Neue Studie untersucht Bewegungsmuster und Bedürfnisse älterer Menschen im Wiener Stadtteil – Teilnahme ab 60 Jahren möglich
Das aspern.mobil LAB der TU Wien startet eine Studie zur Mobilität von Menschen ab 60 Jahren in der Seestadt. Bewohner können sich aktiv beteiligen.
Die Technische Universität Wien nimmt die Mobilität älterer Menschen in aspern Seestadt unter die Lupe. Im Rahmen einer neuen Forschungsinitiative untersucht das aspern.mobil LAB, wie sich Seniorinnen und Senioren durch den Wiener Stadtteil bewegen, welche Orte sie aufsuchen und wo sie möglicherweise auf Hindernisse stoßen. Die Studie richtet sich an Personen ab 60 Jahren, die regelmäßig in der Seestadt unterwegs sind.
Mit zunehmendem Alter verändern sich nicht nur körperliche Fähigkeiten, sondern auch die Art und Weise, wie Menschen ihren Alltag gestalten und sich durch städtische Räume bewegen. Was für jüngere Bewohnerinnen und Bewohner selbstverständlich erscheint – ein kurzer Weg zum Supermarkt, das Überqueren einer belebten Straße oder das Warten an einer Haltestelle – kann für ältere Menschen zur Herausforderung werden.
"Seniorinnen und Senioren nutzen und erleben den Stadtraum anders. Mit dem Älterwerden ändern sich viele Routinen. Diese veränderten Bedürfnisse finden in der Stadtplanung jedoch oft noch zu wenig Gehör", erklärt Jakob Holzer, der die Studie an der TU Wien leitet. Diese Erkenntnis bildet den Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt, das im Auftrag der Wien 3420 aspern Development AG durchgeführt wird.
Die Seestadt im 22. Wiener Gemeindebezirk gilt als eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Auf einem ehemaligen Flugfeld entsteht seit Jahren ein komplett neuer Stadtteil, der einmal rund 25.000 Menschen Wohnraum und etwa ebenso vielen Arbeitsplätze bieten soll. Die Planung erfolgt dabei nicht nach starren Vorgaben, sondern wird kontinuierlich an die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner angepasst.
Genau hier setzt die aktuelle Studie an. Denn obwohl die Seestadt als modern und zukunftsorientiert gilt, stellt sich die Frage, ob sie auch für Menschen in allen Lebensphasen gleichermaßen gut funktioniert. Andreas Neisen, Projektleiter Mobilität der Wien 3420 aspern Development AG, bringt es auf den Punkt: "Mobilität ist ein Schlüssel für Lebensqualität – besonders auch im Alter."
Die Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren unterscheiden sich in mehreren Punkten von jenen jüngerer Stadtbewohner. Neisen nennt konkrete Beispiele: "Ältere Menschen haben andere Anforderungen an Wege, Aufenthaltsräume und Verkehrsmittel: Sicherheit, Barrierefreiheit, Übersichtlichkeit und kurze Distanzen gewinnen zunehmend an Bedeutung."
Diese Aspekte spielen im Alltag eine zentrale Rolle. Ein unebener Gehsteig, eine zu kurz bemessene Ampelphase oder fehlende Sitzmöglichkeiten können dazu führen, dass ältere Menschen bestimmte Wege meiden oder ganz auf selbstständige Mobilität verzichten. Die Folge: soziale Isolation und ein Verlust an Lebensqualität.
Die Studie des aspern.mobil LAB verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Die Forscherinnen und Forscher interessieren sich nicht nur dafür, welche Verkehrsmittel Seniorinnen und Senioren nutzen, sondern auch für die dahinterliegenden Beweggründe und Erfahrungen.
Im Mittelpunkt stehen folgende Fragestellungen:
Ein besonderes Merkmal der Studie ist ihr dialogorientiertes Design. Anstatt standardisierte Fragebögen auszufüllen, sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen, in persönlichen Gesprächen von ihren alltäglichen Erfahrungen zu berichten. Diese qualitative Herangehensweise ermöglicht es, auch jene Aspekte zu erfassen, die in herkömmlichen Befragungen oft untergehen.
Die aktuelle Studie reiht sich in eine Serie von Untersuchungen ein, die das aspern.mobil LAB in den vergangenen Jahren durchgeführt hat. Bereits zuvor haben die Forscherinnen und Forscher die Mobilitätsbedürfnisse junger Menschen in der Seestadt unter die Lupe genommen. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die weitere Entwicklung des Stadtteils ein.
Das aspern.mobil LAB fungiert dabei als Schnittstelle zwischen verschiedenen Akteuren: Bewohnerinnen und Bewohnern, Verwaltung, Unternehmen und Forschung. Ziel ist es, gemeinsam Mobilität nachhaltiger zu gestalten und Angebote zu entwickeln, die den tatsächlichen Alltagsroutinen und Bedürfnissen der Menschen entsprechen.
Die Ergebnisse der Studie sollen nicht in wissenschaftlichen Schubladen verschwinden, sondern konkrete Auswirkungen auf die Stadtplanung haben. Die Wien 3420 aspern Development AG, die für die Entwicklung der Seestadt verantwortlich ist, wird die Erkenntnisse nutzen, um Verbesserungsbedarf zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Das Ziel ist ambitioniert: Seniorinnen und Senioren sollen selbstständig und aktiv im Stadtteil unterwegs bleiben können – unabhängig von körperlichen Einschränkungen oder anderen altersbedingten Veränderungen. Dafür müssen sowohl die Infrastruktur als auch die verfügbaren Mobilitätsangebote auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe abgestimmt sein.
Die Forscherinnen und Forscher des aspern.mobil LAB suchen aktiv nach Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern. Teilnehmen können alle Personen ab 60 Jahren, die sich regelmäßig in der Seestadt aufhalten – sei es als Bewohnerin oder Bewohner, als Berufstätige oder als Besucherin oder Besucher des Stadtteils.
Die Interviews dauern etwa 30 Minuten und bieten Gelegenheit, von persönlichen Erfahrungen, alltäglichen Wegen und möglichen Barrieren zu erzählen. "Für die Teilnahme an der Forschung suchen wir Interviewpartnerinnen und Interviewpartner, welche uns von ihren alltäglichen Wegen und möglichen Barrieren in der Seestadt erzählen möchten", so Studienleiter Holzer.
Interessierte haben mehrere Möglichkeiten, sich für ein Interview anzumelden:
Weitere Informationen zur Studie finden sich auf der Website des aspern.mobil LAB unter www.mobillab.wien/senior_innenmobilitaet.
Die Studie zur Seniorenmobilität in der Seestadt hat Bedeutung über den konkreten Stadtteil hinaus. In einer alternden Gesellschaft – der Anteil der über 65-Jährigen in Österreich wird laut Prognosen bis 2050 auf rund 28 Prozent steigen – gewinnen Fragen der altersgerechten Stadtplanung zunehmend an Relevanz.
Aspern Seestadt kann dabei als Testfeld für Lösungen dienen, die später auch in anderen Stadtteilen Anwendung finden könnten. Die Erkenntnisse, die hier gewonnen werden, liefern wertvolle Hinweise darauf, wie städtische Räume gestaltet sein müssen, um Menschen aller Altersgruppen ein selbstbestimmtes und aktives Leben zu ermöglichen.
Die Wien 3420 aspern Development AG verfolgt mit der Beauftragung der Studie ein klares Ziel: Die Seestadt soll ein Stadtteil sein, der für Menschen in allen Lebensphasen funktioniert. Dieses Versprechen mit Leben zu füllen, erfordert jedoch ein genaues Verständnis der unterschiedlichen Bedürfnisse.
Mit der aktuellen Forschungsinitiative wird ein wichtiger Schritt in diese Richtung gesetzt. Die Stimmen der Seniorinnen und Senioren werden gehört, ihre Erfahrungen dokumentiert und ihre Wünsche in die weitere Planung einbezogen. Stadtentwicklung wird so zu einem partizipativen Prozess, bei dem alle Bevölkerungsgruppen aktiv mitwirken können.
Die Ergebnisse der Studie werden zeigen, wo die Seestadt bereits gut aufgestellt ist und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils – ob jung oder alt – ist dies eine Chance, ihre Lebensumgebung aktiv mitzugestalten und einen Beitrag zur Weiterentwicklung ihres Viertels zu leisten.