"I am good enough.": Drei Jahre Weiterbildung für einen gesünderen Umgang mit Körperbildern bei Jugendlichen
Die Wiener Gesundheitsförderung zieht positive Bilanz: Das Projekt zur Stärkung des Selbstwertgefühls junger Menschen erreichte hunderte Pädagogen und Eltern.
In einer Zeit, in der Social Media und digitale Medien das Selbstbild junger Menschen stärker prägen denn je, hat die Wiener Gesundheitsförderung (WiG) ein ambitioniertes Projekt zum Abschluss gebracht. "I am good enough. Stark durch vielfältige Körperbilder" lautete der Titel der Initiative, die zwischen 2022 und 2025 einen wichtigen Beitrag zur psychischen Gesundheit von Jugendlichen in Wien leistete.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit 16 Webinaren und 11 Vorträgen erreichte das Projekt mehr als 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Darunter befanden sich Pädagoginnen und Pädagogen, Fachkräfte der Jugendarbeit sowie Eltern und andere erwachsene Bezugspersonen. Sie alle wurden in die Lage versetzt, junge Menschen bei der Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls zu unterstützen.
"Unser Angebot hat gezeigt, wie groß der Bedarf an solchen Formaten ist", erklärt Dennis Beck, Geschäftsführer der Wiener Gesundheitsförderung. "Viele Menschen wünschen sich Orientierung, Austausch und konkrete praktische Impulse, wie sie junge Menschen bei der Entwicklung eines positiven Selbstwertgefühls und dem Erkennen ihres eigenen Werts abseits von Schönheitsidealen unterstützen können."
Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper gehört zu den zentralen Entwicklungsaufgaben im Jugendalter. Gleichzeitig werden junge Menschen heute wie nie zuvor mit idealisierten Körperbildern konfrontiert. Instagram, TikTok und andere Plattformen präsentieren gefilterte und bearbeitete Bilder als vermeintliche Normalität. Die Folgen können gravierend sein: Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und negativem Körperbild, Essstörungen sowie Depressionen.
Das Wiener Projekt setzte genau an diesem Punkt an. Es ging nicht darum, Medien zu verteufeln, sondern einen kritischen und reflektierten Umgang damit zu fördern. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Weiterbildungen lernten, wie Medienbilder auf junge Menschen wirken und welche Schönheitsideale dabei transportiert werden.
Ein besonderer Aspekt des Projekts war die Erkenntnis, dass die Reflexion bei den Erwachsenen selbst beginnen muss. Denn auch Eltern, Lehrkräfte und andere Bezugspersonen sind nicht vor kritischen Selbstbewertungen oder dem Bewerten anderer Körper gefeit. Oft geschieht dies unbewusst – ein beiläufiger Kommentar über das eigene Gewicht oder das Aussehen anderer kann bei Jugendlichen jedoch nachhaltige Wirkung entfalten.
Die Webinare und Vorträge boten daher Raum für eigene Auseinandersetzung. Teilnehmende wurden eingeladen, ihre eigenen Einstellungen zu Körper und Aussehen zu hinterfragen. Erst durch diese Selbstreflexion, so die Überzeugung der Projektverantwortlichen, können Erwachsene Jugendlichen authentisch begegnen und als glaubwürdige Gesprächspartner fungieren.
Neben der Sensibilisierung für das Thema erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konkrete Handlungsimpulse für ihre tägliche Arbeit mit jungen Menschen. Zu den vermittelten Inhalten gehörten:
Der offene Austausch zwischen den Teilnehmenden wurde dabei als besonders wertvoll empfunden. Pädagoginnen und Pädagogen konnten von den Erfahrungen der Jugendarbeit lernen und umgekehrt. Eltern erhielten Einblicke in schulische Perspektiven. Diese Vernetzung schuf ein gemeinsames Verständnis und ermöglichte abgestimmte Ansätze in der Unterstützung junger Menschen.
Das Gesamtprojekt verfolgte einen zweigleisigen Ansatz. Während die Wiener Gesundheitsförderung das Weiterbildungsangebot für Erwachsene verantwortete, führte der Projektpartner queraum. kultur- und sozialforschung Workshops direkt mit Jugendlichen durch. Diese fanden an Wiener Schulen der Sekundarstufe I und II statt und ermöglichten eine unmittelbare Arbeit mit der Zielgruppe.
Die Kombination beider Ansätze erwies sich als besonders wirkungsvoll. Einerseits wurden Jugendliche direkt in ihrer Medienkompetenz und Selbstakzeptanz gestärkt. Andererseits wurden die Erwachsenen in ihrem Umfeld befähigt, diese Entwicklung langfristig zu begleiten und zu unterstützen. So konnte eine nachhaltige Wirkung erzielt werden, die über einzelne Workshops hinausreicht.
Die Umsetzung des Projekts wurde durch verschiedene öffentliche Fördergeber ermöglicht. In der ersten Phase von Jänner 2022 bis Dezember 2023 stammten die Mittel aus der Agenda Gesundheitsförderung des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sowie aus dem Fonds Gesundes Österreich. Die zweite Projektphase von März 2024 bis August 2025 wurde vollständig aus Mitteln des Fonds Gesundes Österreich finanziert.
Diese öffentliche Unterstützung unterstreicht die gesundheitspolitische Relevanz des Themas. Die Förderung psychischer Gesundheit bei jungen Menschen wird zunehmend als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden, die präventive Maßnahmen erfordert.
Mit dem formalen Projektabschluss endet zwar die strukturierte Durchführung von Webinaren und Vorträgen, die Bedeutung des Themas bleibt jedoch unverändert aktuell. Die zunehmende Digitalisierung des Alltags, neue Trends wie KI-generierte Bilder und der anhaltende Einfluss sozialer Medien auf das Selbstbild junger Menschen stellen Eltern, Schulen und Jugendarbeit vor kontinuierliche Herausforderungen.
Die mehr als 600 Fachkräfte und Bezugspersonen, die durch das Projekt geschult wurden, tragen das erworbene Wissen und die entwickelten Kompetenzen in ihre jeweiligen Arbeitsbereiche. Sie fungieren als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die das Bewusstsein für die Thematik weitertragen und verankern.
Das Projekt reiht sich in eine Tradition der Wiener Gesundheitsförderung ein, die seit Jahren innovative Ansätze in der Prävention und Gesundheitsbildung entwickelt. Der Fokus auf psychische Gesundheit und Medienkompetenz entspricht dabei aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Bedarfen.
Die positive Bilanz des Projekts "I am good enough." zeigt, dass niederschwellige Weiterbildungsangebote auf großes Interesse stoßen. Der Bedarf an Orientierung und praktischen Werkzeugen für den Umgang mit Körperbildern und Schönheitsidealen ist offensichtlich vorhanden. Die Erfahrungen aus diesem Projekt können als Grundlage für zukünftige Initiativen dienen – in Wien und darüber hinaus.
Für Personen, die sich weiterhin mit dem Thema beschäftigen möchten, bietet die Wiener Gesundheitsförderung über ihre Website Informationsmaterialien und Anregungen. Die während des Projekts entwickelten Inhalte bleiben somit auch nach Projektende zugänglich und nutzbar.