Ein Viertel aller zugewanderten Wienerinnen und Wiener erlebt Diskriminierung bei Behördengängen – diese Zahl wurde bei der Fachtagung "Wien gegen Rassismus" im Rathaus thematisiert.
Ein Viertel aller zugewanderten Wiener*innen berichtet in der Zusammenlebensstudie der Stadt Wien von Diskriminierungserfahrungen bei einer Behörde oder einem Amt. Bei der gestrigen Fachtagung „Wien gegen Rassismus“ im Wiener Rathaus wurde der aktualisierte "Wiener Aktionsplan gegen Rassismus" vorgestellt und über dessen Umsetzung mit nationalen und internationalen Vertreter*innen von Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft beraten.
„Rassismus existiert in unserer Gesellschaft und das lässt sich nicht kleinreden oder ignorieren. Er zeigt sich nicht nur im Verhalten Einzelner, sondern auch in Strukturen und Institutionen. Genau hier tragen wir als Stadt Verantwortung hinzuschauen und dort anzusetzen, wo Ungleichbehandlung entsteht. Der Wiener Aktionsplan gegen Rassismus ist dafür ein konkreter Schritt. Er bringt die Perspektiven von Betroffenen zusammen mit der Verantwortung von Politik und Verwaltung. Entscheidend ist, dass daraus spürbare Verbesserungen im Alltag werden. Genau daran arbeiten wir gemeinsam mit der Zivilgesellschaft“, sagte Vizebürgermeisterin und Integrationsstadträtin Bettina Emmerling in ihrer Eröffnungsrede.
Theodora Manolakos, Leiterin der Abteilung Integration und Diversität: „Deshalb ist es wichtig, dass sich die Verwaltung mit strukturellem und institutionellem Rassismus auseinandersetzt, weil das die Rechtsgleichheit und die Vertrauenswürdigkeit öffentlicher Leistungen sichert, Ungleichheiten reduziert und die Wirksamkeit kommunaler Maßnahmen erhöht.“
Ziel der Fachtagung war es, Umsetzungsschritte des „Wiener Aktionsplans gegen Rassismus“ zu konkretisieren und die Vernetzung zwischen verschiedenen Akteur*innen zu vertiefen.
Medizinerin und Autorin Mireille Ngosso resümierte: „Der Aktionsplan gegen Rassismus ist ein wichtiger Schritt, weil er anerkennt, dass Rassismus ein strukturelles Problem ist und strukturelle Antworten braucht. Entscheidend ist jetzt eine verbindliche Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft, damit aus dem Bekenntnis auch echte Veränderung wird.“
Die Wiener Integrations- und Diversitätspolitik baut auf einem klaren Bekenntnis für die Wertschätzung der Vielfalt der Wiener Bevölkerung auf, positioniert sich konsequent gegen jede Form von rassistischer Diskriminierung in der Stadt und leistet Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit.
Seit 2009 ist Wien Mitglied der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR) mit rund 200 Städten, die gemeinsam Strategien entwickeln, Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig bei der Umsetzung menschenrechtsbasierter Aktionspläne unterstützen. Am 24. und 25. März 2026 richtet die Stadt Wien erstmals eine Lenkungsausschusssitzung von ECCAR aus, zu der Expert*innen aus 31 europäischen Städten anreisen.
Danijel Cubelic, Vizepräsident der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR) und Leiter des Amts für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg, sagte: „Weil Rassismus und Extremismus zunehmen, kommt Städten eine Schlüsselrolle zu. Sie sind die Orte, an denen konkrete Antworten entwickelt und im Alltag umgesetzt werden. Mit dem Aktionsplan gegen Rassismus setzt die Stadt Wien ein starkes Zeichen und knüpft an ihre Rolle als Impulsgeberin im europäischen Städtenetzwerk ECCAR an.“
Pressebilder: https://www.wien.gv.at/presse/bilder
Der Wiener Aktionsplan gegen Rassismus: https://www.wien.gv.at/zusammenleben/wien-gegen-rassismus
Die Studie „Zusammenleben in Wien": https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrup/download/pdf/4624118?originalFilename=true