Es ist ein Tag des Innehaltens, ein Tag des Gedenkens und der Erinnerung an eine der dunkelsten Epochen unserer Geschichte. Am 1. August 2025 fanden sich zahlreiche hochrangige Persönlichkeiten und Vertreter des öffentlichen Lebens am Friedhof der Roma und Sinti in Lackenbach ein, um der während des
Es ist ein Tag des Innehaltens, ein Tag des Gedenkens und der Erinnerung an eine der dunkelsten Epochen unserer Geschichte. Am 1. August 2025 fanden sich zahlreiche hochrangige Persönlichkeiten und Vertreter des öffentlichen Lebens am Friedhof der Roma und Sinti in Lackenbach ein, um der während des Nationalsozialismus ermordeten Roma und Romnja, Sinti und Sintizze zu gedenken. Diese Veranstaltung, die einen Tag vor dem nationalen Gedenktag stattfand, unterstreicht die Bedeutung der Erinnerungskultur in Österreich.
Lackenbach, ein Name, der für viele vielleicht unbekannt klingt, trägt eine schwere historische Last. Von 1940 bis 1945 befand sich hier das größte „Anhaltelager“ für Roma, Romnja, Sinti und Sintizze in Österreich. Tausende Menschen wurden von hier in das Ghetto von Łódź, auch bekannt als Litzmannstadt, und später ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Viele von ihnen fanden den Tod, und ihre Geschichten blieben lange Zeit ungehört.
Innenminister Gerhard Karner betonte in seiner Rede die Wichtigkeit der Gedenkkultur, insbesondere in der heutigen Zeit, wo Diskriminierung und Rassismus immer noch präsent sind. „Die Ermordung von hunderttausenden Roma und Sinti durch das Verbrechensregime der Nationalsozialisten muss uns Mahnung sein, wohin Diskriminierung und Rassismus führen können. Das entschlossene Eintreten gegen derartige Entwicklungen und ihre Folgen ist gerade heute von besonderer Aktualität“, erklärte er.
Die Kranzniederlegung wurde von der Polizeimusik Burgenland musikalisch begleitet, was der Veranstaltung eine feierliche und zugleich nachdenkliche Atmosphäre verlieh. Unter den Anwesenden waren nicht nur politische Größen wie der ehemalige Bundeskanzler Franz Vranitzky, sondern auch Vertreter der Zivilgesellschaft und der Kultur, wie der Schriftsteller Michael Köhlmeier.
Um die Bedeutung von Lackenbach und den dortigen Ereignissen vollständig zu begreifen, ist ein Blick in die Geschichte unerlässlich. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Lager in Lackenbach errichtet, um Roma und Sinti zu internieren. Diese ethnische Gruppe wurde von den Nationalsozialisten systematisch verfolgt und ermordet. Der Holocaust, der sich gegen die jüdische Bevölkerung richtete, ist allgemein bekannt, doch die Verfolgung von Roma und Sinti ist weniger im öffentlichen Bewusstsein verankert.
Die Deportationen aus Lackenbach begannen 1941, als die Insassen in das Ghetto von Łódź gebracht wurden. Dieses Ghetto war eines der größten im von den Nazis besetzten Polen und diente als Übergangsstation in die Vernichtungslager. Viele der nach Auschwitz deportierten Roma und Sinti wurden dort ermordet.
Während Lackenbach das größte Lager in Österreich war, gab es auch in anderen Bundesländern ähnliche Einrichtungen. In Salzburg etwa befand sich ein weiteres Lager, und auch in Wien wurden Roma und Sinti verfolgt und deportiert. Der systematische Charakter dieser Verfolgung zeigt sich in der koordinierten Art und Weise, wie die Nazis vorgingen.
Die Erinnerung an die Verfolgung von Roma und Sinti ist nicht nur ein Akt der Gerechtigkeit gegenüber den Opfern, sondern auch eine Mahnung an die heutige Gesellschaft. Diskriminierung und Rassismus sind nach wie vor ein Problem, das es zu bekämpfen gilt. Der Gedenktag am 2. August soll nicht nur an die Vergangenheit erinnern, sondern auch dazu anregen, für eine gerechtere Zukunft zu kämpfen.
Ein Experte für Minderheitenrechte kommentiert: „Die Anerkennung des Leids der Roma und Sinti und das öffentliche Gedenken sind wichtige Schritte, um Vorurteile abzubauen und Integration zu fördern. Es ist entscheidend, dass Bildung und Aufklärung in diesem Bereich vorangetrieben werden.“
Die Frage, wie wir als Gesellschaft mit unserer Vergangenheit umgehen, ist entscheidend für die Gestaltung unserer Zukunft. Gedenkveranstaltungen wie die in Lackenbach sind ein wichtiger Bestandteil der österreichischen Erinnerungskultur. Sie tragen dazu bei, das Bewusstsein für historische Ungerechtigkeiten zu schärfen und eine Plattform für Dialog und Verständigung zu schaffen.
Auch die Rolle der Bildung ist hier zentral. Schulen und Bildungseinrichtungen sind aufgefordert, die Geschichte der Roma und Sinti in ihre Lehrpläne zu integrieren und so das Bewusstsein der kommenden Generationen zu schärfen. Nur durch das Verständnis der Vergangenheit können wir verhindern, dass sich solche Gräueltaten wiederholen.
Die österreichische Regierung hat die Verpflichtung, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zu bewahren und zu fördern. Dies umfasst nicht nur die Pflege von Gedenkstätten und Friedhöfen, sondern auch die Unterstützung von Bildungsinitiativen und Forschungsprojekten, die sich mit der Geschichte der Roma und Sinti auseinandersetzen.
Ein Regierungsvertreter bemerkte: „Wir müssen sicherstellen, dass die Schrecken der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten. Es ist unsere Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten und gleichzeitig aktiv gegen aktuelle Formen von Rassismus und Diskriminierung vorzugehen.“
Abschließend ist es wichtig, die Rolle der Zivilgesellschaft zu betonen. Jeder Einzelne kann einen Beitrag dazu leisten, Vorurteile abzubauen und eine inklusive Gesellschaft zu fördern. Die Geschichten der Roma und Sinti sollten nicht nur an Gedenktagen gehört werden, sondern das ganze Jahr über ein Teil unseres kollektiven Bewusstseins sein.
Die Veranstaltung in Lackenbach ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Erinnerungskultur gelebt werden kann. Es liegt an uns allen, diese Tradition fortzusetzen und dafür zu sorgen, dass die Opfer nicht vergessen werden.