Seit Beginn des Krieges in der Ukraine im Jahr 2022 haben Zehntausende Ukrainer in Österreich Zuflucht gesucht. Die Ankunft in einem fremden Land, oft überstürzt und ohne viel Vorwarnung, bedeutete für viele, ihr altes Leben hinter sich zu lassen: die Heimat, die Arbeit, die Familie. Drei Jahre spät
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine im Jahr 2022 haben Zehntausende Ukrainer in Österreich Zuflucht gesucht. Die Ankunft in einem fremden Land, oft überstürzt und ohne viel Vorwarnung, bedeutete für viele, ihr altes Leben hinter sich zu lassen: die Heimat, die Arbeit, die Familie. Drei Jahre später zeigt sich ein differenziertes Bild der Lebensrealität dieser Menschen.
Für einige Geflüchtete hat sich Österreich zu einem neuen Zuhause entwickelt. Sie haben Arbeit gefunden, ihre Kinder besuchen österreichische Schulen, und sie sprechen mittlerweile gut Deutsch. Diese Integrationserfolge sind nicht nur persönliche Triumphe, sondern auch ein Gewinn für die österreichische Gesellschaft, die von neuen Perspektiven und kulturellen Einflüssen bereichert wird.
Ein Beispiel dafür ist eine junge Frau, die als Ingenieurin in der Ukraine gearbeitet hat und nun in einem Wiener Technologieunternehmen tätig ist. "Ich habe mich anfangs schwergetan, aber die Unterstützung durch lokale Netzwerke hat mir geholfen, meine Qualifikationen anzuerkennen und eine Anstellung zu finden", erklärt sie. Solche Geschichten sind keine Einzelfälle. Laut einer Studie des österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS) haben etwa 40% der ukrainischen Geflüchteten, die 2022 nach Österreich kamen, inzwischen eine feste Anstellung gefunden.
Doch nicht alle haben so viel Glück. Viele Geflüchtete kämpfen mit Sprachbarrieren, die den Zugang zu Bildung und Arbeit erschweren. Die deutsche Sprache zu erlernen, ist eine der größten Hürden für Neuankömmlinge. Sprachkurse sind oft überfüllt, und die Wartezeiten sind lang.
Ein weiteres Problem ist die Bürokratie. Die Anerkennung von Berufsabschlüssen, das Beantragen von Aufenthaltsgenehmigungen und die Suche nach einer geeigneten Wohnung sind komplexe Prozesse, die Geduld und Beharrlichkeit erfordern. "Die Bürokratie ist ein Labyrinth, in dem man sich leicht verirren kann", beschreibt ein Geflüchteter seine Erfahrungen.
Finanzielle Sorgen sind ebenfalls allgegenwärtig. Viele Geflüchtete sind auf Sozialhilfe angewiesen, da sie keine sofortige Anstellung finden können. Die österreichische Regierung hat zwar Unterstützungspakete geschnürt, doch diese reichen oft nicht aus, um die Lebenshaltungskosten zu decken.
Österreich hat im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ großzügige Unterstützungsmaßnahmen für Geflüchtete. Dennoch gibt es Kritik an der Effizienz und Fairness der Verteilung dieser Mittel. Experten fordern eine Reform des Systems, um sicherzustellen, dass die Unterstützung zielgerichteter und effektiver eingesetzt wird.
Viele Geflüchtete stehen vor der Frage, ob sie in Österreich bleiben oder in ihre Heimat zurückkehren sollen, sobald es die Lage erlaubt. Diese Entscheidung ist oft von Unsicherheit und emotionalen Konflikten geprägt. Einerseits gibt es den Wunsch, in die vertraute Umgebung zurückzukehren, andererseits die Angst vor einem ungewissen Neuanfang in einem vom Krieg gezeichneten Land.
Ein fiktiver Experte für Migrationsfragen erklärt: "Die Entscheidung zur Rückkehr hängt von vielen Faktoren ab, darunter die Stabilität in der Ukraine, die Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Erholung und die persönliche Bindung der Geflüchteten an ihre neue Heimat."
Die Zukunft der ukrainischen Geflüchteten in Österreich bleibt ungewiss. Während einige sich dauerhaft integrieren und einen Beitrag zur österreichischen Gesellschaft leisten werden, könnten andere die Rückkehr in ihre Heimat in Erwägung ziehen, wenn die Bedingungen es erlauben.
Die österreichische Gesellschaft steht vor der Herausforderung, diese Menschen nicht nur aufzunehmen, sondern auch aktiv in das gesellschaftliche Leben zu integrieren. Dies erfordert nicht nur politische Maßnahmen, sondern auch ein Umdenken in der Bevölkerung.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass die „betrifft: uns“-Reportage des ORF einen wertvollen Einblick in die komplexe Realität der ukrainischen Geflüchteten in Österreich bietet. Sie zeigt die Herausforderungen und Erfolge auf und regt zum Nachdenken über die langfristigen Auswirkungen auf die österreichische Gesellschaft an.
Die Reportage wird am 11. Oktober 2025 um 13.20 Uhr in ORF 2 und am 15. Oktober um 22.40 Uhr in ORF 1 ausgestrahlt und ist auch auf ORF ON verfügbar. Weitere Informationen finden Sie unter diesem Link.