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Wiener Kinopremiere zeigt Alternativen zur Gewinnmaximierung

12. März 2026 um 10:21
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Wien wird am 22. März 2026 zum Schauplatz einer bemerkenswerten filmischen Reise in eine nachhaltigere Wirtschaftszukunft. Im Filmhaus am Spittelberg feiert die Dokumentation "Hoffnung für die Pion...

Wien wird am 22. März 2026 zum Schauplatz einer bemerkenswerten filmischen Reise in eine nachhaltigere Wirtschaftszukunft. Im Filmhaus am Spittelberg feiert die Dokumentation "Hoffnung für die Pioniere des Wandels" ihre österreichische Premiere und stellt dabei eine fundamentale Frage unserer Zeit: Kann Wirtschaft erfolgreich sein, ohne Mensch und Umwelt zu opfern?

Gemeinwohl-Ökonomie als Alternative zum klassischen Kapitalismus

Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist ein alternatives Wirtschaftssystem, das 2008 von Christian Felber entwickelt wurde. Anders als das herkömmliche kapitalistische System, das primär auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, stellt die GWÖ das Gemeinwohl in den Mittelpunkt aller wirtschaftlichen Aktivitäten. Unternehmen messen ihren Erfolg nicht nur an finanziellen Kennzahlen, sondern bewerten systematisch ihren Beitrag zum Allgemeinwohl anhand einer Gemeinwohl-Matrix.

Diese Matrix umfasst fünf Grundwerte: Menschenwürde, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung, soziale Gerechtigkeit sowie demokratische Mitbestimmung. Jeder dieser Werte wird in Bezug auf verschiedene Berührungsgruppen wie Lieferanten, Eigentümer, Mitarbeiter, Kunden und das gesellschaftliche Umfeld bewertet. Das Ergebnis ist eine Gemeinwohl-Bilanz, die in Punkten von null bis 1000 ausgedrückt wird.

Vom Konzept zur Realität: Baden-Württembergs Vorreiterrolle

Die Dokumentation von Filmemacher Michael Mattig-Gerlach, unter der Regie von Peter Jakobeit, porträtiert zehn mutige Unternehmen aus Baden-Württemberg, die bereits erfolgreich nach GWÖ-Prinzipien bilanzieren. Diese Betriebe beweisen in der Praxis, dass soziale und ökologische Verantwortung keineswegs im Widerspruch zu wirtschaftlichem Erfolg stehen müssen.

Ein prominentes Beispiel ist VAUDE, der renommierte Outdoor-Ausrüster mit Hauptsitz in Tettnang am Bodensee. Das Familienunternehmen hat sich bereits seit Jahren einer konsequenten Nachhaltigkeitsstrategie verschrieben und gilt als Pionier in der Outdoor-Branche. VAUDE produziert klimaneutral, verwendet recycelte und umweltfreundliche Materialien und hat sich das Ziel gesetzt, bis 2024 vollständig klimaneutral zu wirtschaften. Die Geschäftsführerin Antje von Dewitz führt das Unternehmen nach Prinzipien, die weit über die reine Gewinnorientierung hinausgehen.

Konkrete Auswirkungen auf Mitarbeiter und Gesellschaft

Die im Film porträtierten Unternehmen zeigen beeindruckende Beispiele für gelebte Unternehmensverantwortung. Sie bieten ihren Mitarbeitern oft flexible Arbeitszeiten, faire Löhne über dem Branchendurchschnitt und umfassende Weiterbildungsmöglichkeiten. Viele investieren bewusst in lokale Gemeinschaftsprojekte, unterstützen regionale Lieferanten und setzen auf transparente Kommunikation mit allen Stakeholdern.

Diese Ansätze führen häufig zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit, geringerer Fluktuation und einer stärkeren Identifikation mit dem Unternehmen. Studien zeigen, dass GWÖ-Unternehmen oft eine überdurchschnittlich hohe Innovationskraft aufweisen, da sie auf die Kreativität und das Engagement ihrer Belegschaft setzen, anstatt nur auf Kostenminimierung zu fokussieren.

Österreich als fruchtbarer Boden für alternatives Wirtschaften

Österreich gilt als eine der Geburtsstätten der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung. Bereits über 3000 Unternehmen und Organisationen weltweit haben sich der Bewegung angeschlossen, davon befinden sich mehrere hundert in Österreich. Besonders in Wien haben sich zahlreiche Betriebe für eine GWÖ-Bilanzierung entschieden, von kleinen Handwerksbetrieben bis hin zu größeren Dienstleistungsunternehmen.

Die Wiener Wirtschaftskammer unterstützt interessierte Unternehmen bei der Umsetzung nachhaltiger Geschäftsmodelle und bietet regelmäßige Informationsveranstaltungen zur Gemeinwohl-Ökonomie an. Auch auf politischer Ebene findet das Konzept Anklang: Mehrere österreichische Gemeinden haben bereits Gemeinwohl-Bilanzen erstellt oder unterstützen Unternehmen bei der Implementierung entsprechender Maßnahmen.

Vergleich mit anderen deutschsprachigen Ländern

Während Deutschland, insbesondere Baden-Württemberg, eine starke Pionierrolle bei der praktischen Umsetzung der Gemeinwohl-Ökonomie übernommen hat, zeigt sich auch die Schweiz zunehmend interessiert. Schweizer Unternehmen schätzen besonders die systematische Herangehensweise der GWÖ-Bilanzierung, die gut zu der traditionellen Schweizer Gründlichkeit und dem Fokus auf Qualität passt.

Im Vergleich zu Deutschland hinkt Österreich bei der Anzahl bilanzierender Unternehmen noch etwas hinterher, zeigt aber eine sehr dynamische Entwicklung. Besonders im Bereich der wissenschaftlichen Begleitung und theoretischen Weiterentwicklung der Gemeinwohl-Ökonomie nimmt Österreich eine führende Position ein.

Das Wiener Publikumsgespräch: Brücke zwischen Theorie und Praxis

Im Anschluss an die Filmvorführung am 22. März 2026 um 13:00 Uhr im Filmhaus am Spittelberg findet ein hochkarätig besetztes Publikumsgespräch statt. Unter der Moderation von Barbara Andraschko diskutieren drei Experten die Übertragbarkeit der gezeigten Konzepte auf die Wiener Wirtschaftsrealität.

Michael Mattig-Gerlach, der Filmemacher, wird über seine Erfahrungen bei der Entstehung des Dokumentarfilms sprechen und aufzeigen, welche Erkenntnisse er aus den Gesprächen mit den porträtierten Unternehmern gewonnen hat. Alexandra Radl-Hanzal von UIV Urban Innovation Vienna, einem Tochterunternehmen der Wien Holding, bringt die Perspektive der Stadtentwicklung und nachhaltigen Unternehmensförderung ein.

Sebastian Wilken von da-ka hausbetreuung repräsentiert die praktische Seite eines Wiener Unternehmens, das bereits nach GWÖ-Prinzipien arbeitet. Sein Betrieb zeigt, wie auch kleinere Dienstleistungsunternehmen erfolgreich nachhaltige Geschäftsmodelle umsetzen können, ohne dabei ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Bedeutung für die Wiener Wirtschaftslandschaft

Wien hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Hub für nachhaltige Wirtschaftsmodelle entwickelt. Die Stadt fördert aktiv Unternehmen, die sich sozialen und ökologischen Zielen verpflichtet fühlen, und bietet verschiedene Unterstützungsprogramme an. Die UIV Urban Innovation Vienna spielt dabei eine zentrale Rolle als Vermittler zwischen innovativen Unternehmen und der Stadtpolitik.

Für Wiener Unternehmen bietet die Gemeinwohl-Ökonomie interessante Möglichkeiten, sich von der Konkurrenz zu differenzieren und gleichzeitig einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Besonders in einer Stadt wie Wien, wo soziale Verantwortung und Lebensqualität einen hohen Stellenwert haben, können GWÖ-Prinzipien zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil werden.

Zukunftsperspektiven: Vom Nischenkonzept zum Mainstream

Die Dokumentation "Hoffnung für die Pioniere des Wandels" kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Immer mehr Verbraucher legen Wert auf nachhaltige und ethische Produkte, und auch Investoren richten ihren Fokus verstärkt auf ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance). Diese Entwicklung schafft günstige Rahmenbedingungen für Unternehmen, die nach Gemeinwohl-Ökonomie-Prinzipien arbeiten.

Experten prognostizieren, dass sich die Gemeinwohl-Ökonomie in den nächsten Jahren von einem Nischenkonzept zu einem ernstzunehmenden alternativen Wirtschaftsmodell entwickeln könnte. Besonders die jüngere Generation von Unternehmern und Konsumenten zeigt großes Interesse an nachhaltigen und sozial verantwortlichen Geschäftsmodellen.

Für Wien bedeutet dies die Chance, sich als Vorreiter für zukunftsfähige Wirtschaftsformen zu positionieren. Die Stadt könnte durch gezielte Förderung von GWÖ-Unternehmen und die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen ihre Attraktivität als Wirtschaftsstandort weiter steigern.

Herausforderungen und Kritikpunkte

Trotz der positiven Entwicklungen gibt es auch kritische Stimmen zur Gemeinwohl-Ökonomie. Skeptiker bemängeln, dass die GWÖ-Bilanzierung zu komplex und zeitaufwändig sei, insbesondere für kleinere Unternehmen. Zudem fehle es noch an einheitlichen Standards und einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Messbarkeit des Gemeinwohls. Während finanzielle Kennzahlen objektiv erfassbar sind, basiert die Bewertung sozialer und ökologischer Faktoren teilweise auf subjektiven Einschätzungen. Dennoch arbeitet die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung kontinuierlich an der Verbesserung ihrer Methodik und der Standardisierung der Bewertungskriterien.

Die Wiener Kinopremiere von "Hoffnung für die Pioniere des Wandels" bietet eine einmalige Gelegenheit, sich über diese zukunftsweisenden Wirtschaftsmodelle zu informieren und mit Experten zu diskutieren. Der Film zeigt nicht nur theoretische Konzepte auf, sondern präsentiert konkrete Erfolgsgeschichten von Unternehmen, die beweisen, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung Hand in Hand gehen können. Interessierte können sich bereits jetzt Tickets für die Vorstellung um 13:00 Uhr im Filmhaus am Spittelberg sichern und Teil dieser wichtigen Diskussion über die Zukunft unseres Wirtschaftssystems werden.

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