Neue ORF-Dokumentation zeigt drei bemerkenswerte Österreicherinnen der Boomer-Generation
"Nicht jung – nicht leise" porträtiert am 3. März Frauen, die das Alter als Befreiung erleben und sich weigern, aus der Öffentlichkeit zu verschwinden.
Mehr als eine Million Frauen in Österreich sind älter als 60 Jahre. Doch während ihre männlichen Altersgenossen in Politik, Wirtschaft und Medien weiterhin sichtbar bleiben, verschwinden Frauen ab einem gewissen Alter oft aus der öffentlichen Wahrnehmung. Eine neue ORF-Dokumentation will diesem Phänomen auf den Grund gehen und zeigt drei bemerkenswerte Österreicherinnen, die sich weigern, leise zu werden.
Am 3. März 2026 um 23.05 Uhr strahlt ORF 2 die Dokumentation "Nicht jung – nicht leise" von Anna Katharina Wohlgenannt aus. Der Film ist Teil des ORF-Programmschwerpunkts zum Weltfrauentag und gleichzeitig auf ORF ON verfügbar. Die Dokumentation beleuchtet, warum Frauen ab einem bestimmten Alter aus der Öffentlichkeit verschwinden und welchen Herausforderungen sie in einer jugendorientierten Gesellschaft begegnen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ein Vierteljahrhundert sind Frauen durchschnittlich in Pension. Doch während dieser langen Lebensphase zeigt sich ein markanter Unterschied zwischen den Geschlechtern. Männer bleiben in höheren Positionen sichtbar, Frauen hingegen treten oft in den Hintergrund. Dies betrifft eine Generation von Frauen, die in den 1970er Jahren noch gegen Atomkraft demonstrierte und für den Frieden auf die Straße ging – die sogenannte Boomer-Generation.
Die Dokumentation porträtiert drei Frauen, die exemplarisch für viele ihrer Generation stehen und dennoch ganz individuelle Wege gehen. Jede von ihnen zeigt auf ihre Art, wie das Älterwerden auch als Chance begriffen werden kann.
Mit 75 Jahren jongliert Ingeborg Apoloner zwischen verschiedenen Rollen: Sie pflegt ihren erkrankten Ehemann, kümmert sich um ihre Enkelkinder und ist aktiv in ihrer Pfarre tätig. Doch dann eröffnet sich ihr eine unerwartete Möglichkeit. In einem der Theaterclubs des Burgtheaters bekommt sie die Chance mitzuwirken – und entdeckt dabei einen völlig neuen Freiraum für sich. Ihre Geschichte zeigt, wie auch im hohen Alter noch ungeahnte Talente und Leidenschaften entdeckt werden können.
Die 70-jährige Angelika Högn hat ihr Leben schon immer etwas anders gelebt – ohne eigene Familie, dafür mit einem Fuß in der kreativen Szene. Im Wiener Pensionistinnenclub findet sie in der Modewerkstatt Gleichgesinnte und erlebt dort einen besonderen Höhepunkt: Sie läuft bei der Vienna Fashion Week über den Laufsteg. Högns Geschichte beweist, dass Kreativität und der Mut zu außergewöhnlichen Auftritten keine Altersgrenzen kennen.
Die wohl bekannteste der drei porträtierten Frauen ist die 78-jährige Monika Salzer. Die frühere evangelische Pfarrerin gründete 2017 die Bewegung "Omas gegen rechts" – eine Initiative, die inzwischen 40.000 Frauen in Österreich, Deutschland und der Schweiz vereint. Salzers Engagement zeigt, wie aus persönlicher Überzeugung eine internationale Bewegung entstehen kann, die politisch wirksam wird.
Was alle drei Frauen verbindet, ist eine bemerkenswerte Einstellung zum Älterwerden. Sie empfinden ihr Alter nicht als Einschränkung, sondern als Zugewinn an innerer Autonomie. Der gesellschaftliche Druck, sich permanent rechtfertigen oder beweisen zu müssen, ist für sie gefallen. Diese neu gewonnene Freiheit nutzen sie, um sich für andere einzusetzen – besonders für jene, deren Stimmen in der Gesellschaft oft überhört werden.
In ihrem Aktivismus zeigt sich eine Form der Fürsorge, die über die klassischen Rollenbilder hinausgeht. Diese Frauen wissen um die Begrenztheit der Zeit und leben nach dem Motto: Das Jetzt zählt. Aufschub gibt es nicht mehr. Diese Erkenntnis verleiht ihnen eine besondere Dringlichkeit und Authentizität in ihrem Handeln.
Die Dokumentation wirft wichtige Fragen zur Rolle älterer Frauen in unserer Gesellschaft auf. Warum verschwinden Frauen ab einem bestimmten Alter aus der öffentlichen Wahrnehmung, während Männer oft bis ins hohe Alter in Führungspositionen bleiben? Welche gesellschaftlichen Mechanismen führen zu dieser Unsichtbarkeit?
Die Boomer-Generation der Frauen hat Großes geleistet: Sie eroberte Berufe, die zuvor Männern vorbehalten waren, kämpfte für gesellschaftliche Veränderungen und prägte die Emanzipationsbewegung maßgeblich mit. Umso paradoxer erscheint es, dass gerade diese Generation von Frauen im Alter oft aus dem öffentlichen Diskurs verschwindet.
Das österreichische Fernsehen leistet mit dieser Dokumentation einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung einer oft übersehenen Bevölkerungsgruppe. Mehr als eine Million Österreicherinnen sind über 60 Jahre alt – ihre Stimmen und Erfahrungen verdienen Aufmerksamkeit und Respekt.
"Nicht jung – nicht leise" ist mehr als nur ein Porträt dreier beeindruckender Frauen. Der Film zeigt, dass Älterwerden auch Verwandlung bedeuten kann – eine Chance, sich selbst neu zu entdecken und gesellschaftlich wirksam zu werden. Die drei porträtierten Frauen beweisen mit ihrem Eigensinn, ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit, dass das Alter kein Grund sein muss, leise zu werden.
Ihre Geschichten können als Inspiration für alle Generationen dienen: Sie zeigen, dass es nie zu spät ist, neue Wege zu gehen, sich für wichtige Anliegen einzusetzen und die eigene Stimme zu erheben. In einer Zeit, die oft von Jugendlichkeit als Ideal geprägt ist, setzen diese Frauen ein wichtiges Zeichen für die Wertschätzung der Lebenserfahrung und Weisheit des Alters.
Die Dokumentation läuft am 3. März 2026 um 23.05 Uhr in ORF 2 und ist zeitgleich auf der Streaming-Plattform ORF ON verfügbar. Sie ist Teil des umfassenden Programmschwerpunkts zum Weltfrauentag, der weitere Sendungen und Beiträge rund um Frauenthemen umfasst.