In einer Welt, die sich ständig wandelt, bleibt eines sicher: Die Kunst hat die Kraft, zu provozieren, zu inspirieren und zu erinnern. Am 19. und 20. Juli 2025 wird ORF III dieses Vermächtnis mit einer eindrucksvollen Hommage an Claus Peymann, den Meister der Provokation, zelebrieren. Diese Programm
In einer Welt, die sich ständig wandelt, bleibt eines sicher: Die Kunst hat die Kraft, zu provozieren, zu inspirieren und zu erinnern. Am 19. und 20. Juli 2025 wird ORF III dieses Vermächtnis mit einer eindrucksvollen Hommage an Claus Peymann, den Meister der Provokation, zelebrieren. Diese Programmänderungen, die in memoriam des ehemaligen Burgtheater-Direktors stattfinden, versprechen nicht nur historische Einblicke, sondern auch emotionale Momente für alle Theaterliebhaber.
Claus Peymann, geboren am 7. Juni 1937 in Bremen, war einer der einflussreichsten Theaterregisseure und Intendanten des deutschsprachigen Raums. Bekannt für seine unkonventionellen Inszenierungen und seine Fähigkeit, das Publikum zu polarisieren, leitete er von 1986 bis 1999 das Wiener Burgtheater. Sein Wirken prägte die Theaterszene nachhaltig und brachte zahlreiche Debatten über Kunst und Gesellschaft in Gang.
Ein markantes Beispiel seiner Arbeit ist die Uraufführung von Thomas Bernhards Drama „Heldenplatz“ im Jahr 1988. Dieses Stück, das die österreichische Nachkriegsgesellschaft und ihren Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit thematisiert, sorgte für einen der größten Theaterskandale der Nachkriegszeit.
Am Samstag, den 19. Juli, startet ORF III mit einer Spezialausgabe der Sendung „Kultur Heute“. Unter dem Titel „Claus Peymann: Meister der Provokation“ wird der Moderator Peter Fässlacher die renommierte Schauspielerin und Regisseurin Maria Happel zu einem Gespräch begrüßen. Im Anschluss daran folgt um 20:15 Uhr die „zeit.geschichte“-Dokumentation „Schicksalstage Österreichs – Der Heldenplatz-Skandal“.
Am Sonntag, den 20. Juli, wird die Dokumentation um 21:45 Uhr erneut ausgestrahlt, gefolgt von einem einzigartigen TV-Moment: Um 22:35 Uhr zeigt ORF III die Originalaufnahme der Uraufführung von „Heldenplatz“. Diese Inszenierung, die seit 25 Jahren nicht mehr im Fernsehen zu sehen war, wird die Zuschauer in das Jahr 1988 zurückversetzen und die intensive Debatte um das Stück erneut aufleben lassen.
„Heldenplatz“ von Thomas Bernhard ist mehr als nur ein Theaterstück. Es ist eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der österreichischen Identität und der Frage, wie eine Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit umgeht. Die Handlung dreht sich um den fiktiven Professor Josef Schuster, der sich aufgrund des zunehmenden Antisemitismus aus dem Fenster seiner Wohnung am Heldenplatz stürzt. Seine Familie und Freunde diskutieren daraufhin über seinen Selbstmord, die politische Lage und die Rolle des Nationalsozialismus in der heutigen Gesellschaft.
Die Uraufführung im Wiener Burgtheater unter der Regie von Claus Peymann war ein Meilenstein in der Theaterszene und löste heftige Kontroversen aus. Viele Kritiker lobten die Inszenierung für ihre Mut und Dringlichkeit, während andere sie als zu provokant empfanden. Die Debatte um „Heldenplatz“ ist ein Beispiel dafür, wie Kunst gesellschaftliche Diskurse anstoßen kann.
Die Inszenierung von „Heldenplatz“ zeichnete sich nicht nur durch ihre brisante Thematik aus, sondern auch durch ein herausragendes Ensemble. Zu den Darstellern gehörten unter anderem Wolfgang Gasser als Robert Schuster, Kirsten Dene als Anna, Elisabeth Rath als Olga und Martin Schwab als Lukas. Diese Schauspieler brachten die komplexen Charaktere des Stücks mit einer Intensität auf die Bühne, die bis heute nachhallt.
Diese Darsteller trugen wesentlich dazu bei, die brisante Thematik des Stücks lebendig und nachvollziehbar zu machen.
Die Aufführung von „Heldenplatz“ fiel in eine Zeit, in der Österreich mit seiner Geschichte haderte. Die Debatte um die Rolle des Landes im Zweiten Weltkrieg und die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit waren zentrale Themen der politischen und gesellschaftlichen Diskussionen. Im Vergleich dazu fand in Deutschland zu dieser Zeit ein intensiverer Diskurs über die Vergangenheitsbewältigung statt, etwa durch die Auseinandersetzung mit der RAF und den Nürnberger Prozessen.
Österreich hingegen stand oft in der Kritik, sich als erstes Opfer des Nationalsozialismus darzustellen, anstatt die eigene Mitverantwortung anzuerkennen. „Heldenplatz“ stellte diese Selbstwahrnehmung in Frage und forderte eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Die Wiederaufführung von „Heldenplatz“ im Fernsehen bietet die Chance, die damaligen Diskussionen in einen modernen Kontext zu setzen. Heute, im Jahr 2025, steht Österreich erneut vor Herausforderungen, die eine kritische Reflexion der Vergangenheit erfordern. Der zunehmende Antisemitismus und die politischen Spannungen in Europa machen die Themen von „Heldenplatz“ aktueller denn je.
Ein fiktiver Experte für zeitgenössische Geschichte erklärt: „Die Wiederaufnahme von ‚Heldenplatz‘ im Fernsehen könnte eine neue Generation dazu anregen, sich mit den Schatten der Vergangenheit auseinanderzusetzen und die Lehren daraus für die Zukunft zu ziehen.“
Die Ausstrahlung von „Heldenplatz“ und die begleitenden Programme auf ORF III sind mehr als nur eine Hommage an Claus Peymann. Sie sind ein Aufruf zur Reflexion und zur Auseinandersetzung mit den drängenden Fragen unserer Zeit. In einer Welt, die von politischen Umbrüchen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, kann Kunst ein mächtiges Werkzeug sein, um Veränderungen anzustoßen.
Die Zuschauer können sich auf ein Wochenende voller Emotionen, Geschichte und Denkanstöße freuen. Die Ausstrahlung wird sicherlich Diskussionen entfachen und dazu beitragen, das Erbe von Claus Peymann und seine Vision eines kritischen Theaters lebendig zu halten.
Weitere Informationen zum Programm von ORF III Kultur und Information finden Sie unter tv.ORF.at/orf3.