Internationale Fachjury und Publikum entscheiden gemeinsam über Österreichs Song-Contest-Vertreter
Am 20. Februar wählt Österreich seinen ESC-Act für Wien. Wir erklären, wie das Voting funktioniert und wer in der 43-köpfigen Jury sitzt.
Der Countdown zum ersten österreichischen ESC-Vorentscheid seit fast einem Jahrzehnt läuft: Am 20. Februar 2026 fällt die Entscheidung, wer beim 70. Eurovision Song Contest in Wien für das Gastgeberland auf der Bühne stehen wird. Die Sendung "Vienna Calling – Wer singt für Österreich?" wird live in ORF 1 und auf ORF ON übertragen und verspricht einen spannenden Abend mit zwölf hoffnungsvollen Acts.
Die Kandidatinnen und Kandidaten, die um die begehrte Chance wetteifern, Österreich auf der größten Musikbühne der Welt zu vertreten, sind: Anna-Sophie, Bamlak Werner, Cosmó, David Kurt, Frevd, Julia Steen, Kayla Krystin, Lena Schaur, Nikotin, Philip Piller, Reverend Stomp und Sidrit Vokshi. Jeder dieser Acts wird seinen Song live präsentieren und versuchen, sowohl die Fachjury als auch das heimische Publikum von sich zu überzeugen.
Die Moderation des Abends übernehmen zwei bestens vertraute Gesichter der österreichischen Unterhaltungsbranche: Alice Tumler und Cesár Sampson. Letzterer weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, für Österreich beim ESC anzutreten – 2018 erreichte er mit "Nobody but You" den dritten Platz in Lissabon.
Das Abstimmungsverfahren bei "Vienna Calling" orientiert sich am bewährten System des Eurovision Song Contest selbst. Die Entscheidung setzt sich zu gleichen Teilen aus dem Urteil einer 43-köpfigen Fachjury und dem Televoting des österreichischen Publikums zusammen – jeweils 50 Prozent fließen in das Endergebnis ein.
Für die Fachjury gilt eine Besonderheit: Die Jurorinnen und Juroren geben ihre Wertung nicht auf Basis der Live-Auftritte ab, sondern bewerten die Performances bei der Generalprobe. Dieses Vorgehen ist auch beim Eurovision Song Contest üblich und soll sicherstellen, dass technische Pannen oder andere unvorhergesehene Ereignisse während der Live-Show keinen unfairen Einfluss auf die Jury-Wertung haben.
Der Abend gliedert sich in zwei Teile: Um 20.15 Uhr startet "Vienna Calling – Wer singt für Österreich? Die Show", in der alle zwölf Acts ihre Songs präsentieren. Im Anschluss folgt um 22.55 Uhr "Das Voting", wo das Publikum via Telefonvoting für seine Favoritinnen und Favoriten abstimmen kann. Erst nach Abschluss der Publikumsabstimmung werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Siegerin oder der Sieger verkündet.
Für die fachkundige und unterhaltsame Einordnung der Auftritte sorgt ein Kommentatorinnen- und Kommentatoren-Panel bestehend aus Caroline Athanasiadis, dem deutschen Entertainer Elton und dem Schweizer Sänger Luca Hänni, der 2019 für die Schweiz beim ESC antrat. Wichtig dabei: Das Panel vergibt selbst keine Punkte, sondern dient ausschließlich der Unterhaltung und Orientierungshilfe für das Publikum.
Die 43-köpfige Jury setzt sich aus nationalen und internationalen Musikexpertinnen und -experten zusammen. Besonders hervorzuheben sind dabei einige hochkarätige internationale Namen, die dem Vorentscheid zusätzliches Gewicht verleihen.
Mit Jamala sitzt eine Eurovision-Gewinnerin in der Jury: Die ukrainische Sängerin triumphierte 2016 in Stockholm mit dem emotionalen Song "1944". Ebenfalls vertreten ist der deutsche Sänger Michael Schulte, der 2018 für Deutschland den vierten Platz beim ESC erreichte und seither zu den erfolgreichsten deutschen Popkünstlern zählt.
Aus der internationalen Songwriting-Szene sind Alan Roy Scott und Shari Short dabei. Scott ist ein legendärer amerikanischer Songwriter, der Songs für Weltstars wie Ray Charles, Céline Dion und Cher geschrieben hat. Short ist ebenfalls eine renommierte US-amerikanische Songwriterin, die unter anderem für Ariana Grande und Miley Cyrus tätig war. Die britisch-amerikanische Singer-Songwriterin Violet Skies ergänzt das internationale Songwriting-Kontingent.
Aus Schweden, dem Land mit der erfolgreichsten ESC-Bilanz, sind die Sängerinnen und Songwriterinnen Linnea Gawell und Melanie Wehbe vertreten – beide kennen die Anforderungen des internationalen Musikwettbewerbs aus erster Hand.
Die nationale Seite der Jury bildet einen Querschnitt durch die österreichische Medien- und Musiklandschaft. Aus dem ORF selbst sind neben Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz auch Vertreterinnen und Vertreter der Landesstudios dabei: Armin Doppelbauer (Burgenland), Theresa Kahr (Steiermark), Magdalena Kanev (Wien), Constanze Kreuzberger (Salzburg), David Pearson (Niederösterreich), Valentina Pisoni (Vorarlberg) und David Steiner (Tirol).
Die Radiosender sind mit Max Bauer und Martina Rauner (Ö3), Lisa Schneider und Alex Wagner (FM4), Alina Rauch (Radio NRJ) und Wolfgang Pammer (Kronehit) vertreten. Aus der Printmedienlandschaft kommen Christina Böck (Kurier), Robert Fröwein (Kronen Zeitung), Heide Rampetzreiter (Die Presse), Christian Ude (Kleine Zeitung) und Thomas Zeidler (Österreich). Marco Schreuder vom Standard bringt zudem seine Expertise als Co-Host des ESC-Podcasts "Merci, Chérie" ein, gemeinsam mit Alkis Vlassakakis.
Die TV-Sender abseits des ORF sind durch Thomas Gruber (ATV), Patrick Schubert (Puls4) und Peter Wolfgruber (ServusTV) vertreten. Auch die Nachrichtenagentur APA ist mit Martin Fichter-Wöß in der Jury repräsentiert.
Besonderes Gewicht haben die Vertreterinnen und Vertreter der Musikindustrie in der Jury. Der international erfolgreiche DJ und Produzent Parov Stelar, bekannt für seinen unverwechselbaren Electro-Swing-Sound, bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Musikproduktion mit. Produzent Jakob Rabitsch, Musikfachmann Markus Spiegel und Romy Reis von GRIDmusic ergänzen die Branchenexpertise. Sabine Reiter vom mica – music austria vertritt die Interessen der heimischen Musikschaffenden.
Die ESC-Fangemeinde ist durch die Vertreter der OGAE (Organisation Générale des Amateurs de l'Eurovision) repräsentiert: Marcos Tritremmel als Präsident der österreichischen Sektion, Melisa Kaymaz als Präsidentin der Schweizer OGAE und Klaus Woryna als ehemaliger Präsident der deutschen OGAE. Sascha Mutavdzic von Eurovision Austria komplettiert die Fanvertretung.
Wer sich vor dem großen Showabend bereits ein Bild von den zwölf Kandidatinnen und Kandidaten machen möchte, hat dazu ab dem 16. Februar Gelegenheit. Alle Songs werden dann über die Websites songcontest.ORF.at und www.mein.orf.at/vienna-calling zum Anhören bereitgestellt. So kann sich das Publikum in Ruhe auf die Abstimmung vorbereiten und seine Favoriten auswählen.
Für ESC-Fans außerhalb Österreichs wird die Sendung auch international zugänglich sein: Ein Live-Stream von "Vienna Calling – Wer singt für Österreich?" wird auf dem offiziellen Eurovision-YouTube-Kanal (@EurovisionSongContest) übertragen und in englischer Sprache kommentiert. Diese englischsprachige Version steht auch dem österreichischen Publikum auf ORF ON zur Verfügung.
Mit "Vienna Calling" kehrt der ORF zu einem Format zurück, das es in Österreich seit einem Jahrzehnt nicht mehr gab. Der letzte nationale Vorentscheid fand 2016 statt, als Zoë Straub mit "Loin d'ici" ausgewählt wurde und beim ESC in Stockholm den 13. Platz erreichte. In den Jahren dazwischen setzte der ORF auf interne Auswahl der ESC-Acts.
Dass ausgerechnet im Jahr, in dem Österreich den Eurovision Song Contest ausrichtet, wieder ein öffentlicher Vorentscheid stattfindet, unterstreicht die Bedeutung des Ereignisses. Wien wird im Mai 2026 zum zweiten Mal nach 2015 Gastgeber des größten Musikwettbewerbs der Welt sein – damals gewann Conchita Wurst 2014 in Kopenhagen und holte den Contest nach Österreich.
Der 20. Februar 2026 verspricht also ein historischer Abend für die österreichische Musikszene zu werden. Wer am Ende das Ticket für die große ESC-Bühne in der eigenen Heimatstadt lösen wird, entscheiden Jury und Publikum gemeinsam – und sorgen damit für maximale Spannung bis zur letzten Sekunde.