Vierte österreichische Stadt schließt sich naBe-Aktionsplan an
Wiener Neustadt verstärkt nachhaltige Beschaffung durch Partnerschaft mit dem Bund und will Vorbildrolle im Klimaschutz übernehmen.
Wiener Neustadt hat einen wichtigen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gesetzt: Am 11. Februar 2026 unterzeichnete die Stadt eine strategische Partnerschaft mit dem Bund im Bereich der nachhaltigen öffentlichen Beschaffung (naBe). Damit wird Wiener Neustadt nach Linz, Villach und Graz zur vierten österreichischen Stadt, die sich offiziell zur verstärkten Integration ökologischer Kriterien in ihr Beschaffungswesen verpflichtet.
Die naBe-Partnerschaft ist Teil einer bundesweiten Initiative zur Förderung nachhaltiger öffentlicher Beschaffung. Bundesminister Norbert Totschnig betonte bei der Unterzeichnung die Bedeutung dieser Zusammenarbeit: "Mit der naBe-Partnerschaft übernimmt Wiener Neustadt eine Vorbildrolle im Umwelt- und Klimaschutz. Nachhaltige Beschaffung wirkt besonders dann, wenn Bund, Länder und Gemeinden eng zusammenarbeiten. Ich freue mich, dass Wiener Neustadt diesen Weg aktiv mitgestaltet."
Die Umsetzung der nachhaltigen Beschaffungsstrategie erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der naBe-Plattform der Bundesbeschaffung GmbH (BBG), die als zentrale Koordinationsstelle für nachhaltige öffentliche Beschaffung fungiert.
Im Rahmen der Partnerschaft sind verschiedene konkrete Maßnahmen vorgesehen. Ein zentraler Baustein ist die Bestellung einer oder eines naBe-Beauftragten, der die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele in der Stadtverwaltung koordinieren wird. Diese Person wird als Schnittstelle zwischen der Stadt und den Bundesstellen fungieren und die Implementierung der nachhaltigen Beschaffungskriterien vorantreiben.
Darüber hinaus sind umfassende Kooperationen in mehreren Bereichen geplant. Dazu gehören ein systematisches Monitoring der Nachhaltigkeitsfortschritte, Weiterbildungsmaßnahmen für die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ein kontinuierlicher Wissensaustausch mit anderen Partnerstädten und Bundesstellen. Auch bei der Weiterentwicklung der naBe-Kriterien will Wiener Neustadt aktiv mitwirken und ihre Erfahrungen einbringen.
Die Bedeutung der Kommunen für eine nachhaltige Beschaffungspolitik kann nicht überschätzt werden. Länder, Städte und Gemeinden verantworten mehr als 30 Prozent der gesamten öffentlichen Beschaffung in Österreich und sind damit unverzichtbare Partner im naBe-Netzwerk. Durch ihre direkte Nähe zu den Bürgern und ihre Rolle als lokale Wirtschaftsakteure können sie besonders effektiv nachhaltige Impulse setzen.
Wiener Neustadt hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass die Stadt ihre Verantwortung ernst nimmt. Ein prominentes Beispiel ist die vorbildliche Elektrifizierung des städtischen Fuhrparks, die als Modell für andere Kommunen dient. Diese und andere Maßnahmen haben den Grundstein für die nun erfolgte Partnerschaft gelegt.
Die politische Führung Wiener Neustadts steht geschlossen hinter der nachhaltigen Beschaffungsinitiative. Bürgermeister Klaus Schneeberger sowie die beiden zuständigen Stadträte LAbg. Franz Dinhobl und Norbert Horvath erklärten gemeinsam: "Die Partnerschaft mit dem Bundesministerium ist ein ganz wesentlicher Teil auf unserem Weg hin zu einer nachhaltigen Beschaffung in der Stadtverwaltung, den wir seit einigen Jahren konsequent verfolgen. Mehr als die Hälfte unserer Beschaffungsgruppen entsprechen bereits den Kriterien. Mit der offiziellen Unterzeichnung erhalten wir nun die beste Unterstützung für die weiteren Umsetzungen."
Diese Aussage verdeutlicht, dass Wiener Neustadt bereits erhebliche Vorarbeit geleistet hat. Der formelle Beitritt zur naBe-Partnerschaft ist somit weniger ein Neuanfang als vielmehr die Institutionalisierung bereits begonnener Bemühungen.
Der Weg zur Partnerschaft war sorgfältig vorbereitet. Bereits im September 2025 hatte der Gemeinderat von Wiener Neustadt den Beitritt zur naBe-Partnerschaft beschlossen. Die Zeit zwischen Gemeinderatsbeschluss und feierlicher Unterzeichnung wurde genutzt, um die notwendigen administrativen und organisatorischen Vorbereitungen zu treffen.
Die feierliche Unterzeichnung durch Bürgermeister Schneeberger und Bundesminister Totschnig markiert nun den offiziellen Start der intensivierten Zusammenarbeit. Damit wird Wiener Neustadt Teil eines wachsenden Netzwerks österreichischer Kommunen, die sich der nachhaltigen Beschaffung verschrieben haben.
Die naBe-Partnerschaft verfolgt ambitionierte und konkrete Ziele, die weit über symbolische Gesten hinausgehen. Im Zentrum steht die verbindliche Orientierung an Nachhaltigkeitskriterien in 16 verschiedenen Beschaffungsgruppen. Diese umfassen verschiedenste Bereiche des städtischen Bedarfs, von Büromaterialien über Fahrzeuge bis hin zu Bauleistungen.
Ein weiteres zentrales Ziel ist die Stärkung der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand. Durch ihr Beschaffungsverhalten können Kommunen wichtige Signale an den Markt senden und nachhaltige Produkte und Dienstleistungen stärker nachfragen. Dies kann wiederum Anreize für Unternehmen schaffen, ihr Angebot entsprechend auszurichten.
Die Partnerschaft zielt auch auf eine messbare Reduktion von Umwelt- und Klimabelastungen ab. Durch die Bevorzugung umweltfreundlicher Produkte und Dienstleistungen kann die Stadt ihren ökologischen Fußabdruck deutlich reduzieren. Gleichzeitig sind langfristige Kosteneinsparungen zu erwarten, da nachhaltige Produkte oft eine längere Lebensdauer aufweisen und geringere Folgekosten verursachen.
Besonders interessant sind die geplanten Impulse für regionale Wirtschaftskreisläufe. Durch die verstärkte Berücksichtigung regionaler Anbieter und nachhaltiger Produktionsweisen kann die naBe-Partnerschaft dazu beitragen, die lokale Wirtschaft zu stärken und Transportwege zu reduzieren. Dies schafft eine Win-Win-Situation für Umwelt und regionale Unternehmen.
Die Umstellung auf nachhaltige Beschaffung bringt sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich. Zu den Herausforderungen gehört die oft komplexere Bewertung von Angeboten, da neben dem Preis auch ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt werden müssen. Dies erfordert entsprechende Schulungen für die Beschaffungsverantwortlichen und möglicherweise angepasste Vergabeverfahren.
Auf der anderen Seite eröffnen sich durch die nachhaltige Beschaffung neue Möglichkeiten für Innovation und Zusammenarbeit. Städte können zu Treibern nachhaltiger Lösungen werden und durch ihr Nachfrageverhalten den Markt für umweltfreundliche Produkte stärken. Dies kann letztendlich allen Verbrauchern zugutekommen, da nachhaltige Produkte durch größere Nachfrage kostengünstiger werden.
Ein wichtiger Aspekt der naBe-Partnerschaft ist der Wissenstransfer zwischen den beteiligten Akteuren. Wiener Neustadt profitiert von den Erfahrungen der bereits aktiven Partnerstädte Linz, Villach und Graz. Gleichzeitig kann die Stadt ihre eigenen Erkenntnisse und bewährten Praktiken in das Netzwerk einbringen.
Dieser Austausch beschleunigt den Lernprozess und hilft dabei, Fehler zu vermeiden, die andere bereits gemacht haben. Gleichzeitig entstehen Synergien, da ähnliche Herausforderungen gemeinsam angegangen werden können. Die BBG-Plattform fungiert dabei als Koordinations- und Informationszentrum.
Die naBe-Partnerschaft fügt sich in die breiteren Klimaziele Österreichs ein. Die öffentliche Beschaffung ist ein wichtiger Hebel für die Erreichung der nationalen und internationalen Klimaschutzziele. Durch die systematische Berücksichtigung von Umweltkriterien bei Ausschreibungen können erhebliche CO2-Einsparungen erzielt werden.
Wiener Neustadt unterstreicht mit der Partnerschaft sein Bekenntnis zu den Klimazielen und zeigt, dass Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene konkret und messbar umgesetzt werden kann. Die Stadt wird damit zu einem wichtigen Baustein in der österreichischen Klimastrategie.
Mit der Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung beginnt für Wiener Neustadt eine neue Phase der nachhaltigen Entwicklung. Die nächsten Schritte umfassen die konkrete Implementierung der vereinbarten Maßnahmen und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie.
Die Erfahrungen von Wiener Neustadt werden auch für andere österreichische Kommunen von Interesse sein, die ebenfalls eine naBe-Partnerschaft anstreben. Als vierte Stadt im Bund hat Wiener Neustadt eine Pionierrolle übernommen, die anderen Kommunen als Vorbild dienen kann.
Die Partnerschaft zeigt exemplarisch, wie durch die Zusammenarbeit verschiedener Verwaltungsebenen konkrete Fortschritte beim Klimaschutz erzielt werden können. Sie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigeren öffentlichen Verwaltung in Österreich.