Zurück
OTS-MeldungTag des Waldes/Holz/Wald/Klimaschutz/Treibstoff/Forstwirtschaft/Energie/Energiemarkt/Chemische Indus

Waldwirtschaft unter Druck: Österreichs Forst-Betriebe kämpfen ums Überleben

20. März 2026 um 08:55
Teilen:

Während sich am 21. März weltweit alles um die Bedeutung der Wälder dreht, kämpfen Österreichs Waldbäuerinnen und Waldbauern mit existenziellen Problemen. Explodierende Kosten fressen die scheinbar...

Während sich am 21. März weltweit alles um die Bedeutung der Wälder dreht, kämpfen Österreichs Waldbäuerinnen und Waldbauern mit existenziellen Problemen. Explodierende Kosten fressen die scheinbar guten Holzpreise auf, während gleichzeitig die Politik von der Forst- und Holzwirtschaft immer mehr Klimaleistungen fordert. Die Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) und der Waldverband schlagen nun Alarm und fordern eine eigene Zukunftsstrategie für den Sektor.

Kostenfalle Waldbewirtschaftung: Wenn Preise nicht mehr ausreichen

Die Situation der österreichischen Forstwirtschaft ist paradox: Während Holz als nachhaltiger Rohstoff gefragter denn je ist und die Preise oberflächlich betrachtet ansprechend erscheinen, sieht die Realität für die Waldbewirtschaftenden anders aus. "Die Holzpreise der letzten Jahre mögen auf den ersten Blick brauchbar erscheinen, allerdings hat die Teuerung in der Waldbewirtschaftung diverse Preissteigerungen mehr als 'aufgefressen'", erklärt Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich.

Diese Entwicklung ist besonders dramatisch, wenn man die volkswirtschaftliche Bedeutung der Branche betrachtet. In Österreich hängen hunderttausende Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Forst- und Holzwirtschaft ab. Die Wertschöpfungskette reicht von der Waldpflege über die Holzernte bis hin zur industriellen Verarbeitung in Sägewerken, Papier- und Zellstoffindustrie sowie der Möbelproduktion.

Treibstoffkosten als Wettbewerbsnachteil

Ein besonderer Kostentreiber sind die Treibstoffpreise. Forstwirtschaftliche Betriebe sind auf schweres Gerät angewiesen – von Harvestern für die Holzernte über Forwarder für den Transport bis hin zu Traktoren für die Waldpflege. Der hohe Dieselverbrauch macht die österreichischen Betriebe im EU-Vergleich weniger wettbewerbsfähig, da andere Mitgliedsländer teilweise günstigere Treibstoffsteuern haben.

"Zur Wirtschaftlichkeit gehört, dass unsere Betriebe gegenüber den Mitbewerbern anderer Länder wettbewerbsfähig werden – und dazu gehören vergleichbare Treibstoffkosten", betont Moosbrugger. Die von der Regierung eingeführte Spritpreisbremse sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber nicht aus, um die strukturellen Nachteile auszugleichen.

Österreichs Wälder: Mehr als nur Holzlieferanten

Die österreichischen Wälder erfüllen weit mehr Funktionen als nur die Holzproduktion. Sie sind komplexe Ökosysteme, die als natürliche Klimaanlagen fungieren und dabei CO2 speichern, Sauerstoff produzieren und das lokale Klima regulieren. Ein Hektar Wald kann jährlich zwischen 10 und 15 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre filtern – eine Leistung, die in Zeiten des Klimawandels unbezahlbar ist.

Darüber hinaus dienen die Wälder als Erholungsraum für die Bevölkerung. Allein in Wien nutzen täglich zehntausende Menschen den Wienerwald für Spaziergänge, Wanderungen oder Mountainbiking. Diese Erholungsleistung ist volkswirtschaftlich schwer quantifizierbar, aber von enormer gesellschaftlicher Bedeutung für die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung.

Schutzwälder: Günstiger als technische Alternativen

Eine oft übersehene Funktion der Wälder ist ihr Schutz vor Naturkatastrophen. Schutzwälder in Hanglage verhindern Lawinen, Murenabgänge und Steinschlag. "Investitionen in Schutzwald etwa sind um den Faktor 100 günstiger als technische Schutzmaßnahmen", rechnet Moosbrugger vor. Eine Lawinenschutzmauer kann mehrere Millionen Euro kosten, während die Pflege eines Schutzwaldes mit ein paar tausend Euro pro Hektar auskommt.

Besonders in alpinen Regionen wie Tirol oder Salzburg sind diese Schutzwälder lebenswichtig. Ohne sie wären viele Siedlungen und Verkehrswege nicht bewohnbar bzw. nutzbar. Die Kosten für alternative technische Schutzmaßnahmen würden die öffentlichen Budgets sprengen.

Waldfonds unter Spardruck: Zukunftsinvestitionen in Gefahr

Ein zentrales Instrument zur Unterstützung der Waldwirtschaft ist der Waldfonds, der nach verschiedenen Krisen wie dem Borkenkäferbefall oder Stürmen etabliert wurde. Dieser Fonds finanziert Maßnahmen zur Waldpflege, Aufforstung und Entwicklung klimafitter Baumarten. Angesichts der angespannten Budgetlage der öffentlichen Hand steht jedoch auch der Waldfonds unter Spardruck.

"Trotz allen Sparbedarfs der Regierung" sprechen sich LKÖ und Waldverband "für die Beibehaltung und entsprechende Ausstattung des Waldfonds als zentrales Krisenbewältigungs-Instrument" aus. Die Investitionen seien unverzichtbar für den Aufbau "widerstandsfähiger, klimafitter Wälder", die den Herausforderungen des Klimawandels standhalten können.

Klimafitte Wälder als Zukunftsinvestition

Der Klimawandel stellt die österreichischen Wälder vor große Herausforderungen. Höhere Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und extreme Wetterereignisse setzen den traditionellen Baumarten zu. Die Fichte, lange Zeit der "Brotbaum" der österreichischen Forstwirtschaft, leidet besonders unter Trockenheit und Borkenkäferbefall.

Deshalb sind Investitionen in klimafitte Mischwälder notwendig. Baumarten wie Eiche, Buche oder Douglasie sind widerstandsfähiger gegen Wetterextreme. Der Umbau der Wälder ist jedoch ein Generationenprojekt, das kontinuierliche Finanzierung benötigt.

Holz als Industrierohstoff: Von der Bioökonomie zur Rohstoffsouveränität

Holz ist weit mehr als nur Bau- oder Brennmaterial. In der modernen Industrie entwickelt sich der nachwachsende Rohstoff zu einem veritablen Multitalent. Die chemische Industrie entdeckt Holz als Alternative zu erdölbasierten Produkten. Aus Holz lassen sich Textilfasern, Kunststoffe und sogar Treibstoffe herstellen.

"Als Waldbäuerinnen und Waldbauern und somit Bereitsteller dieses vielseitig einsetzbaren Rohstoffs verstehen wir uns als Schlüsselpartner der Verarbeitung, sprich der Industrie", erklärt Matthias Granitzer, Obmann des Waldverbandes Österreich. Besonders in den strategischen Bereichen Rohstoffsouveränität und Bioökonomie sieht er große Potenziale.

Bioökonomie als Zukunftsfeld

Die Bioökonomie beschreibt die Transformation von einer erdölbasierten zu einer biobasierten Wirtschaft. Holz spielt dabei eine Schlüsselrolle, da es als nachwachsender Rohstoff theoretisch unbegrenzt verfügbar ist – vorausgesetzt, die Wälder werden nachhaltig bewirtschaftet.

In Österreich gibt es bereits erfolgreiche Beispiele für biobasierte Innovationen. Das Unternehmen Lenzing produziert aus Holz hochwertige Textilfasern, die in der Modeindustrie zunehmend geschätzt werden. Die Firma Sappi stellt aus Holzfasern Spezialpapiere für die Verpackungsindustrie her, die erdölbasierte Kunststoffe ersetzen können.

Rohstoffsouveränität durch heimische Ressourcen

Die geopolitischen Verwerfungen der letzten Jahre haben die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen schmerzhaft bewusst gemacht. Holz als heimischer, nachwachsender Rohstoff kann einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffsouveränität leisten. "Die damit verbundenen Potenziale erhöhen zudem die Widerstandsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsstandorts Österreich", betont Granitzer.

Österreich verfügt über rund 4 Millionen Hektar Waldfläche, das entspricht etwa 48% der Landesfläche. Damit liegt das Land deutlich über dem EU-Durchschnitt von 38%. Diese Ressource nachhaltig zu nutzen, kann die Abhängigkeit von Rohstoffimporten reduzieren.

Politische Forderungen: Zukunftsstrategie und weniger Bürokratie

LKÖ und Waldverband fordern von der Politik eine eigene Zukunftsstrategie für die Land- und Forstwirtschaft, ähnlich der kürzlich präsentierten Industriestrategie. Diese soll konkrete Perspektiven und Entlastungen sowohl bei den Kosten als auch bei der Bürokratie bringen.

"Den wenigsten Menschen ist bewusst, welche unverzichtbaren Leistungen unsere Wälder erbringen", unterstreicht Moosbrugger. Um diese Leistungen erhalten und die Potenziale verstärkt heben zu können, "muss aber auch an die Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter gedacht werden".

Verlässliche Rahmenbedingungen gefordert

"Um die Stärken des Forst-Holz-Sektors für die Umsetzung der Industriestrategie optimal nutzen zu können, brauchen wir verlässliche politische Rahmenbedingungen", betont Granitzer. Im Fokus müssen dabei die nachhaltige Waldbewirtschaftung, die Weiterentwicklung biobasierter Innovationen, die Stärkung europäischer Wertschöpfungsketten und wettbewerbsfähige Energiepreise stehen.

Besonders die Planungssicherheit ist für Waldbesitzer wichtig. Bäume brauchen Jahrzehnte zum Wachsen, entsprechend langfristig müssen auch die politischen Rahmenbedingungen angelegt sein. Ständige Änderungen bei Förderungen oder Auflagen erschweren die betriebliche Planung erheblich.

Kampf gegen die Fossil-Lobby: Wissenschaft versus Propaganda

Ein besonderes Anliegen von LKÖ und Waldverband ist es, gegen Desinformation vorzugehen. "Gleichzeitig wehren wir uns gegen die ständigen Versuche der Fossil-Lobby, unsere nachhaltige Waldbewirtschaftung und den Einsatz des genialen, klimafreundlichen Rohstoffs Holz in ein falsches Licht zu rücken", erklärt Moosbrugger.

Tatsächlich wird in sozialen Medien und manchmal auch in traditionellen Medien immer wieder behauptet, dass die Nutzung von Holz klimaschädlich sei. Diese Darstellung ignoriert jedoch die Tatsache, dass Holz als nachwachsender Rohstoff CO2-neutral ist – vorausgesetzt, für jeden gefällten Baum wird ein neuer gepflanzt.

Wissenschaftliche Fakten versus Mythen

Die wissenschaftlichen Fakten sprechen eine klare Sprache: Nachhaltige Forstwirtschaft ist klimafreundlich. Junge, wachsende Bäume binden mehr CO2 als alte Bäume. Durch regelmäßige Durchforstung und Nutzung kann die CO2-Speicherleistung der Wälder sogar erhöht werden. Zusätzlich ersetzt Holz als Baumaterial energieintensive Materialien wie Beton oder Stahl.

"Abgesehen von der Unterstützung durch eine faktenbasierte Wissenschaft wäre manchmal auch schlicht mehr Hausverstand in den Analysen gefordert", ergänzt Moosbrugger. Die Forst- und Holzwirtschaft sei bereit, "die Transformation hin zu einer klimafitten, innovationsorientierten und widerstandsfähigen Industrie aktiv mitzugestalten".

Internationale Perspektive: Österreich im EU-Vergleich

Im europäischen Vergleich steht Österreich bei der Waldwirtschaft gut da. Mit einem Waldanteil von 48% liegt das Land deutlich über dem EU-Durchschnitt. Auch bei der nachhaltigen Bewirtschaftung ist Österreich führend. Die jährliche Holzernte liegt deutlich unter dem natürlichen Zuwachs, wodurch die Waldfläche kontinuierlich zunimmt.

In anderen EU-Ländern wie Finnland oder Schweden ist die Forstwirtschaft noch stärker industrialisiert. Dort dominieren große Konzerne, während in Österreich vorwiegend kleinere, familiäre Betriebe die Waldwirtschaft prägen. Diese Struktur hat Vor- und Nachteile: Einerseits ermöglicht sie eine naturnahe, nachhaltige Bewirtschaftung, andererseits fehlen oft die Ressourcen für größere Investitionen in moderne Technik.

Zukunftsperspektiven: Chancen und Herausforderungen

Die Zukunft der österreichischen Forstwirtschaft hängt von mehreren Faktoren ab. Der Klimawandel wird weiterhin eine große Herausforderung darstellen. Gleichzeitig eröffnen sich durch die Bioökonomie neue Märkte für Holzprodukte. Die Digitalisierung könnte die Effizienz der Waldbewirtschaftung erhöhen.

"Der Waldverband steht bereit, die Transformation hin zu einer klimafitten, innovationsorientierten und widerstandsfähigen Industrie aktiv mitzugestalten", unterstreicht Granitzer. Basis dafür sei "eine verantwortungsvoll bewirtschaftete, heimische und nachwachsende Ressource: unser österreichischer Wald".

Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die richtigen politischen Weichenstellungen zu treffen. Die Forderung nach einer eigenen Zukunftsstrategie für die Forstwirtschaft ist berechtigt – zu wichtig sind die Leistungen der Wälder für Klima, Wirtschaft und Gesellschaft, als dass man sie dem Zufall überlassen könnte. Die Zeit drängt: Wenn heute die falschen Entscheidungen getroffen werden, werden die Folgen erst in Jahrzehnten sichtbar – dann aber umso dramatischer.

Weitere Meldungen

OTS
Tag des Waldes

Österreichs Wald: Wirtschaftsmotor und Klimaschützer zugleich

20. März 2026
Lesen
OTS
Tag des Waldes

Holz als Schlüsselrohstoff: Waldverband fordert neue Strategie

20. März 2026
Lesen
OTS
FHP

Holz als Schlüssel für Österreichs Wirtschaftssouveränität

19. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen