirischen Bad Waltersdorf hat eindrucksvoll demonstriert, welche Wirtschaftsmacht hinter Österreichs Thermen steckt. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner und hochrangige Tourismusvertreter würdigten bei der Generalversammlung der Initiative Therme Plus die beeindruckende Leistungsbilanz einer Branche, die mit 1,5 Milliarden Euro jährlicher Wertschöpfung zu den tragenden Säulen des heimischen Tourismus zählt. Mit 38 Mitgliedern vereint die Interessensvertretung die namhaftesten Thermen- und Wellnessresorts des Landes – von der traditionsreichen Römertherme Baden bis hin zu modernen Wellness-Oasen in allen neun Bundesländern.

Thermenlandschaft als Jobmotor für ganz Österreich

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Knapp 10 Millionen Eintritte verzeichnen Österreichs Thermen jährlich und sichern damit 17.700 Arbeitsplätze direkt in der Branche. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn die Wertschöpfungseffekte strahlen weit in die umliegenden Regionen aus. Hotels, Restaurants, Einzelhandel und Dienstleister profitieren gleichermaßen von den Thermenbesuchern, die durchschnittlich 2,3 Tage in der Region verweilen.

Klaus Hofmann, Obmann der Initiative Therme Plus und Geschäftsführer der VAMED Vitality World, betont die volkswirtschaftliche Bedeutung: „Thermen sind die Seilbahnen der Bäder – andere Branchen können viel lernen!" Diese griffige Metapher verdeutlicht, wie Thermen als Frequenzbringer für ganze Destinationen fungieren. Während Seilbahnen den Wintertourismus in den Alpen antreiben, sorgen Thermen ganzjährig und wetterunabhängig für stabile Besucherströme.

Regionale Wertschöpfung im Detail

Die 1,5 Milliarden Euro Wertschöpfung verteilen sich keineswegs gleichmäßig über das Land, sondern konzentrieren sich auf thermenreiche Regionen. Die Steiermark mit ihrer Vielzahl an Thermal- und Vulkanlandthermen führt dabei die Liste an, gefolgt vom Burgenland mit seinen traditionsreichen Heilbädern und Niederösterreich mit Standorten wie Baden und Bad Vöslau. Oberösterreich punktet mit der beliebten EurothermenWelt Bad Schallerbach, während Salzburg mit der Alpentherme Gastein internationale Gäste anzieht.

Ein detaillierter Blick auf die Beschäftigungsstruktur zeigt, dass Thermen besonders viele Arbeitsplätze für ungelernte und angelernte Kräfte bieten. Von Reinigungspersonal über Bademeister bis hin zu Wellness-Therapeuten entsteht ein breites Spektrum an Berufsmöglichkeiten. Gleichzeitig investieren die Betreiber massiv in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter, da der Wellness- und Gesundheitstourismus höchste Servicestandards erfordert.

Staatssekretärin verspricht Rückenwind aus Wien

Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, zuständig für Energie, Startups und Tourismus, unterstrich bei ihrem Besuch in Bad Waltersdorf die strategische Bedeutung der Thermenbranche: „Österreichs Thermen sind unverzichtbare Infrastruktur für den Tourismus." Besonders hervor hob sie dabei den Präventionsaspekt – Thermen bieten der österreichischen Bevölkerung niederschwellige Gesundheitsangebote zwischen Wellness und medizinischer Vorsorge.

Diese Doppelfunktion als touristische Attraktion und Gesundheitsdienstleister macht Thermen zu einem Sonderfall im österreichischen Wirtschaftsgefüge. Während klassische Freizeiteinrichtungen primär der Unterhaltung dienen, erfüllen Thermen gleichzeitig eine gesellschaftliche Aufgabe in der Gesundheitsförderung. Balneologie, die Wissenschaft der Bäderheilkunde, hat in Österreich eine jahrhundertealte Tradition und findet heute ihre moderne Fortsetzung in wissenschaftlich fundierten Wellness- und Therapieangeboten.

Energiewende als Chance für Thermenbranche

Besonders interessant wurde es, als Zehetner konkrete Unterstützung bei der Energiewende zusagte. Thermen sind naturgemäß energieintensive Betriebe – die Beheizung großer Wasserflächen, die Klimatisierung weitläufiger Anlagen und der Betrieb technischer Infrastruktur erfordern erhebliche Energiemengen. Gleichzeitig verfügen viele Thermalbetriebe bereits über natürliche Energiequellen in Form von Thermalwasser und geothermischen Potentialen.

Die Staatssekretärin versprach „Erleichterungen bei der Selbstversorgung" und ermutigt die Branche, verstärkt auf erneuerbare Energien zu setzen. Dies könnte sich als Wettbewerbsvorteil erweisen, da energieautarke Thermen weniger anfällig für Preisschwankungen bei fossilen Brennstoffen sind und gleichzeitig ihr Nachhaltigkeitsprofil schärfen können.

Österreich Werbung setzt auf Thermen als Exportschlager

Sandra Neukart, Chief Operating Officer der Österreich Werbung, brachte die internationale Perspektive ins Spiel: „Von den jährlichen Nächtigungen in Österreich fallen mehr als zwei Prozent auf die Thermenresorts." Diese scheinbar bescheidene Zahl gewinnt an Bedeutung, wenn man bedenkt, dass Österreich jährlich rund 150 Millionen Nächtigungen verzeichnet. Über drei Millionen Übernachtungen allein in Thermenresorts entsprechen der Gesamtnächtigung kleinerer Tourismusdestinationen.

Besonders wertvoll sind Thermengäste aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Aufenthaltsdauer und Ausgabenbereitschaft. Während der österreichische Tourismus-Durchschnitt bei etwa 3,2 Nächtigungen pro Ankunft liegt, bleiben Thermengäste oft eine Woche oder länger. Sie buchen häufiger Zusatzleistungen wie Massagen, Kosmetikbehandlungen oder kulinarische Specials und tragen damit überproportional zur lokalen Wertschöpfung bei.

Qualitätsstandards als Alleinstellungsmerkmal

Neukart hob besonders die „hohen Maßstäbe in puncto Servicequalität" hervor, die österreichische Thermen von der internationalen Konkurrenz abheben. Diese Qualitätsorientierung ist kein Zufall, sondern Ergebnis jahrzehntelanger Professionalisierung. Österreichische Thermenresorts müssen strenge hygienische und medizinische Standards erfüllen, ihre Mitarbeiter regelmäßig schulen und ihre Anlagen kontinuierlich modernisieren.

Im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Ländern liegt Österreich bei der Thermendichte deutlich vorn. Während Deutschland mit seiner zehnmal größeren Bevölkerung nur etwa doppelt so viele Thermen betreibt, hat die Schweiz trotz ähnlicher geografischer Voraussetzungen weniger als die Hälfte der österreichischen Thermenkapazitäten. Diese Konzentration schafft Synergien und ermöglicht es österreichischen Betreibern, sich als führende Wellness-Destination zu positionieren.

Branchenforderungen: Steuern runter, Förderungen rauf

Trotz der positiven Bilanz sieht sich die Thermenbranche mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Klaus Hofmann formulierte drei zentrale Anliegen: Entlastung bei den Energiekosten, Mehrwertsteuersenkung analog zur Hotellerie sowie Unterstützung bei Ausbildungs- und Arbeitsmarktoffensiven.

Die Energiekostenfrage ist besonders brisant. Während andere Branchen ihre Produktion bei hohen Energiepreisen drosseln können, müssen Thermen ihre Becken konstant auf Temperatur halten. Ein durchschnittliches Thermalbad verbraucht pro Jahr etwa so viel Energie wie 200 Einfamilienhäuser. Bei den aktuellen Energiepreisen kann dies Mehrkosten von mehreren hunderttausend Euro pro Jahr bedeuten.

Mehrwertsteuer-Diskussion mit politischer Brisanz

Die geforderte Mehrwertsteuersenkung auf das Niveau der Hotellerie (10 statt 20 Prozent) würde nicht nur die Betreiber entlasten, sondern auch die Attraktivität für preissensible Gäste steigern. Derzeit zahlen Thermengäste auf Eintrittskarten den vollen Mehrwertsteuersatz, während Hotelübernachtungen begünstigt besteuert werden. Diese Ungleichbehandlung benachteiligt Day-Spa-Besucher gegenüber mehrtägigen Hotelgästen.

Arbeitsmarktexperten sehen in der Thermenbranche erhebliches Potential für die Integration von Quereinsteigern und langzeitarbeitslosen Personen. Viele Tätigkeiten erfordern keine langjährige Ausbildung, bieten aber stabile Beschäftigungsverhältnisse und Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig kämpft die Branche mit dem allgemeinen Fachkräftemangel, besonders bei spezialisierten Positionen wie Bademeistern oder Physiotherapeuten.

Gesundheitstourismus als Zukunftsmarkt

Die Integration von Wellness und medizinischer Betreuung eröffnet österreichischen Thermen neue Marktchancen. Medical Wellness, die Kombination aus entspannender Erholung und präventiven Gesundheitsleistungen, entwickelt sich zum Wachstumssegment. Kooperationen mit Krankenkassen, Ärzten und Physiotherapeuten erweitern das Leistungsspektrum und erschließen neue Zielgruppen.

Dr. Oliver Fritz vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO präsentierte bei der Generalversammlung aktuelle Markttrends. Besonders interessant: Die Nachfrage nach mehrtägigen Gesundheitsaufenthalten steigt kontinuierlich, während klassische Tagesgäste stagnieren. Dies deutet auf eine Premiumisierung des Segments hin – Gäste sind bereit, mehr zu investieren, erwarten dafür aber auch höhere Qualität und umfassendere Leistungen.

Demographischer Wandel als Wachstumstreiber

Der demographische Wandel spielt der Thermenbranche in die Hände. Eine alternde Gesellschaft legt verstärkt Wert auf Gesundheitsvorsorge und hat gleichzeitig mehr Zeit und finanzielle Mittel für entsprechende Angebote. Die Babyboomer-Generation, die in den kommenden Jahren in Pension geht, gilt als kaufkräftige Zielgruppe für Premium-Wellness-Angebote.

Gleichzeitig erobern Thermen neue Zielgruppen. Junge Erwachsene entdecken Wellness als Gegenpol zum stressigen Berufsalltag, Familien schätzen die Verbindung aus Entspannung und kindgerechten Angeboten. Diese Diversifizierung reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Gästesegmenten und stabilisiert die Auslastung über das ganze Jahr.

Digitalisierung und Innovation in der Thermenlandschaft

Die Digitalisierung verändert auch die Thermenbranche grundlegend. Online-Buchungssysteme, mobile Apps für Reservierungen und kontaktlose Bezahlsysteme sind längst Standard. Innovative Betreiber experimentieren mit Virtual Reality-Entspannungsangeboten, KI-gestützter Ernährungsberatung und personalisierten Wellness-Programmen basierend auf Gesundheitsdaten.

Martin Schaffer von mrp hotels, der ebenfalls bei der Generalversammlung sprach, betonte die Bedeutung der digitalen Gästereise. Bereits die Inspiration und Planung eines Thermenbesuchs findet heute überwiegend online statt. Soziale Medien, Bewertungsportale und Influencer-Marketing prägen das Buchungsverhalten der Gäste entscheidend mit.

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor

Nachhaltigkeit entwickelt sich vom Nice-to-have zum Must-have. Gäste erwarten zunehmend umweltfreundliche Betriebskonzepte, regionale Verpflegung und sozial verantwortliches Handeln. Fortschrittliche Thermenbetreiber investieren in Photovoltaik-Anlagen, Geothermie-Systeme und nachhaltige Architektur. Diese Investitionen zahlen sich nicht nur durch Kosteneinsparungen aus, sondern stärken auch das Markenimage.

Der Vergleich mit skandinavischen Ländern zeigt das Potential nachhaltiger Thermenkonzepte. In Finnland und Island gehören geothermisch beheizte Bäder seit Jahrzehnten zum Alltag. Österreichische Betreiber können von diesen Erfahrungen profitieren und innovative Konzepte für den heimischen Markt adaptieren.

Ausblick: Thermen als Säule der österreichischen Tourismusstrategie

Die Generalversammlung in Bad Waltersdorf hat gezeigt, dass die österreichische Thermenbranche selbstbewusst in die Zukunft blickt. Mit 38 Mitgliedern in der Initiative Therme Plus verfügt sie über eine schlagkräftige Interessensvertretung, die sowohl auf politischer als auch auf wirtschaftlicher Ebene Gehör findet. Die Zusagen von Staatssekretärin Zehetner und die Unterstützung der Österreich Werbung schaffen günstige Rahmenbedingungen für weitere Investitionen und Innovationen.

Besonders vielversprechend ist die geplante engere Vernetzung der Mitgliedsbetriebe. Gemeinsame Marketingaktionen, Erfahrungsaustausch und koordinierte Qualitätsstandards können die Position Österreichs als führende Thermen-Destination weiter stärken. Die Branche plant außerdem verstärkte internationale Vermarktung, insbesondere in den deutschen und schweizerischen Nachbarmärkten.

Die Herausforderungen bleiben dennoch beträchtlich: Energiekosten, Fachkräftemangel und verschärfter Wettbewerb erfordern kontinuierliche Anstrengungen. Doch die Grundlagen stimmen – eine stabile Nachfrage, politische Unterstützung und innovative Betreiber schaffen beste Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum. Mit ihrer einzigartigen Kombination aus Erholung, Gesundheit und touristischer Attraktivität bleiben Österreichs Thermen ein unverzichtbarer Baustein der heimischen Wirtschaft.

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