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Am 9. April 2026 öffnet das TierQuarTier Wien seine Türen für einen besonderen Abend: Dr. Stefanie Handl, eine der führenden Expertinnen für Tierernährung in Österreich, wird über die richtige Ernährung von Hund und Katze referieren. In einer Zeit, in der Tierhalter von Marketing-Botschaften und widersprüchlichen Ernährungstrends regelrecht überschwemmt werden, verspricht der Vortrag wissenschaftlich fundierte Antworten auf brennende Fragen. Was steckt wirklich hinter Begriffen wie "getreidefrei" oder "Premium-Qualität"? Und wie erkennen Tierbesitzer hochwertiges Futter im Dschungel der Angebote?
Der österreichische Heimtierfuttermarkt ist in den letzten Jahren explosionsartig gewachsen. Laut aktuellen Branchenzahlen geben österreichische Haushalte jährlich über 400 Millionen Euro für Tierfutter aus - Tendenz stark steigend. Allein in Wien leben nach Schätzungen der Veterinärmedizinischen Universität etwa 150.000 Hunde und 200.000 Katzen, die täglich versorgt werden müssen.
Doch mit dem wachsenden Markt steigt auch die Verwirrung der Konsumenten. Premiumfutter bezeichnet in der Futtermittelindustrie keine geschützte Qualitätskategorie, sondern lediglich eine Marketing-Positionierung. Hersteller können diese Bezeichnung frei verwenden, ohne dass konkrete Qualitätsstandards erfüllt werden müssen. Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff "hoher Fleischanteil" - hier fehlen einheitliche Definitionen, was zu unterschiedlichen Interpretationen führt.
Der Trend zu getreidefreiem Futter hat in den letzten fünf Jahren massiv an Fahrt aufgenommen. Viele Tierhalter glauben, dass Getreide grundsätzlich schädlich für ihre Vierbeiner sei. Diese Annahme basiert oft auf der Übertragung menschlicher Ernährungstrends auf Tiere. Getreidefreies Futter bedeutet jedoch nicht automatisch bessere Qualität. Hunde können Kohlenhydrate aus Getreide durchaus verwerten, da sie im Laufe der Evolution Enzyme zur Stärkeverdauung entwickelt haben. Katzen hingegen sind obligate Carnivoren (reine Fleischfresser) und benötigen einen deutlich höheren Proteinanteil in ihrer Nahrung.
Problematisch wird es, wenn getreidefreie Futter durch andere Kohlenhydratquellen wie Kartoffeln oder Hülsenfrüchte ersetzt werden, die für manche Tiere schwerer verdaulich sein können. Zudem sind getreidefreie Futtermittel meist deutlich teurer, ohne zwangsläufig einen ernährungsphysiologischen Mehrwert zu bieten.
Die moderne Tierernährungsforschung hat in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Ernährungsbedingte Erkrankungen bei Haustieren können durch optimale Futterzusammensetzung verhindert oder behandelt werden. Diabetes bei Katzen, Nierenkrankheiten oder Allergien lassen sich durch spezielle Diätfuttermittel erfolgreich managieren.
Dr. Stefanie Handl, die am 9. April im TierQuarTier referiert, ist eine Pionierin auf diesem Gebiet. Als Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik - ein Titel, den in Österreich nur wenige Veterinäre tragen - hat sie sich auf die Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten spezialisiert. Ihre Futterambulanz in Wien gilt als Anlaufstelle für komplexe Ernährungsfragen, wenn herkömmliche Ansätze nicht mehr greifen.
Während Hunde als Allesfresser (Omnivoren) eine gewisse Flexibilität in ihrer Ernährung zeigen, sind Katzen hochspezialisierte Jäger. Sie benötigen bestimmte Aminosäuren wie Taurin, die ausschließlich in tierischem Gewebe vorkommen. Ein Taurinmangel führt bei Katzen zu schweren Herzproblemen und kann sogar zum Tod führen. Deshalb ist Katzenfutter grundsätzlich nicht für Hunde geeignet - es ist zu protein- und fettreich. Umgekehrt kann Hundefutter bei Katzen zu Mangelerscheinungen führen.
Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt im Wasserhaushalt. Katzen haben einen geringen Durstreflex, da sie in der Natur den Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs über Beutetiere decken. Nassfutter ist daher für Katzen oft die bessere Wahl als Trockenfutter, insbesondere zur Vorbeugung von Harnwegserkrankungen.
Die Entscheidung zwischen Trocken- und Nassfutter beschäftigt jeden Tierhalter. Beide Fütterungsformen haben ihre Berechtigung, abhängig von den individuellen Bedürfnissen des Tieres. Trockenfutter ist praktisch, haltbar und oft kostengünstiger. Es kann zur Zahnreinigung beitragen, ersetzt aber nicht die professionelle Zahnpflege. Der hohe Energiegehalt macht es für aktive Hunde ideal, kann aber bei weniger aktiven Tieren zu Übergewicht führen.
Nassfutter punktet mit höherem Wassergehalt und meist besserer Akzeptanz. Es ist oft weniger verarbeitet und kommt der natürlichen Beute näher. Allerdings ist es teurer und nach dem Öffnen nur begrenzt haltbar. Viele Tierernährungsexperten empfehlen eine Kombination beider Fütterungsarten, um die Vorteile zu nutzen.
Diätfuttermittel sind keine Lifestyle-Produkte, sondern speziell entwickelte Nahrungsmittel zur Unterstützung der Behandlung bestimmter Erkrankungen. Sie unterliegen strengeren Auflagen als herkömmliches Futter und sollten nur nach tierärztlicher Anweisung verwendet werden. Bei Nierenkrankheiten beispielsweise wird der Phosphorgehalt reduziert, um die Organe zu entlasten. Allergiker-Futter enthält nur wenige, hypoallergene Proteinquellen.
Die Wirksamkeit solcher Spezialfutter ist wissenschaftlich belegt. Studien zeigen, dass bei chronischer Niereninsuffizienz bei Katzen die Lebenserwartung durch entsprechende Diätfutter um durchschnittlich zwei Jahre verlängert werden kann.
Das TierQuarTier Wien, 2014 als eines der modernsten Tierheime Europas eröffnet, versteht sich zunehmend als Kompetenzzentrum für verantwortliche Tierhaltung. Die 7.000 Quadratmeter große Anlage in der Süßenbrunner Straße beherbergt nicht nur Tiere auf der Suche nach einem neuen Zuhause, sondern fungiert auch als Bildungseinrichtung.
Betriebsleiter Thomas Benda betont die gesellschaftliche Verantwortung der Einrichtung: Die Zahl der abgegebenen Tiere steigt kontinuierlich, oft auch aufgrund von Haltungsfehlern oder Überforderung der Besitzer. Durch präventive Aufklärung sollen solche Probleme von vornherein vermieden werden.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz ist Österreich bei der tierärztlichen Weiterbildung im Bereich Ernährung gut aufgestellt. Die Veterinärmedizinische Universität Wien gilt als führende Ausbildungsstätte für Tierernährung im deutschsprachigen Raum. Dennoch gibt es österreichweit nur etwa 20 Fachtierärzte für Ernährung und Diätetik - bei über 80.000 registrierten Hunden allein in Wien ein klares Missverhältnis.
In der Schweiz ist die Dichte an Ernährungsexperten höher, was sich auch in strengeren Futtermittelkontrollen niederschlägt. Deutschland wiederum setzt verstärkt auf digitale Beratungsangebote, um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen.
Beim Futterkauf sollten Tierhalter zunächst auf die Zutatenliste achten. Diese ist nach Gewicht sortiert - die erste Zutat macht den größten Anteil aus. "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" ist eine unspezifische Angabe, während "65% Huhn (bestehend aus 35% Hühnerbrustfleisch, 20% Hühnerleber, 10% Hühnerherz)" deutlich mehr Transparenz bietet.
Die Fütterungsempfehlungen des Herstellers sind Richtwerte, die an das individuelle Tier angepasst werden müssen. Faktoren wie Alter, Aktivitätslevel, Kastrationsstatus und Gesundheitszustand beeinflussen den Energiebedarf erheblich. Eine regelmäßige Gewichtskontrolle hilft, die Futtermenge optimal anzupassen.
Plötzliche Futterverweigung, häufiges Erbrechen, Durchfall oder starke Gewichtsschwankungen können Hinweise auf ernährungsbedingte Probleme sein. Auch übermäßiges Trinken bei Trockenfutter-Katzen oder ständiger Hunger trotz ausreichender Futtermenge sollten tierärztlich abgeklärt werden.
Futtermittelallergien sind seltener als oft angenommen - nur etwa 1-2% aller Hunde und Katzen sind betroffen. Häufiger sind Futtermittelintoleranzen, die sich durch Verdauungsprobleme äußern. Eine professionelle Ausschlussdiät unter tierärztlicher Begleitung ist der Goldstandard zur Diagnose.
Die Tierernährungsbranche steht vor großen Veränderungen. Nachhaltigkeit wird zunehmend wichtiger - Insektenprotein als alternative Eiweißquelle wird bereits in ersten Produkten eingesetzt. Personalisierte Ernährung basierend auf Gentests oder Mikrobiom-Analysen ist in der Entwicklung, aber noch nicht marktreif.
Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für Tierwohl auch in der Futterproduktion. Fleisch aus artgerechter Haltung wird verstärkt nachgefragt, auch wenn es den Preis in die Höhe treibt. Experten prognostizieren, dass sich der Heimtiernahrungsmarkt in den nächsten zehn Jahren stark diversifizieren wird.
Apps zur Ernährungsberatung für Haustiere sind bereits verfügbar, können aber die individuelle Beratung durch Fachexperten nicht ersetzen. Sie eignen sich als Ergänzung für grundlegende Fragen, bei komplexen Problemen führt kein Weg an der persönlichen Beratung vorbei.
Der Vortrag von Dr. Stefanie Handl am 9. April 2026 im TierQuarTier Wien verspricht, Licht in den Dschungel der Tierernährung zu bringen. Anmeldungen sind bereits über die Website des TierQuarTiers möglich. Für alle, die ihren vierbeinigen Familienmitgliedern das Beste bieten möchten, ist diese Veranstaltung eine wertvolle Gelegenheit, wissenschaftlich fundiertes Wissen aus erster Hand zu erhalten. Denn am Ende geht es um mehr als nur Futter - es geht um die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer treuen Begleiter.