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Die österreichische Hauptstadt setzt einen wichtigen Impuls gegen veraltete Geschlechterrollen: Ab März 2026 erweitert Wien sein erfolgreiches Programm „Mädchen feiern Technik" massiv und bietet Schülerinnen der 5. bis 8. Schulstufe kostenlosen Zugang zu sieben verschiedenen Technik-Workshops. Das am 4. März 2026 im Rahmen der Wiener Frauenwoche startende Programm verspricht praxisnahe Einblicke in Berufsfelder, die traditionell männlich dominiert sind – von der Metallbearbeitung bis zur Wasserqualitätsprüfung.
Die Initiative geht weit über bloße Berufsinformation hinaus. In den Laboren und Werkstätten der städtischen Betriebe arbeiten die Teilnehmerinnen direkt mit weiblichen Role Models zusammen, die als lebende Beweise dafür fungieren, dass technische Karrieren für Frauen nicht nur möglich, sondern auch erfüllend sind. Mehr als 200 Schülerinnen haben bereits seit dem Programmstart 2023 begeistert teilgenommen – ein Erfolg, der nun deutlich ausgebaut wird.
Der Begriff MINT-Berufe steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – Bereiche, in denen Frauen nach wie vor unterrepräsentiert sind. In Österreich liegt der Frauenanteil in technischen Berufen bei durchschnittlich nur 15 Prozent, wie Daten der Statistik Austria zeigen. Diese Ungleichverteilung beginnt bereits bei der Berufswahl junger Menschen und setzt sich durch das gesamte Erwerbsleben fort.
Die Ursachen sind vielfältig: Gesellschaftliche Stereotype prägen bereits früh die Vorstellungen davon, welche Berufe „für Mädchen geeignet" sind. Fehlende weibliche Vorbilder in technischen Bereichen verstärken diese Wahrnehmung zusätzlich. Genau hier setzt das Wiener Programm an, indem es nicht nur theoretische Information bietet, sondern praktische Erfahrungen in realen Arbeitsumgebungen ermöglicht.
Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál betont die gesellschaftliche Dimension der Initiative: „Wien ist die Stadt der Mädchen und Frauen. Das heißt den Mädchen unserer Stadt alle Möglichkeiten zu bieten." Diese Aussage reflektiert eine umfassende städtische Strategie, die auf den Erkenntnissen der großen Wiener Frauenbefragung „Wien, wie sie will" basiert. Die Befragung hatte den klaren Wunsch nach mehr Zeit, mehr Raum und mehr Chancen für Frauen ergeben.
Das erweiterte Programm umfasst sieben spezialisierte Workshops, die jeweils unterschiedliche Aspekte technischer Arbeit beleuchten. Bei „Bau- und Gebäudemanagement: Handwerk ausprobieren, Talente finden" erleben die Teilnehmerinnen einen ganzen Vormittag als Schlosserin, Tischlerin und Tapeziererin. Diese direkte Erfahrung mit handwerklichen Tätigkeiten zeigt konkret auf, wie mit technischem Geschick Räume gestaltet und verändert werden können.
Der Workshop „Stadt Wien - Umweltschutz: Umweltschutz hautnah: Frauenpower für die Umwelt" verdeutlicht, wie vielfältig und praxisnah Umweltschutz in einer Millionenstadt funktioniert. Die Schülerinnen lernen nicht nur theoretische Grundlagen, sondern führen selbst Messungen durch und überprüfen, ob technische Grenzwerte eingehalten werden. Expertinnen aus Bereichen wie Architektur, Landschaftsplanung und Umweltingenieurwesen geben dabei authentische Einblicke in ihren Berufsalltag.
Besonders anschaulich wird das Thema Infrastruktur im Workshop „Wiener Wasser: Wasser erleben, Qualität sichern". Die Teilnehmerinnen besuchen den Wasserbehälter Wienerberg, nehmen selbständig Wasserproben und analysieren diese anschließend im Wasserschul-Labor. Diese praktische Herangehensweise macht die komplexen Prozesse der Trinkwasserversorgung greifbar und zeigt die Bedeutung technischer Expertise für die Grundversorgung einer Großstadt.
Der Workshop „Wien Kanal: Berufswunsch: Irgendwas mit Chemie, Kohle oder Content Creator?" führt die Schülerinnen in die Wiener Unterwelt und das 2.500 Kilometer lange Kanalnetz. In der Schlosserei lernen sie über heißen Kohlen das Schmieden und fertigen eigene Werkstücke. Das mobile Chemielabor bietet zusätzlich Einblicke in die analytische Arbeit, die für den Betrieb einer modernen Kanalisation notwendig ist.
Bei der „MA 48 – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark" erhalten die Mädchen einen umfassenden Rundgang durch die Kfz-Werkstätte und lernen grundlegende Schritte der Metallbearbeitung kennen. Der selbst gefertigte und professionell lackierte Schlüsselanhänger dient als greifbare Erinnerung an die praktischen Fähigkeiten, die in diesen Berufen gefragt sind.
Der Workshop „Wiener Wohnen: Vom Plan zum sanierten Gemeindebau" zeigt den komplexen Prozess der Stadtentwicklung auf. Architektinnen und Projektmanagerinnen erläutern, wie aus einer Idee ein sanierter Gemeindebau wird – ein Prozess, der Teamarbeit, Fachwissen und professionelles Management erfordert. Anschließend werden die Schülerinnen selbst kreativ und planen mit professioneller Architektur-Software ihr eigenes Haus.
Den Abschluss bildet der Workshop „Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle: Mädchen. Technik. Zukunft