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Eine neue Ära der internationalen Hochschulkooperation beginnt: Der österreichische Universitätsverbund TU Austria und Kanada haben ein wegweisendes Memorandum of Understanding unterzeichnet, das herausragenden Studierenden der technischen Universitäten Österreichs erstmals systematisch Forschungsaufenthalte an kanadischen Spitzenuniversitäten ermöglicht. Die am 15. Januar 2025 bekannt gegebene Vereinbarung im Rahmen des Globalink Research Internship-Programms markiert einen Meilenstein für die österreichische Wissenschaftslandschaft und eröffnet neue Perspektiven für die internationale Nachwuchsförderung.
Das Globalink Research Internship (GRI) ist ein internationales Programm der kanadischen Innovationsorganisation Mitacs, die als nationale Non-Profit-Organisation Forschungspartnerschaften zwischen Universitäten und der Industrie fördert. Mitacs wurde 1999 gegründet und hat sich zu einer der führenden Innovationsorganisationen Nordamerikas entwickelt. Das Unternehmen vernetzt jährlich über 4.000 Studierende und Postdoktoranden mit mehr als 1.400 Industriepartnern in ganz Kanada.
Die neue Kooperation zwischen TU Austria und dem kanadischen Programm ermöglicht es nun bis zu 13 österreichischen Studierenden pro Jahr, zwölfwöchige Forschungsaufenthalte an kanadischen Universitäten zu absolvieren. Diese Forschungspraktika werden vollständig durch Stipendien finanziert, die Reisekosten, Unterkunft und Lebenshaltungskosten abdecken. Die Stipendien haben einen Wert von etwa 9.000 kanadischen Dollar pro Teilnehmer, was umgerechnet rund 6.700 Euro entspricht.
Das Auswahlverfahren für das Globalink-Programm ist hochkompetitiv und mehrstufig gestaltet. Bewerben können sich Studierende aller technischen Universitäten, die Teil von TU Austria sind. Voraussetzung ist eine überdurchschnittliche akademische Leistung mit einem Notendurchschnitt von mindestens 2,0 im österreichischen System. Zusätzlich müssen Bewerber ausreichende Englischkenntnisse nachweisen und ein aussagekräftiges Motivationsschreiben einreichen, das ihre Forschungsinteressen und Karriereziele darlegt.
TU Austria wurde 2010 als strategische Allianz der führenden technischen Universitäten Österreichs gegründet. Die Gründungsmitglieder – die Technische Universität Wien, die Technische Universität Graz und die Montanuniversität Leoben – repräsentieren die österreichische Spitzenforschung in den Ingenieurswissenschaften. Seit 2025 verstärken drei weitere Institutionen als assoziierte Mitglieder die Allianz: die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), die Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Johannes Kepler Universität Linz und die Fakultät für Technische Wissenschaften der Universität Innsbruck.
Gemeinsam vertreten diese Universitäten mehr als 75.000 Studierende und über 8.000 wissenschaftliche Mitarbeiter. Das Jahresbudget der TU Austria-Universitäten beläuft sich auf mehr als 1,2 Milliarden Euro, wobei rund 35 Prozent für Forschungsaktivitäten aufgewendet werden. Der Verbund ist in über 500 internationale Kooperationsprojekte eingebunden und unterhält Partnerschaften mit mehr als 300 Universitäten weltweit.
Die TU Austria-Universitäten haben sich in verschiedenen Forschungsbereichen internationale Spitzenposition erarbeitet. Die TU Wien gilt als führend in der Informatik, Maschinenbau und Architektur, während die TU Graz besonders in der Fahrzeugtechnik und erneuerbaren Energien hervorsticht. Die Montanuniversität Leoben hat sich als Zentrum für Materialwissenschaften und Bergbautechnik etabliert. In internationalen Rankings belegen österreichische technische Universitäten regelmäßig Spitzenpositionen – die TU Wien rangiert im QS World University Ranking 2024 unter den Top 100 weltweit in mehreren technischen Disziplinen.
Kanada hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der attraktivsten Wissenschafts- und Forschungsstandorte weltweit entwickelt. Das Land investiert jährlich etwa 40 Milliarden kanadische Dollar in Forschung und Entwicklung, was rund 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Besonders stark ist Kanada in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Quantencomputing und Umwelttechnik positioniert.
Die kanadische Regierung hat mit Initiativen wie dem „Pan-Canadian Artificial Intelligence Strategy" und dem „Global Innovation Clusters" weltweite Aufmerksamkeit erregt. Universitäten wie die University of Toronto, die University of British Columbia und die McGill University gehören zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen. Kanada beherbergt außerdem die Hauptsitze international renommierter Technologieunternehmen und Start-ups, was den Studierenden zusätzliche Praktikums- und Karrieremöglichkeiten eröffnet.
Ähnliche Austauschprogramme existieren bereits mit anderen Ländern: Deutschland bietet durch den DAAD jährlich etwa 50.000 Stipendien für internationale Studierende, die Schweiz unterhält das Swiss Government Excellence Scholarship Program, und die USA fördern durch das Fulbright-Programm den akademischen Austausch. Die neue Kanada-Kooperation von TU Austria unterscheidet sich jedoch durch ihren spezifischen Fokus auf technische Disziplinen und die enge Verzahnung mit Industriepartnern.
Für österreichische Studierende eröffnet das Globalink-Programm völlig neue Perspektiven. Die Teilnehmer erhalten nicht nur Zugang zu modernster Forschungsinfrastruktur und internationalen Experten, sondern auch zu einem globalen Netzwerk, das ihre gesamte Karriere prägen kann. Alumni des Globalink-Programms berichten regelmäßig von deutlich verbesserten Berufschancen: Etwa 40 Prozent der ehemaligen Teilnehmer setzen ihre Studien im Ausland fort, und über 60 Prozent erhalten nach dem Abschluss Jobangebote von international tätigen Unternehmen.
Konkret profitieren die Studierenden von mehreren Aspekten: Sie arbeiten an cutting-edge Forschungsprojekten mit, die oft direkten Bezug zu industriellen Anwendungen haben. Sie erhalten Zugang zu Laboren und Technologien, die in dieser Form in Österreich möglicherweise nicht verfügbar sind. Gleichzeitig entwickeln sie interkulturelle Kompetenzen und Sprachfähigkeiten, die in einer globalisierten Arbeitswelt entscheidend sind.
Die zwölf Wochen in Kanada sind mehr als nur ein Forschungsaufenthalt – sie können zum Sprungbrett für eine internationale Karriere werden. Viele kanadische Universitäten bieten den Globalink-Teilnehmern direkten Zugang zu Masterprogrammen und Promotionsmöglichkeiten. Zusätzlich knüpfen die Studierenden Kontakte zu Professoren und Forschern, die später als Mentoren und Referenzen fungieren können.
Die neue Partnerschaft zwischen TU Austria und Kanada hat auch erhebliche wirtschaftliche Dimensionen. Der bilaterale Handel zwischen Österreich und Kanada belief sich 2023 auf etwa 1,2 Milliarden Euro, wobei besonders Maschinenbau, Umwelttechnik und pharmazeutische Produkte eine wichtige Rolle spielen. Österreichische Unternehmen wie Andritz, Voestalpine und Red Bull haben bereits erfolgreiche Niederlassungen in Kanada etabliert.
Die verstärkte wissenschaftliche Kooperation kann neue Geschäftsmöglichkeiten schaffen und den Technologietransfer zwischen beiden Ländern intensivieren. Erfahrungen aus ähnlichen Programmen zeigen, dass etwa 15 Prozent der Teilnehmer später Start-ups gründen oder in Forschungsabteilungen internationaler Konzerne arbeiten, wodurch langfristige Wirtschaftsbeziehungen entstehen.
Besonders vielversprechend ist die Kooperation in zukunftsträchtigen Bereichen wie der Digitalisierung, erneuerbaren Energien und nachhaltiger Mobilität. Österreich gilt als Vorreiter in der Umwelttechnik und hat mit Unternehmen wie Verbund, OMV und AVL List erfolgreiche Player in diesen Bereichen. Kanada wiederum ist führend in der Entwicklung von Wasserstofftechnologien und hat mit dem „Hydrogen Strategy for Canada" ehrgeizige Ziele gesetzt.
Die Kooperation fügt sich nahtlos in die europäische Forschungsstrategie ein. Im Rahmen von Horizon Europe, dem mit 95,5 Milliarden Euro ausgestatteten EU-Forschungsprogramm für den Zeitraum 2021-2027, sind internationale Partnerschaften ein zentraler Baustein. Österreich erhält aus diesem Programm jährlich etwa 800 Millionen Euro für Forschungsprojekte, wobei internationale Kooperationen bevorzugt gefördert werden.
Die Erfahrungen aus dem Globalink-Programm können direkt in größere Forschungsprojekte einfließen. Viele der kanadischen Universitäten sind bereits Partner in Horizon Europe-Konsortien, wodurch sich neue Möglichkeiten für gemeinsame Anträge und Projekte ergeben. Dies könnte mittelfristig zu einer Verdopplung der Forschungskooperationen zwischen österreichischen und kanadischen Universitäten führen.
Prof. Dr.-Ing. Jens Schneider, Präsident von TU Austria und Rektor der TU Wien, betont die strategische Bedeutung der Kooperation: "Internationale Kooperation ist ein zentraler Treiber für wissenschaftliche Exzellenz und Innovation. Das Globalink-Programm eröffnet unseren Studierenden die Möglichkeit, Forschung in einem internationalen Spitzenumfeld zu erleben und ihr Know-how global zu erweitern. Gleichzeitig stärken wir damit die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Kanada."
Kanadas Botschafterin Alison Grant sieht in der Vereinbarung einen wichtigen Schritt für die bilateralen Beziehungen: "Kanada ist stolz darauf, die internationale Forschungszusammenarbeit zu unterstützen und unsere Partnerschaft mit österreichischen akademischen Einrichtungen auszubauen. Programme wie Globalink werden den wissenschaftlichen Austausch zwischen Österreich und den führenden kanadischen Forschungsuniversitäten vertiefen und jungen Talenten aus Österreich die Möglichkeit bieten, langfristige wissenschaftliche Partnerschaften mit Kanada aufzubauen."
Die Unterzeichnung des Memorandum of Understanding ist erst der Anfang einer langfristigen Partnerschaft. Bereits für 2026 sind Gespräche über eine mögliche Erweiterung des Programms geplant. Diskutiert wird eine Aufstockung auf bis zu 25 Stipendien pro Jahr sowie die Einführung eines Gegenaustauschprogramms, das kanadischen Studierenden Forschungsaufenthalte in Österreich ermöglicht.
Darüber hinaus prüfen beide Seiten die Möglichkeit, das Programm auf Doktoranden und Postdocs auszuweiten. Ein solches "Advanced Globalink Program" könnte längerfristige Aufenthalte von sechs bis zwölf Monaten umfassen und sich auf gemeinsame Forschungsprojekte zwischen österreichischen und kanadischen Universitäten konzentrieren.
Die Kooperation mit Kanada könnte als Blaupause für ähnliche Abkommen mit anderen Ländern dienen. TU Austria führt bereits Gespräche mit Australien, Japan und Südkorea über vergleichbare Programme. Besonders vielversprechend sind Verhandlungen mit Singapur, das sich als Wissenschaftshub in Südostasien etabliert hat und erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung tätigt.
Die Erfahrungen aus dem Globalink-Programm werden wertvolle Erkenntnisse für die Gestaltung zukünftiger internationaler Austauschprogramme liefern. Dabei steht nicht nur die Quantität, sondern vor allem die Qualität der Kooperationen im Vordergrund – ein Ansatz, der bereits bei bestehenden TU Austria-Partnerschaften mit dem MIT, Stanford und der ETH Zürich erfolgreich praktiziert wird.
Diese wegweisende Kooperation zwischen Österreich und Kanada demonstriert eindrucksvoll, wie strategische Partnerschaften die Grenzen der nationalen Wissenschaftslandschaft erweitern und jungen Talenten neue Horizonte eröffnen können. Sie stärkt nicht nur die Position österreichischer Universitäten im internationalen Wettbewerb, sondern trägt auch dazu bei, die nächste Generation von Forschern und Innovatoren bestmöglich auf die Herausforderungen einer globalisierten Welt vorzubereiten.